„Aktionen gegen den Pelzhandel oder Tierversuche gibt es in Deutschland reichlich, Aktionen gegen den Fleischkonsum hingegen fristen noch ein Schattendasein.“ (…) („Meatout – Aktionstage gegen Fleisch“ in: Tierbefreiung (Tb) Nr. 51/ Jan. 06: 30)

„Nach den theoretischen Vorträgen stellte unser Redakteur Wolfgang Siebert eine Kampagnenarbeit zum Thema Tierrechte vor, die – in Abstimmung mit dem Veranstalter – über Fleischkonsum handeln sollte. Siebert stellte gleich zu Beginn des Vortrages dar, dass es Tierrechtskampagnen im eigentlichen Sinn gegen Fleisch in Deutschland nicht gibt.(…)“ (Mensch nicht Maß aller Dinge.

Bericht über die ‘Große Tierrechtstagung‘ des Vegetarierbundes in Göttingen“ in: Tb 49/ Dez. 05: 52 –54, hier S. 53)

Vor wenigen Jahren konnte man auf einer Anti-Tierversuchsdemo noch hören, Fleisch sei doch nicht das Thema, und beim Thema – hier also Tierversuche – müsse man schon bleiben, da dürfe man nichts vermischen. Das hat sich zum Glück geändert. Zitate aus verschiedenen Demo-Berichten zeigen den programmatischen Veränderungsbedarf tierrechtsaktivistischen Handelns auf und signalisieren zugleich, dass ihm zunehmend entsprochen wird.(1)

„(…) Auch vor Metzgereien wurde zur Überraschung der dort Beschäftigten und der Polizei demonstriert. (…) („Pelzfarmer schlagen zu“ in: Tb 45 / Nov. 04: 30) Wenn auf einer Anti-Pelz-Demo auch gegen Metzgerläden demonstriert wird, dann zeugt die „Überraschung“ der dort Beschäftigten – und sicherlich auch der Kunden – von einer dringend störungsbedürftigen moralischen Sicherheit, in der sich jene wiegen, die, weil sie weder Pelz tragen noch jagen noch Tierversuche machen, ihren Namen auf dagegen protestierende Unterschriftslisten setzen und ansonsten fürs Tierheim spenden oder sich gar dort engagieren, meinen, damit dem Tierschutz Genüge zu tun. In diesem Irrglauben befangen zu sein, wurde ihnen lange Zeit ziemlich leicht gemacht.

In einem kritischen Rückblick auf die „Tierrechtsbewegung: ‘work in progress‘“ (natürlich vegetarisch. Ausg. Juli/Aug. 2003: 14-20) schreibt Sina Walden: „Bald erfasste die permanente Diskussion … alle.. Bereiche, bei deren legalen (!) Praktiken Tiere die Opfer waren: Pelz, Zirkus, Zoo, Jagd kamen ins Visier, Eierproduktion und Legebatterien, Massentierhaltung und Tiertransporte. Auffallend spät erst der Schlachthof und das Fleischessen.

Zwar waren die meisten MitstreiterInnen aus dem ersten Jahrzehnt im Lauf der Zeit VegetarierInnen geworden, weil sie immer dringlicher den Widerspruch zwischen dem Einsatz für Tiere an allen Fronten und der Wurst auf ihrem Teller wahrnahmen, mit dem der klassische Tierschutz noch gut leben konnte. Aber es bleibt – leider – festzustellen, dass der Impuls zum Aufbruch primär nicht aus der vegetarischen Idee kam, diese sich vielmehr aus der Ernsthaftigkeit der Ansätze und dem Umgang mit Gleichgesinnten ergab. (…) Jahrelang herrschte außerdem die Meinung vor, in der Öffentlichkeitsarbeit den Vegetarismus nicht allzu sehr zu akzentuieren, um nicht diejenigen im großen Publikum zu verlieren, die bereit waren, Unterschriften gegen Tierversuche oder Pelz zu leisten, aber bei dem Gedanken, damit auch den Verzicht auf ihr gewohntes Mittagessen zu unterschreiben, zurückgeschreckt wären.“ (S.17)

