Nein zu EU-Tiertransporten – Redebeitrag am 11.5.2019 in Berlin

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Wenn Tiere mit uns kommunizieren könnten, wenn wir die gleiche Sprache sprechen würden, was würden wir ihnen als Antwort geben auf die Frage, warum ihnen so viel Leid angetan wird? „Ihr habt uns zu dienen, weil ihr schwächer und anders seid?“ „Wir sind die Krone der Schöpfung und haben deshalb das Recht, euch zu töten, auszubeuten und zu quälen?“
Könnten wir ihnen das wirklich sagen und dabei in die Augen blicken?

Das Buch der Menschheitsgeschichte ist voller düsterer Kapitel – bis zum heutigen Tag.
Eines davon ist der transatlantische Sklavenhandel, der ungefähr vierhundert Jahre andauerte. Über einen heute unfassbar langen Zeitraum war es das geltende Recht hellhäutiger Menschen sich über dunkelhäutige zu stellen und sie zu versklaven.
Heutigen Schätzungen zufolge wurden über 40 Millionen Afrikaner verschleppt, doch nur jeder vierte überlebte die Gefangennahme in Afrika, die Torturen der Verschleppung und schließlich die grausamen Strapazen der Überfahrt. Im Bauch der Schiffe und auf engstem Raum, wurden sie angekettet und geschlagen, vegetierten in ihren eigenen Exkrementen dahin, viele wurden krank oder starben und dann einfach über Bord geworfen.

Es gibt Bilder und Videoaufnahmen aus Tiertransportern, die zwangsläufig daran erinnern, was Menschen mit einer anderen Hautfarbe einst angetan wurde: ein Verbrechen. Ein Verbrechen, das zur damaligen Zeit noch nicht als solches geahndet wurde und das einzig und allein deshalb geschah, weil es um wirtschaftliche Interessen, um Arbeitskräfte ging.
Die Geschichte wiederholt sich. Nur dass es sich heutzutage um Lebewesen handelt, die keine Menschen sind. Der Grund ist aber der gleiche: Es geht einzig und allein ums Geld. Und an diesem Geld klebt unendlich viel Blut, Leid, Schmerz, Gewalt und Qual.

Tiertransporter sind nichts anderes als moderne Sklavenschiffe und das europäische Tierschutzgesetz ist keinen Pfennig wert, wenn es nicht in der Lage ist, diese qualvollen Transporte zu stoppen und das Grauen, das die Tiere in Ländern außerhalb der EU erwartet.
Man muss sich einmal vorstellen, dass allein aus Bayern im vergangenen Jahr 14.639 Zuchtrinder exportiert wurden, nur Zuchtrinder! Von den exportierten Schlacht- und Mastrindern gibt es keine Angaben, weil es bei ihnen nach Gewicht geht.
Doch gerade Bayern hatte die Weichen umgestellt: Umweltminister Glauber gab Mitte März bekannt, Langstreckentiertransporte in 17 Nicht-EU-Länder verbieten zu wollen, darunter die Türkei, Libanon, Usbekistan und Marokko.
Aber am vergangenen Dienstag hat das Verwaltungsgericht München per Eilverfahren entschieden, dass Veterinärämter grundsätzlich verpflichtet sind, die Vorzeugnisse für den Export sogenannter Nutztieren ins Ausland auszustellen. Die berechtigten Bedenken der Veterinäre in Bezug auf den Tierschutz im Empfängerland reichen also nicht aus, um die Bescheinigung zu verweigern.
Dieses Urteil ist erschütternd und macht fassungslos! Das sind keine Richter, sondern Handlanger der Agrarlobby und ich frage mich, was sie in ihrem Herzen fühlen, wenn sie die Bilder von Rindern sehen, die geschächtet und vorher gequält werden! Wie kann man so ein Urteil fällen? Es ist ein tierverachtendes und Leid ignorierendes Urteil!
Dr. Edmund Haferbeck von PETA, der heute leider nicht hier sein kann, spricht zu Recht von organisierter Kriminalität.

