Ernüchterung – Haltung von Zuchtsauen in Kastenständen geht weiter

Deutscher Tierschutzbund Landestierschutzverband Niedersachsen e.V. – Pressemeldung vom 05.07.2020

Die Landesregierung Niedersachsen hat im Rahmen der 7. Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zugestimmt, dass die grausame Kastenstandhaltung von Zuchtsauen weitere acht Jahre andauern wird. Als sogenannten Erfolg wurde seitens der Regierenden hervorgehoben, dass nach dieser Übergangsfrist ein Systemwechsel vom Kastenstand hin zur Gruppenhaltung der Sauen erfolgen würde.

Der vom Bundesrat verabschiedete “Kompromiss“ hat mit Tierschutz nichts zu tun! Entgegen der Forderungen des deutschen Ethikrates und trotz des Protestes von Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen sowie hunderttausender Bürger*Innen werden Muttersauen für weitere acht, im Abferkelbereich sogar für fünfzehn Jahre, in die tierschutz- und auch rechtswidrigen Kastenstände gezwängt.

Dazu Dieter Ruhnke vom Landestierschutzverband Niedersachsen: „Das ist nur eine kleine Veränderung, aber keine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Muttersauen. Letztendlich handelt es sich um die Legitimierung jahrzehntelanger Rechtsverstöße, denen Winkeladvokatenzüge anhaftet. Einmal mehr geht es bei einem politischen Beschluss im Tierschutz nicht um die Belange der Tiere, sondern um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweinehalter. Eine Missachtung der Judikative, wie sie deutlicher nicht sein kann“.

Mit der neuen Regelung wird faktisch die Umsetzungsfrist seit 1992 auf insgesamt 42 Jahre verlängert. Dies ist nicht nur mit dem Staatsziel „Tierschutz“ unvereinbar – es stellt auch die Definition der Übergangsfrist ad absurdum. Übergangsfristen sind dazu da, vormals rechtmäßige Zustände, die auf Grund einer neuen Regelung in Zukunft rechtswidrig werden würden, noch für eine angemessene Frist zu dulden, aber nicht bereits rechtswidrige Zustände durch die Hintertür zu legitimieren.

Der Landestierschutzverband Niedersachsen stellt jedoch fest:

• Die höchstrichterliche Rechtsprechung, das sogenannte Magdeburger Urteil und die Entscheidung der Richter am Bundesveraltungsgericht (08.11.2016 Az. 3B11/16), wurde nicht umgesetzt.

• die ursprünglichen Mindestvorgaben wurden nicht nur in der Hinsicht verändert, dass nun nur noch bauliche Hindernisse, nicht aber das benachbarte Schwein für das ungehinderte Ausstrecken verboten werden, sondern auch die Vorschriften, dass die Sau ungehindert aufstehen und den Kopf ausstrecken darf wurden gestrichen. Man hat insgesamt dafür gesorgt, dass die jetzt vorhandenen Kastenstände für die nächsten Jahre rechtlich unangreifbar werden.

• Die angedachte Gruppenhaltung – mehr Platz, Liege- und Aktivitätsbereich, Rückzugsmöglichkeiten – im Deckbereich scheint ein Erfolg zu sein, aber birgt die Ernüchterung, weil die Sauen eine deutlich längere Zeit im sogenannten Wartebereich mit weniger Platz als im Deckbereich verbringen müssen. Für den Wartebereich wurden keine neuen Vorgaben wie im Deckbereich geschaffen.

Fazit: Es bleibt, wie es ist!

Ruhnke weiter: „Der Beschluss ist nicht nachvollziehbar. Ein Umbau wäre zeitlich weit früher möglich, wie in Sachsen-Anhalt seit 2015 zu beobachten ist. Hier werden in Erfüllung der Vorgaben der Gerichte die Ställe bereits umgebaut. Bereits 70 % der haben somit einen rechtskonformen Zustand hergestellt. 24 % der Betriebe haben sogar bereits auf Gruppenhaltung umgestellt“.

Die Kastenstandhaltung steht für die hierzulande praktizierte Schweinehaltung insgesamt. Ein Systemwechsel ist dringend erforderlich. Hier wird die noch anhängende Normenkontrollklage des Berliner Senates, der die rechtlichen Anforderungen an der Schweinhaltung für verfassungswidrig hält, vor dem Bundesverfassungsgericht für Klärung sorgen müssen.

