Skandal um Tierquälerei im Allgäuer Milchviehbetrieb

1
69

An die Bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Sehr geehrte Frau Kaniber,

dieses traurige Beispiel zeigt doch wieder, dass eine Reformierung des Tierschutzgesetzes und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung längst überfällig ist.

In allen Medien wird ausreichend über das Ausmaß der Tierquälerei in Allgäuer Milchviehbetrieb – der als Prestigebetrieb gelten soll – von Franz Endres in Bad Grönenbach/Allgäu berichtet und von allen Seiten wird jetzt große Betroffenheit gezeigt sowie Aufklärung und Sanktionen gegen alle Beteiligten gefordert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits in verschiedenen Richtungen aber mit der Bestrafung einzelner Personen ist es jedoch nicht getan solange sich das ganze System in der Agrarwirtschaft und der tierquälerischen Massentierhaltung unverändert bleibt.
Ist es denn nicht gerade unser Agrarwirtschaftssystem mit der industriellen Massentierhaltung das diese sich wiederholenden Skandale ermöglicht, ja auch geradezu provoziert?

Solange nur das Gewinnstreben und die industrielle Ausbeutung der Nutztiere im Vordergrund steht und dieses System durch ein Netzwerk – bestehend aus Politik, Agrarverbänden, Agrarlobbyisten und dem Bauernverband nahestehende Stiftungen – das einen immensen Einfluss im Agrarausschuss des Europa-Parlaments und im Landwirtschaftsausschuss des Bundestages hat, unterstützt und gefördert wird, werden diese Tierhaltungsskandale auch weiterhin keine Einzelfälle bleiben.
(Die Studie Lobbyverflechtungen 2019 der Universität Bremen und der EU-Lobbyreport 2019 sagt zu diesem Thema Einiges aus).

Dazu müsste sich auch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung TierSchNutztV als “untergesetzliche“ Rechtsverordnung viel mehr an den Ge- und Verbotstatbeständen des Tierschutzgesetzes sowie an der Staatszielbestimmung zum Tierschutz gemäß Art. 20a Grundgesetz orientieren und der Tierschutz dürfte nicht länger wirtschaftlichen Geschäftsinteressen einflussreicher Agrar-Konzerne untergeordnet werden.

Zu diesen Missständen tragen auch die chronisch unterbesetzten und überforderten Veterinärämter bei. Sie können gar keine ausreichende Personal- und die Kontrolldichte gewährleisten. Der Staat spart hier wie auch in anderen Fällen an der falschen Stelle und erleichtert es den Betrieben gegen die Tierschutzgesetze und die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zu verstoßen.

Unterstützt wird dies durch einen massiven Vollzugsdefizit und dem juristischen Kaum-Handeln von Staatsanwälten und Richtern sowie mit der faktischen Straflosigkeit institutionalisierter Agrarkriminalität. Da wo es kaum Sanktionen gibt werden die Gesetze natürlich gerne überschritten.
(Die Studie 2015 vom Thünen-Institut beschreibt diesen Sachverhalt ausführlich)

EU-Agrarsubventionen nach Betriebsgröße sind ebenfalls kontraproduktiv wenn es um Tierschutz geht und dienen nicht zur Förderung von ökologisch und tierartgerecht wirtschaftenden Betrieben.

Auch eine Reformierung des Tierschutzgesetzes und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung die dem Staatsziel Tierschutz entsprechen ist längst überfällig und würde dazu beitragen, dass Tierquälereien in der Massentierhaltung aufhören. Ich habe meine starken Zweifel daran, dass Massentierhaltung ohne Tierleid überhaupt möglich ist. Wäre es dann nicht konsequent, die Massentierhaltung überhaupt abzuschaffen?
Dies würde auch den Ausbau ökologisch arbeitender Betriebe fördern und somit die Konzentration auf einige Riesenkonzerne eindämmen, die Ihre Qualprodukte aus der nicht artgerechten Massentierhaltung zu Dumpingpreisen verschleudern können.

Damit Deutschland, so wie es im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD steht, beim Tierschutz eine Spitzenposition einnimmt wären weitere Instrumentarien wie z.B. bundesweites Verbandsklagerecht, verbindliches Lobbyregister, Whistleblower-Schutz, Schwerpunktstaatsanwaltschaft, Compliance System, Rotationsprinzip für Veterinärärzte unabdingbar.

Sollte der Landwirt verurteilt werden, so muss Ihm und seiner Familie ein dauerhaftes und generelles Tierhaltungsverbot auferlegt werden.
Was mich wundert ist, dass keiner der Geschäftspartner etwas von den katastrophalen Zuständen und den Haltungsbedingungen der Tiere gewusst haben will. Überprüfen diese Unternehmen im Rahmen der Qualitätskontrollmaßnahmen denn nicht Ihre Zulieferanten?

Mich verwundert es auch sehr, dass das Landratsamt und das Veterinäramt trotz regelmäßiger Kontrollen so lange nichts von den Missständen erfahren haben will. Eine erste Anzeige lag ja schon am 10. Juni vor.
Da mussten erst Recherchen von Tierschutzorganisation den Skandal aufdecken weil das gesetzliche Kontrollsystem wieder mal versagt hat.
Na ja wie gesagt, Skandale dieser Art liegen in unserem reformbedürftigen Agrarwirtschaftssystem begründet und ohne Reform kommt der nächste Skandal aus der Massentierhaltung, vom Tiertransport oder aus einer (Groß)-schlachterei ganz bestimmt.

Bitte nehmen Sie sowie alle Verantwortlichen diesen Skandal doch nun zum Anlass, um endlich die dringend benötigten Reformen, für eine ökologisch nachhaltige Agrarwirtschaft sowie für eine ethisch und moralisch vertretbare, artgerechte Nutztierhaltung in der EU-Agrarpolitik, einzufordern und durchzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen,

Harald Steinberg

——– Weitergeleitete Nachricht ——–
Betreff: Skandal um Tierquälerei im Allgäuer Milchviehbetrieb
Datum: 15.07.2019 um 11:54 Uhr
Von: Harald Steinberg h_steinberg@t-online.de
An: poststelle@stmelf.bayern.de

———-

Übersandt von:

Martina Patterson (16.07.2019; 13:13 Uhr)
pattersonmatpatt@gmx.net

———-

Veröffentlicht von „der fellbeißer“© ( www.fellbeisser.net/news/ ) am 16.07.2019
twitter.com/fellbeisser

Neu für Telegram-Nutzer: Fellbeisser-Channel
HinweisDie Artikel (und deren Titel) geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Sie sind ausschließlich die unverfälschte Meinung des Verfassers der Quellenartikel. Anzeigen und PR-Beiträge stellen die Meinung der Auftraggeber dar.

1 KOMMENTAR

  1. Die Menschen haben die Hölle für die Tiere auf Erden gebracht. Wie können sogenannte Menschen den Tieren so viel leid zufügen. Die sollten dasselbe leid erfahren was die den Tieren antun. Einfach grauenvoll. Stop die tierquäler und bestraft die. Ein Tier zu retten verändert nicht die Welt aber die Welt verändert sich für dieses eine Tier. Wir müssen anfangen würdevoll mit so hilflosen ausgelieferten Tieren umzugehen. Die Regierung ist gefragt diese tierqual zu beenden. Die Transporte in die drittländer ist grauenhaft das muss nicht sein. Stop

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!

Ich akzeptiere

Please enter your name here