Vom 10.-12. April fand in Landau die Agrarministerkonferenz statt und auch das Thema EU Tiertransporte stand auf der Tagesordnung, doch was kam unter dem Strich dabei heraus? Bund und Länder wollen den Tierschutz bei längeren Transporten in Drittländer besser überprüfen, zum Beispiel durch eine zentrale Datenbank. Digitale Plattformen sollen prüfen, ob Fahrtenbücher stimmig sind.
Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner kündigte die Untersuchung von Tiertransporte aus den Jahren 2017 und 2018 in die Türkei an, bei denen es möglicherweise zu heiß für die Tiere gewesen sein könnte. Möglicherweise zu heiß gewesen? Ein Überprüfung nach zwei Jahren?
Des weiteren meinte Frau Klöckner, dass der lange Transport von Tieren in manchen Fällen Anlass für Diskussionen gebe. In manchen Fällen?
Was ist das für eine Landwirtschaftsministerin, die offensichtliche Missstände und Leid so derartig herunterspielt?
Die hessische Umweltministerin Hinz sprach sich für zertifizierte Kontrollstellen bei Tiertransporten in Nicht-EU-Länder wie Ägypten oder Kasachstan aus. “Wir brauchen ein Kontrollsystem, das zu Bußgeldern führen kann”, meinte sie.
Es braucht keine Bußgelder, die vielleicht verhängt werden, kein fadenscheiniges Gerede um den heißen Brei, was denn nun erlaubt sein könne und was nicht, ob und wie mehr kontrolliert werden kann, wir brauchen ein eindeutiges Nein.
Ein Nein zu diesem Verbrechen an unseren Mitgeschöpfen!
Ein klares Nein zu einer vermeintlich religiösen Tötung, dem Schächten, welchem die Tiere aus EU-Ländern wissentlich ausgeliefert werden und die dem geltenden Tierschutzrecht hierzulande aufs Schärfste widerspricht! Es ist ja bekannt, welche Qualen die Tiere erleiden, bevor sie dort sterben: ohne Betäubung, gefesselt, mit mehreren Entblutungsschnitten und einem minutenlangen Todeskampf; vielen werden vorher die Augen ausgestochen und die Sehnen an den Beinen durchgeschnitten, von den Schlägen ganz zu schweigen.

Und auch den inneneuropäischen Tiertransporten muss aufs Schärfste widersprochen werden! Ein Kalb, das von Bayern nach Spanien zum Mästen gekarrt wird und dann in Norditalien geschlachtet wird – was ist das für ein kranker Irrsinn?
Tiertransporte gehören abgeschafft! Genauso wie Schlachthäuser und jegliche Form der Ausbeutung von Lebewesen, die ihre Rechte nicht einfordern können.
Wir sind heute hier, um unsere Stimme für die Stimmlosen zu erheben.
Wir fordern das Ende der Tiertransporte, denn diese Tierqual ist ein blutiger Schandfleck Europas!
Diese Tierquälerei ist eine Schande für die Menschlichkeit!
Wir alle, die wir heute hier versammelt sind, fordern die EU und alle Mitgliedsstaaten zum Handeln auf. Und nicht nur ein bisschen Handeln, ein wenig mehr Kontrollen und noch mehr Gesetzesentwürfe und Vorschläge, die das Leid nicht wirklich an der Wurzel anpacken.
Wir brauchen eine grundlegende Veränderung! Wir brauchen ein Verbot von Tiertransporten!
Gandhi hat nicht nur ein bisschen Freiheit von der englischen Herrschaft für Indien gefordert, sondern seine Befreiung. Martin Luther King hat nicht um ein wenig Gerechtigkeit für Menschen mit einer dunkleren Hautfarbe gekämpft, sondern für gleiches Recht aller seiner Brüder.
Und genauso fordern wir für unsere Brüder und Schwestern, den Tieren, das Recht auf Unversehrtheit, das Recht auf Leben und Schutz.
Leonardo da Vinci vertrat bereits vor über fünfhundert Jahren die Meinung, dass die Zeit kommen wird, da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird, wie das Verbrechen am Menschen.
Die EU-Tiertransporte sind ein Verbrechen. Ein Verbrechen an Lebewesen, die Leid und Schmerz, Freude und Liebe empfinden, wie wir Menschen.

©Daniela Böhm 2019
www.danielaböhm.com

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Daniela Böhm
Geboren am 30.06.1961 in der Schweiz Autorin/Schriftstellerin Persönliche Schwerpunkte: Tierrechte, Vegane Lebensweise, Umwelt. Bisher veröffentlichte Bücher: "Heute ist ein ganz anderer Tag", Tierschicksale "Der träumende Planet" "Die sechs magischen Steine" "Zwei Marder im Himmel", Fabeln "Dort wo du bist bin auch ich" Eine kleine Reise durch die Welt der Gegensätze "Auf der Suche nach dem verschwundenen Stern" "Das Mädchen aus dem Niemandsland" https://www.lovelybooks.de/autor/Daniela-Böhm/

2 KOMMENTARE

  1. Hallo Daniela, Danke für diesen inhaltstarken Beitrag! Du warst, wenn ich mich nicht irre, bei der Demo in München „ Die Kirche hat die Tiere vergessen „ dabei? Das Tierleid ist für mich unerträglich! Zum Glück bin ich jetzt in der Tieraktivist/innen Gruppe Oberland. LG Asnath

  2. Politik und Staat gehören verklagt und abgesetzt, den Verbrauchern das Handwerk gelegt und zur Rechenschaft gezogen.
    Es ist weltweit das größte politische und menschliche Verbrechen, der Abschaum an Menschheit…

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