Dieter Ruhnke
Vorsitzender

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Andrea Wildhagen (05.07.2020; 09:46 Uhr)
andrea.wildhagen@tierschutznie…

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Mahnwache vor Tönnies: Menschen leiden, Tiere sterben! (Video)

Deutsches Tierschutzbüro e.V. – Newsletter vom 05.07.2020

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies beschäftigt ganz Deutschland. Vor allem steht Tönnies wegen dem Umgang mit Arbeitskräften von Subunternehmen massiv in der Kritik. Doch nicht nur Menschen leiden unter dem Schlachtgiganten, sondern vor allem auch die Tiere, die tagtäglich geschlachtet werden.

Im Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück (NRW) wurden zum Schluss bis zu 30.000 Schweine am Tag geschlachtet. Durch die Schließung des Schlachtbetriebs werden die meisten Tiere nun auf andere Schlachthöfe des Unternehmens verteilt. Den zweitgrößten Schlachthof, neben Rheda-Wiedenbrück, betreibt Tönnies in Weißenfels (Sachsen-Anhalt). Hier werden um die 20.000 Schweine täglich geschlachtet. Über 100 Tiertransporter fahren täglich vor. Wir befürchten, dass nun deutlich mehr Tiere in Weißenfels geschlachtet werden und dass aufgrund der Masse und des Akkordes noch mehr Tiere leiden. Daher waren wir am vergangenen Donnerstag vor Ort in Weißenfels und haben eine Mahnwache abgehalten.

Unter dem Motto „Tönnies tötet – Menschen leiden, Tiere sterben” haben wir zusammen mit 45 Aktivist*innen aus der Region Tiertransporter vor dem Schlachthof in Weißenfels angehalten, um zu schauen, wie es den Tieren ging und um ihnen vor dem Tod wenigstens einen kurzen “Moment der Freude” zu bereiten. Für uns und viele Aktivist*innen waren es sehr emotionale und angespannte Momente. Dabei wurden die Transporter nur ganz kurz (max. 5 Minuten) angehalten. Wir wollten den Tieren auf keinen Fall zusätzlich Leid zufügen. Viele der Schweine wirkten bei ihrer Ankunft gestresst und hatten Angst. Kein Tier geht freiwillig in einen Schlachthof. Wir wollten ihnen kurz vor dem Tod aber zeigen, dass es auch friedvolle Menschen gibt, die niemals aufhören werden für sie und ihre Rechte zu kämpfen.

Mit der Aktion wollten wir aber auch aufzeigen, dass in jedem Schnitzel auch mal ein Herz geschlagen hat. Gerade Tönnies steht für massive Ausbeutung von Menschen, aber eben auch von Tieren und das wird bei der aktuellen Diskussion gerade total vergessen. Fast 100% aller geschlachteten Schweine bei Tönnies stammen aus der Massentierhaltung.

Auch wenn wir diese Schweine leider nicht mehr retten konnten, so konnten wir mit unserer Aktion dazu beitragen, dass neben den Missständen bei den Mitarbeiter*innen nun auch über das Leiden der Tiere berichtet wird. Viele Pressevertreter*innen verschiedener Medien (TV & Radio) kamen zur Aktion und der MDR berichtete sogar live ( www.ardmediathek.de/mdr/video/… ) von der Mahnwache. Weitere Medienberichte, einen Artikel und Fotos findest Du hier:

Tönnies tötet – Menschen leiden, Tiere sterben

Dieses grausame System der Ausbeutung und des Leids können wir alle beeinflussen und beenden, indem wir pflanzliche Alternativen wählen und der Fleischindustrie den Rücken kehren. Wir unterstützen Dich gerne mit Twenty4VEGAN dabei!

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Lesen Sie bitte den vollständigen Newsletter online unter:
www.tierschutzbuero.de/nlarchi…

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Deutsches Tierschutzbüro e.V. (05.07.2020; 03:05 Uhr)
keine-antwort@tierschutzbuero….

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Veröffentlichungen von Dr. Helmut F. Kaplan
www.tierrechte-kaplan.org/

AKT – AKTION KONSEQUENTER TIERSCHUTZ (Peter H. Arras):
www.akt-mitweltethik.de/

Veröffentlicht von „der fellbeißer“© ( www.fellbeisser.net/news/ ) am 05.07.2020
twitter.com/fellbeisser

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