VIER PFOTEN kritisiert schwache Empfehlungen des EU-Untersuchungsausschusses

Hamburg/Brüssel, 03. Dezember 2021 – Der Untersuchungsausschuss zu Tiertransporten (ANIT) hat gestern Abend über den Bericht und die Empfehlungen abgestimmt, die Mitte Januar 2022 im EU-Parlament zur Abstimmung stehen werden. Diese können ein erster Schritt sein, die systemischen Probleme von Lebendtiertransporten innerhalb und außerhalb der EU in Zukunft besser zu regeln. Laut der globalen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN sprechen die Empfehlungen bereits einige wichtige Aspekte an, grundsätzliche Probleme bei Tiertransporten werden aber unzureichend adressiert. Auch auf deutscher Ebene fehlen ernsthafte Bemühungen, um die grausamen Tiertransporte zu beenden.

In der gestrigen, ersten Abstimmungsrunde wurden mehrere Änderungsanträge verabschiedet, die bestimmte Probleme der grausamen Tiertransporte adressieren. Trotz 18-monatiger Arbeit, unzähligen Beweisen und Anhörungen konnte man im Ausschuss keine Mehrheit für einen Stopp der tierquälerischen Transporte gewinnen. Die massiven tierschutzwidrigen Zustände bei Lebendtiertransporten werden also weitergehen. Unter anderem wurden in den Empfehlungen Forderungen nach einem Transportverbot für nicht entwöhnte Kälber, die jünger sind als fünf Wochen, für trächtige Tiere im letzten Schwangerschaftsdrittel und eine Begrenzung der Transportdauer auf acht Stunden für Schlachttiere verabschiedet.

Rüdiger Jürgensen, VIER PFOTEN Director Policy and Advocacy Germany: „Diese Empfehlungen des Ausschusses gehen definitiv nicht weit genug. Viele Tierschutzaspekte wurden überhaupt nicht angesprochen. Auch der jüngst veröffentlichte Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ist wenig ambitioniert im Bereich Tiertransporte. Auf deutscher sowie EU-Ebene wurden damit Chancen verpasst, ein Ende von grausamen Tiertransporten wirklich anzuschieben. Was wir brauchen ist ein Verbot von Lebendtierexporten in Drittstaaten, eine Begrenzung aller Transporte auf acht Stunden – egal, ob Zucht- oder Schlachttier – sowie ein Transportverbot von nicht entwöhnten Jungtieren, bei Kälbern also frühestens ab drei Monaten. Denn all die Millionen transportierten Tiere leiden schreckliche Qualen auf den oft tage- und wochenlangen Routen. Hier muss dringend nachgebessert werden!“

Tragödien während des Transports

Während der vergangenen 18 Monate, in denen sich der ANIT mit den Problemen bei Tiertransporten befasste, saßen zwei Schiffe für fast drei Monate lang auf See fest: Alle Tiere an Bord mussten letztlich getötet werden.

„Wir können lebende Tiere nicht länger als Ware behandeln. Der Bericht und die Empfehlungen des Ausschusses sind nur erste von vielen Schritten, um dem endlich ein Ende zu setzen. Es braucht aber deutlich ambitioniertere Signale des Parlaments. Wir fordern deshalb das Europäische Parlament auf, im Januar für weit strengere Empfehlungen zu stimmen und hoffen, dass die Europäische Kommission dieser Aufforderung zum Handeln bei der Überarbeitung der EU-Tierschutztransportverordnung, die bald ansteht, auch nachkommen wird“, so Jürgensen.

Hintergrund: Der ANIT-Untersuchungsausschuss

In den vergangenen 18 Monaten haben sich die Mitglieder des ANIT mit verschiedenen Anliegen und Problemen befasst, die während oder im Zusammenhang mit dem Transport lebender Tiere auftreten und Verstöße gegen die Rechtsvorschriften der Europäischen Union zum Schutz von Tieren beim Transport untersucht. In Anhörungen mit Expert:innen von NGOs, der Transportindustrie, Tierärzt:innen sowie durch Besuche vor Ort in mehreren EU-Ländern konnten sich die Mitglieder aus erster Hand ein Bild von dem Leid und den Tierschutzproblemen machen, die aufgrund von Verstößen gegen die Transportvorschriften, aber auch aufgrund des fehlenden Rechtsrahmens in vielen Bereichen entstehen.

Der ANIT-Ausschuss weist nicht nur auf die Probleme bei der Durchsetzung der geltenden Vorschriften hin, sondern macht auch auf schlecht formulierte Rechtsvorschriften aufmerksam, die in Zukunft angepasst und verbessert werden müssen. In dem Bericht und den Empfehlungen wird nicht nur ein Transportverbot für nicht entwöhnte und gefährdete Tiere sowie hochträchtige Tiere gefordert, sondern auch eine Begrenzung der Transportzeit auf vier Stunden für Geflügel und Kaninchen. Eine Empfehlung für ein Exportverbot von Tieren in Drittländer wurde nicht verabschiedet.

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Es kommt österreichisches Recht ohne seine Verweisnormen zur Anwendung, Gerichtsstand ist Wien.

Über VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in elf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen. www.vier-pfoten.de
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WUSSTEN SIE, DASS …

VIER PFOTEN darüber informiert, dass jährlich Millionen Tiere über Tausende Kilometer mit LKW oder Schiffen unter tierquälerischen Umständen in weit entfernte Länder wie Marokko gebracht und dort grausam geschlachtet werden?

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VIER PFOTEN Aufklärungs- und Bildungsarbeit sowie nachhaltige Kampagnen und Lobbyarbeit betreibt?

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VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz (03.12.2021; 12:41 Uhr)
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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© ( www.fellbeisser.net/news/ ) am 04.12.2021
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