Veganismus und Tierrechte

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Fanatische Veganer verhindern vernünftige Diskussion

Helmut F. Kaplan

Wem Tiere am Herzen liegen, muss eine vegane Welt wollen: eine Welt, in der Tiere nicht mehr deshalb gequält und getötet werden, damit die Menschen ihr Fleisch, ihre Milch, ihre Eier, ihr Fell usw. konsumieren oder nutzen können. Dass es in absehbarer Zeit zu einer solchen veganen Welt kommt, erscheint unwahrscheinlich – zu viele Faktoren, an denen das vegane Ziel scheitern kann: wirtschaftliche Interessen, die Macht „traditioneller“ Eßgewohnheiten, die Selbstverständlichkeit des Tiere-Nutzens usw.

All diese Hindernisse, an denen die Veganisierung scheitern kann, sind aber harmlos im Vergleich zu den Veganern selbst! Genauer: im Vergleich zu jenen Veganern, für die Vegansein die Funktion einer psychischen (Über-)Lebenshilfe, einer Ersatzreligion hat. Diese Religions-Veganer, wie ich sie nennen will, sind hochgradig aggressiv und hochgradig irrational, unfähig, selbst primitivste Fakten zu erkennen oder einfachste Zusammenhänge zu begreifen. Etwa, dass außerhalb ihrer Vegan-WG die meisten Menschen Fleischesser sind und diese bei der angestrebten „Veränderung der Welt“ vielleicht eine nicht ganz unerhebliche Rolle spielen könnten. Aber die Religions-Veganer verlegen sich lieber aufs Verdammen von Veganern, die noch nicht 100-prozentig vegan sind. Außerdem verhindern sie durch ihr irrationales und abschreckendes Verhalten jede unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Veganismus. Wer, wenn nicht Veganer, soll aber eine Veganisierung bewerkstelligen! (Daß die Mode-Veganer kein gesellschaftspolitisches Potential haben, braucht hier nicht näher ausgeführt zu werden.)

Grundlage des kontraproduktiven und destruktiven Verhaltens der Religions-Veganer ist, dass, was in der Innensicht als moralische Konsequenz erscheint, de facto auf einen neurotischen bzw. religiösen Fanatismus hinausläuft. Bei der Vegan-Religion geht es in Wirklichkeit nicht mehr um die Tiere, sondern, wie bei anderen Religionen auch, vor allem um das eigene psychische Gleichgewicht, um eine Psycho-Krücke quasi – und natürlich ums Bekämpfen von Ungläubigen. Was für den vorvorigen Papst die Marienverehrung war, ist für den Religions-Veganer der Veganismus: etwas, woran nicht nur sein Herz, sondern auch seine Existenz hängt. Entsprechend aggressiv und irrational sind die Reaktionen, wenn jemand diese Existenzgrundlage in Frage stellt.

Ein Beleg für diese Irrationalität der Religions-Veganer ist ihre geradezu pathologische Egozentrik: Man nimmt nicht nur sich selber zum Maß, sondern glaubt allen Ernstes auch noch, alle anderen seien tatsächlich genau wie man selber bzw. lebten unter denselben Bedingungen. Ein Beispiel: „Vegan essen ist heute total einfach!“ lautet eine Lieblingsglaubensweisheit der Religions-Veganer. Dabei wird völlig übersehen, dass diese „totale Einfachheit“ von vielen Faktoren abhängt bzw. von vielen Faktoren drastisch relativiert werden kann. Etwa davon, wo man lebt, wie man lebt und über welches Einkommen man verfügt.

Völlig irrational ist auch die Boykott-Gläubigkeit der Religions-Veganer. Denn die Boykott-Tauglichkeit einer Sache ist trivialerweise auch eine quantitative Frage: Wie groß ist die Differenz zwischen Ziel und Wirklichkeit? Die Vorstellung, daß ein gegenwärtig noch dermaßen schwer zu realisierendes Verhalten wie „konsequenter Veganismus“ (von dem es, wie wir noch sehen werden, auch noch unterschiedlichste Definitionen gibt!) ein taugliches Boykott-Instrument sein könnte, ist schlicht ein Hirngespinst.

