Vegetarismusdebatte fördert Fleischkonsum

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Efraimstochter / Pixabay

Helmut F. Kaplan

Man würde vermuten, die vorangegangene Vegetarismusdebatte, ausgelöst durch die Bücher „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer und „Anständig essen“ von Karen Duve, habe der Fleischindustrie arg zugesetzt. Das Gegenteil trifft zu: Diese Debatte war für die Fleischindustrie ein Glücksfall!

Warum? Erst ein Rückblick: Rinderwahn, Vogelgrippe, Schweinepest, Klimadiskussion, Dioxinskandal – all diese Ereignisse, Debatten und Skandale konnten dem Fleischkonsum letztlich nichts anhaben: Zuerst wich man, soferne bestimmte Tiere betroffen waren, auf andere, „unbelastete“ Tiere aus, wenig später war sowieso wieder alles vergessen. Faktische Diskussionen dieser Art, in denen es um Gesundheit und Ökologie geht, schaden der Fleischindustrie letztlich nicht.

Ebensowenig schaden ihr pseudoethische Diskussionen unter der Überschrift„Weniger Fleisch!“ Auf diese „Lösung“ laufen Vegetarismusdiskussionen unter Fleischessern naheliegenderweise maximal hinaus – womit wir bei der eingangs erwähnten Foer-Duve-Debatte sind. Die Forderung, weniger Fleisch zu essen, ist deshalb „harmlos“, weil sie keinen ethischen Gehalt und keine moralische Kraft besitzt. Das begreift man sofort, wenn man sie auf Menschen umlegt: Wer, anstatt zu sagen, Foltern und Vergewaltigen sind FALSCH, fordert, dass WENIGER gefoltert und vergewaltigt wird, dem fehlt jegliche moralische Legitimation und Überzeugungskraft.

„Weniger Fleisch!“ ist für die Fleischindustrie aber nicht nur „harmlos“, sondern ein großer Glücksfall. Denn dieser Slogan ist ein optimaler Aufhänger für Stichworte und Werbeaussagen, die das Fleischimage VERBESSERN: Wir müssen künftig KRITISCHER sein, BEWUßTER essen, weniger Fleisch, aber dafür BESSERES Fleisch essen, „BIOLOGISCHES“ Fleisch essen; so nützen wir der GESUNDHEIT, so schonen wir die UMWELT und so erweisen wir den Tieren den nötigen RESPEKT. Dieses allseits begrüßte und propagierte neue „kritische Bewusstsein“ läuft darauf hinaus, daß letztlich nicht weniger, sondern mehr Fleisch gegessen wird, vor allem aber, dass Fleisch (wieder) mit gutem Gewissen gegessen wird!

Eine Chance, den Fleischkonsum tatsächlich und nachhaltig zu senken, besteht nur, wenn die Menschen für die MORALISCHE Dimension des Fleischessens sensibilisiert werden. Also nicht: ZUVIEL Fleisch ist falsch (analog ZUVIEL Foltern ist falsch), sondern: Fleisch ist GRUNDSÄTZLICH falsch (analog Foltern ist GRUNDSÄTZLICH falsch). Deshalb sind plausible ethische Argumente, wie sie in meinem Buch „Ich esse meine Freunde nicht oder Warum unser Umgang mit Tieren falsch ist“ zu finden sind, so wichtig. Etwa:

Spezieszugehörigkeit an sich ist moralisch ebenso belanglos wie Rassen- oder Geschlechtszugehörigkeit. Oder: Gleiche Interessen sollen auch moralisch gleich zählen, etwa das tierliche Interesse, nicht zu leiden, und das menschliche Interesse, nicht zu leiden. Oder: Fleischessen bedeutet, alle tierlichen Interessen einem einzigen menschlichen Interesse zu opfern – dem nach einem kurzen Gaumenkitzel.

© Helmut F. Kaplan

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Helmut Kaplan (29.07.2011; 15:43 Uhr)
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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 29.07.2011

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