Solchen ‘Tierfreunden‘ gilt es unmissverständlich klarzumachen, dass das altbewährte Motto: ‘Macht / Machen wir doch erst mal was dagegen‘ – gegen alles andere als das, was sie tun, Fleisch essen nämlich – ausgedient hat; als Handlungsmaxime getaugt hat dieses Motto tatsächlich nie. Aus der tierrechtsphilosophischen Erkenntnis, dass Tiere in bei weitem größter Zahl fürs Fleischessen ermordet werden, und dass dieses die psychologische Basis, Wurzel, gleichsam die ‘Mutter‘ aller anderen speziesistischen Praktiken ist, werden langsam, aber sicher Konsequenzen gezogen.

Wenn „(i)n den letzten 25 Jahren.. sich die weltweite Fleischproduktion fast verdoppelt (hat) – und auch für die nächsten 10 Jahre.. Experten von jährlichen Steigerungsraten des Fleischkonsums von rund 3 Prozent aus(gehen)(…)“ („Erbsen statt Schweine“ in: Tierbefreiung 52/ Sept. 06: 50), so spricht eben dies dafür, KEINE Aktion gegen Pelz, Tierversuche oder Jagd zu unternehmen, OHNE sich mit dieser gleichzeitig AUSDRÜCKLICH gegen das Fleischessen zu richten. Je entschiedener und konsequenter wir dagegen auftreten, um so erfolgreicher bekämpfen wir auch alle anderen Formen der Tierausbeutung. Denn (inwiefern ) wären die in einer vegetarisch-veganen Gesellschaft vorstellbar?

(1)

(1.a) Zur Demo gegen das Versuchslabor Covance in Münster vom 22.07.06: „Ein Aktivist der Autonomen Tierbefreiungsaktion Hannover (ATAH)‘ behandelte in seiner anschließenden Rede das gesellschaftlich manifestierte Mensch-Tier-Verhältnis am Beispiel der fleischessenden Gesellschaft. Das Töten und Verspeisen von als essbar definierten Tieren sei für ihn eine sehr prägnante Form des Herrschaftsverhältnisses: ‘Dieses Töten wird unkenntlich gemacht, indem es am Rand der Gesellschaft hinter verschlossenen Mauern geschieht, und indem das Lebewesen Tier nur noch als entfremdetes Prokukt zu erkennen ist.‘ (… )

So war die Demonstration definitiv nicht nur eine Anklage an die Tierversuchsindustrie, sondern generell ein Aufruf zur Beendigung der Herrschaft über die Tiere. An der Demotour gelegene Fleischereien, Fisch- und Jagdgeschäfte wurden dementsprechend mit Sprechchören wie: ‘Jagd ist Mord!‘ oder ähnlichem bedacht. Über spontanen und freundlichen Applaus hingegen freute sich der Inhaber einer vegetarischen Falafel-Imbissstube, dessen Laden ebenfalls auf der Demoroute lag.“ („Covance quält weiter… “ in: Tb 52/ Sept. 06:31 f. )

(1.b )Zur Köln pelzfrei-Demo 02.Okt. 2004: „Uns war es sehr wichtig, dass wir dieses Jahr nicht ausschließlich gegen Pelz, sondern auch gegen andere Tierausbeutungsformen demonstriert haben, sagte ein Organisator der TiK (Tierrechtsinitiative Köln). Dieselben Absichten hatten auch die anderen TeilnehmerInnen, und so wurde auch vor Leder-, Jagd- und Fleischgeschäften kräftig Stimmung gemacht.“ („400 Menschen fordern eine pelzfreie Stadt“ in: Tb 45/ Nov.04: 32 f., hier S. 32)

(1. c) „Um Mc Donald’s nicht das Gefühl zu geben, wir ließen sie zugunsten von Pelzdemos in Frieden menschliche und nichtmenschliche Tiere ausbeuten, demonstrierten wir am 18.März vor dem Mc Donald’s ‘Flaggschiff‘ am Tauentzien.“ („Wieder mal Mc Donald’s“ in: Tb 51/ Juni 06: 32)

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Hilpisch Karin (06.10.2006; 11:57 Uhr)

vegitus@web.de

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