Redebeitrag zur Protestaktion von Ärzte gegen Tierversuche gegen das geplante Tierversuchsforschungszentrum in Augsburg

Unter Paragraph 7a des dt. Tierschutzgesetzes, bei dem man sich oft genug fragt, ob es diesen Namen überhaupt verdient, heißt es u.a. bei den Vorschriften zur offiziellen Beantragung von Tierversuchen: „Versuche an Wirbeltieren oder Kopffüßern dürfen nur durchgeführt werden, wenn die zu erwartenden Schmerzen, Leiden oder Schäden der Tiere im Hinblick auf den Versuchszweck ethisch vertretbar sind.“

Kein Tierversuch ist ethisch vertretbar! Er kann es nicht sein. Keinerlei Schmerzen, und seien sie noch so minimal, könnten jemals gerechtfertigt werden, denn warum sollten Tiere für menschliche Krankheiten, Verhaltensforschung oder Chemieprodukte leiden? Aus welchem Grund? Was haben sie damit zu tun?
Auf dem neuen medizinischen Campus soll an Tieren experimentelle Forschung im Hinblick auf die Volkskrankheiten Krebs, Demenz, Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall durchgeführt werden. Wohlgemerkt, Volkskrankheiten!
Es gleicht ja schon kein menschlicher Organismus dem anderen. Lebensumstände, genetische Veranlagung, Ernährung, Umwelteinflüsse, psychische Befindlichkeiten usf. prägen jeden Organismus individuell. Jede Entstehung von Krankheiten beim Menschen hat vielschichtige Ursachen. Wie können wir also Tiere als Messeinheit nehmen?

Anstatt mit Steuergeldern ein neues Guantanamo für Tiere zu finanzieren, sollte Augsburg Vorbild sein und in tierversuchsfreie Forschung investieren. Und vielleicht mit einem Teil des geplanten Geldes auch bezahlbaren Wohnraum für seine Bürger schaffen!

Manfred Kyber, ein Schriftsteller des vergangenen Jahrhundert, der 1930 den Welttierschutzpreis verliehen bekam, nannte Tierversuche schon damals eine abendländische Kulturschande. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich dieser blutige Schandfleck der wissenschaftlichen Folter leider immer weiter ausgebreitet, die Anzahl und Grausamkeiten seiner Gräueltaten sind unbeschreiblich.
Wir sind heute hier, um dagegen zu protestieren, dass sich diese Schande mit dem Bau eines 35 Millionen teuren Tierversuchsforschungszentrum auch in Augsburg ausbreitet.
Und das in einer Zeit, in der die tierversuchsfreie Forschung bereits so weit fortgeschritten ist, und die Erkenntnis, dass Tierversuche nicht nur grausam, sondern auch unnütz sind, oft genug bewiesen wurde.

Allen Forschern, die noch immer am Modell Tierversuch festhalten, möchte man einen Satz aus der Bhagavad Gita nahelegen, der auch Mahatma Gandhi in seinem pazifistischen Widerstand gelenkt hat: Schade niemals einem lebendigen Wesen, egal ob Mensch oder Tier.

Protestaktion Ärzte gegen Tierversuche Augsburg 17.10.20

Eine Wissenschaft, die wissentlich Leiden schafft, ist verwerflich. Sie ist ihres Namens nicht würdig und einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig, einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen gegen Folter und Todesstrafe sind.
Wir leben im Europa des 21. Jahrhunderts! In einem Europa, das fortschrittlich sein will, es aber zulässt, dass Mitbewohner dieses Planeten gefoltert werden und über sie die Todesstrafe verhängt wird, obwohl sie keinerlei Schuld auf sich geladen haben.
Tiere zerstören keine Regenwälder, sie verseuchen diese Erde nicht mit Plastik, sie erfinden keine Waffen, bauen auch keine Chemiefabriken oder halten andere Tiere in Massengefängnissen.

Wir leben auf einem Planeten mit unzähligen Lebensformen, von denen jede Einzelne das Grundrecht auf Leben besitzt. Ein wesentlicher Punkt unterscheidet den Menschen von anderen Lebewesen: Verantwortung.
Und dieser Verantwortung sollten wir uns bewusst werden. Es geht nicht um ein Recht des Stärkeren, sondern um unsere Pflicht gegenüber Schwächeren. Diese Pflicht bezieht sich nicht nur auf schwächere Mitglieder einer menschlichen Gesellschaft, sondern muss alle Bewohner dieser Erde mit einbeziehen. Wir schreiben Integration und Gleichstellung auf unsere Fahnen, aber die Schwächsten der Schwächsten, diejenigen, die sich nicht wehren können, werden immer noch ausgebeutet und missbraucht.

Hinter dicken Mauern finden weltweit, Tag für Tag, Gewalt und Folter an Unschuldigen statt. Wenn Tierversuchslabore Wände aus Glas hätten, wenn ihre Türen und Fenster weit geöffnet wären und die Schreie der misshandelten Opfer auf die Straßen dringen würden, gäbe es vielleicht endlich die Revolution gegen Tierversuche, die so dringend notwendig wäre.
„Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort bedroht die Gerechtigkeit an jedem anderen.“ sagte Martin Luther King.
Wie kann es denn eine wirklich gerechte Welt geben, wenn wir unseren anderen Brüdern und Schwestern, den Tieren, keine Gerechtigkeit zugestehen? Tierversuche sind Unrecht und ungerecht. Ihre Leidtragenden sind wehrlose Geschöpfe, die auf dem Altar einer kaltherzigen Wissenschaft geopfert werden.
Eine bessere Welt für alle zu erschaffen, das sollte unser Bestreben und Ziel sein. Und diese bessere Welt wird nur möglich sein, wenn wir in unseren Bemühungen und in unserem Einsatz auch für diejenigen einstehen, die ihre Rechte nicht selbst einfordern können, jene, die keine Stimme haben, um sie zu erheben.

© Daniela Böhm
www.danielaböhm.com

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Petition Augsburg muss Tierversuchsfrei bleiben

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