Gericht kippt Wildtierregelung in Chemnitz:
VIER PFOTEN fordert bundeseinheitliches Wildtierverbot im Zirkus

Hamburg, 27. Juli 2017 – Die Landesdirektion Sachsen hat das vom Chemnitzer Stadtrat beschlossene kommunale Wildtierverbot für Zirkusse revidiert. Obwohl die Haltung von Wildtieren wie Elefanten, Tigern oder Löwen im Zirkus höchst umstritten ist, könnten diese jetzt in Chemnitz auch wieder auf öffentlichen Flächen gastieren. Die Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN kritisiert die Einmischung der Landesdirektion Sachsen in die Beschlüsse des Chemnitzer Stadtrats.

VIER PFOTEN hat bereits im April 2017 zusammen mit sechs anderen Tierschutzorganisationen den Deutschen Städtetag und den Deutschen Städte- und Gemeindebund dazu aufgefordert, Kommunen zu unterstützen, die Zirkusse mit Wildtieren verbieten wollen. In einem gemeinsamen Schreiben wiesen die Tierschützer darauf hin, dass auch ein im März 2017 vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg gefälltes Urteil die Kommunen nicht daran hindert, die Platzvergabe an Wildtierzirkusse generell zu unterbinden. An dieser Situation ändert auch das Urteil aus Greifswald vom Juli 2017 nichts. Aus Sicht der Tierschützer ist darüber hinaus ein bundesweites Wildtierverbot im Zirkus dringend nötig, um Rechtsunsicherheiten künftig zu vermeiden.

Öffentliche Sicherheit gefährdet
Mehrere Rechtsexperten bestätigen, dass Kommunen weiterhin das Recht haben, ihre Platzvergabe an reisende Zirkusunternehmen davon abhängig zu machen, ob die Zirkusse bestimmte Wildtiere mit sich führen. Die Gutachter empfehlen, neben tierschutzrechtlichen Erwägungen vor allem die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit für ihre Entscheidung heranzuziehen. Immer wieder brechen Tiere aus den mobilen, unzureichend gesicherten Zirkusstallungen aus und werden zur Gefahr für Menschen und Straßenverkehr. Mit einer Neuregelung der Platzvergabe kämen die Städte und Gemeinden gleichzeitig dem Wunsch der großen Mehrheit der Bürger nach mehr Tierschutz nach.

Denise Schmidt, Kampagnenleiterin Deutschland bei VIER PFOTEN:
„Die CDU/CSU blockiert seit langem Fortschritte auf Bundesebene, daher sind die Kommunen auf sich alleine gestellt. Trotz der uneinheitlichen Rechtsprechung wollen viele Kommunen an ihren bestehenden Verboten festhalten oder einen entsprechenden Beschluss fassen. Umso dringlicher braucht Deutschland ein bundesweites Wildtierverbot für Zirkusse.“

Forderung nach bundeseinheitlichem Verbot
Obwohl viele Kommunen mit gutem Beispiel vorangehen, braucht es aus Sicht der Tierschützer eine bundeseinheitliche Regelung. Der Bundesrat hatte sich im März 2016 bereits zum dritten Mal dafür ausgesprochen, dass zumindest Affen, Großbären, Elefanten, Nashörner, Flusspferde und Giraffen nicht in Zirkussen gehalten werden sollten. Die Bundesregierung ignoriert jedoch diesen Entschluss weiterhin.

Haltung und Dressur im Zirkus nicht tiergerecht
Die Einschränkungen, denen die Tiere im Zirkus ausgesetzt sind, sind gravierend. Sie leben ständig unter unzureichenden Transportbedingungen, für ihre Haltung gibt es keine konkreten rechtlichen Vorgaben. Die nicht rechtsverbindlichen „Zirkusleitlinien“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums stellen nur minimalste Anforderungen und selbst diese können in einem reisenden Unternehmen nicht erfüllt und bei ständigem Wechsel des zuständigen Veterinäramts auch schwer durchgesetzt werden. Laut einer Kleinen Anfrage im Bundestag wurden im Jahr 2011 bei etwa der Hälfte der durchgeführten Kontrollen in Zirkusbetrieben Beanstandungen an der Tierhaltung festgestellt. Auch die Dressur von Tieren im Zirkus beruht in vielen Fällen auf Zwang und Gewalt und keineswegs auf einem engen Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier, wie von Zirkussen und ihren Befürwortern behauptet wird.

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Die Schreiben der Tierschutzorganisationen an den Deutschen Städte- und Gemeindebund bzw. an den Deutschen Städtetag finden Sie als PDF weiter unten in dieser E-Mail. Anbei außerdem zwei juristische Gutachten.

Druckfähige Fotos und sendefähiges Videomaterial von der Wildtierhaltung in deutschen Zirkussen sind auf Anfrage erhältlich.

Hintergrundinformationen: www.vier-pfoten.de/themen/wild…

Gerne vermitteln wir Ihnen ein Interview mit Denise Schmidt, Kampagnenleiterin VIER PFOTEN Deutschland ( www.vier-pfoten.de/news-press/… ).

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Über VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Seit 1988 setzt sich VIER PFOTEN dafür ein, dass Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Dafür betreibt die international tätige Stiftung mit Büros in zwölf Ländern Aufklärungs- und Bildungsarbeit, nachhaltige Kampagnen sowie Lobbyarbeit. Im Fokus steht dabei die Verbesserung der Lebensbedingungen von Nutz-, Heim- und Wildtieren. In den Schutzzentren von VIER PFOTEN finden Bären und Großkatzen aus schlechter Haltung ein tiergerechtes Zuhause. www.vier-pfoten.de

Die Nutzung des beigefügten VIER PFOTEN Logos ist ausschließlich im Rahmen einer redaktionellen Berichterstattung mit Inhalten des obigen Pressetextes gestattet.

Presserückfragen an VIER PFOTEN:
Melitta Töller
Pressesprecherin
VIER PFOTEN Deutschland
Tel.: +49 40 399249-66
melitta.toeller@vier-pfoten.or…
VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg
www.vier-pfoten.de

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Presse Vier Pfoten Deutschland (27.07.2017; 10:21 Uhr)
presse-d@vier-pfoten.org

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 27.07.2017
twitter.com/fellbeisser

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