Absurdererweise wird auch immer wieder die angeblich so wirksame Vorbildfunktion des Veganseins beschworen: Man müsse den Menschen einfach das Richtige vorleben, dann würden sie es schon nachmachen! Erstens ist es Fleischessern natürlich völlig egal, was ihnen Veganer „vorleben“, und zweitens übersehen die Religions-Veganer, dass kein auch nur halbwegs psychisch stabiler Mensch auch nur annähernd so Vorbild-versessen ist, wie sie selber. Und die Idee, daß sich jemand an E-Nummern-fixierten Neurotikern ein Vorbild nimmt, ist ohnehin eine jenseitige Vorstellung.

Geradezu beängstigend ist, was Religions-Veganer allen Ernstes als „Richtigkeitsbeweis“ für ihre Position betrachten: persönliche Befindlichkeiten!
„Ich KÖNNTE gar keinen Käse essen!“ lautet einer der vermeintlich ultimativen Trümpfe. Oder auch: “Ich kann mir einen rauchenden Veganer gar nicht vorstellen.” Dass persönliche Befindlichkeiten null argumentatives Gewicht haben, stört nicht nur nicht, sondern wird überhaupt nicht begriffen.

Religions-Veganer reagieren mit geradezu existentieller Angst – und den entsprechenden Aggressionen! -, wenn ihnen jemand die vermeintlich sichere Grenze bzw. Grundlage ihres Veganseins wegzunehmen droht. Ganz so, wie Anhänger „echter“ Religionen reagieren, wenn jemand die Existenz (ihres) Gottes in Frage stellt. Konkret: Schon MINIMALE Abweichungen von „100-prozentig vegan“ verursachen beim Religions-Veganer MAXIMALE Verunsicherung und Empörung. Auf ungleich GRÖßERE Abweichungen von „100-prozentig menschenrechtskonform“ – etwa mangelnde „Fair trade“-Beachtung – wird vergleichsweise geradezu stoisch reagiert – ein Gradmesser für Irrationalität und Hysterie, die hier im Spiele sind.

100-prozentig vegan sein könnte man fürs erste definieren als keinerlei tierliche Inhaltsstoffe verwendend sowie keinerlei Stoffe, deren Herstellung Tiere involvieren. Schon so allgemein formuliert, ist das aber eine weitgehend unrealistische Forderung, weil sich irgendwelche tierlichen Anteile in immens vielen Produkten und Substanzen befinden. Nicht nur in Nahrungsmitteln, sondern „überall“, in Waschmitteln, LCD-Bildschirmen, Medikamenten, Kosmetika, Farben usw.

Da das 100-prozentig-vegan-Sein eine so schwierige Sache ist, wurden diverse „Konsequenz-Kriterien“ erarbeitet (wobei jeder Veganer seinen eigenen, vermeintlich einzig richtigen Konsequenz-Kanon hat). Ich greife das Kriterium „zwingend“ versus „zufällig“ heraus: Vermieden werden sollte, was Tiere „zwingend“ schädigt, also etwa der Fleisch- und Milchkonsum, weil Tiere dafür notwendig leiden und sterben müssen. Dinge, die Tiere nur „zufällig“ schädigen sind hingegen – nach dieser Konsequenz-Lesart – erlaubt. Etwa Rauchen, weil die Tierversuche der Zigarettenindustrie ja nicht notwendig mit der Zigarettenerzeugung einhergehen.

In einer Welt, in der praktisch ALLES irgendwie auf Tierausbeutung beruht, erscheint es freilich eher nebensächlich, ob die Tiere nun „zwingend“ oder „zufällig“ leiden und sterben. Außerdem fallen gravierende negative Folgen für Tiere bei diesem Konzept vollkommen unter den Tisch. Jemand, der sich etwa erfolgreich für die Verbesserung des Loses der Tiere einsetzt, z. B. durch Aufklärung und Bewusstseinsbildung, sich aber, sagen wir, „nur“ zu 99 Prozent vegan ernährt, rangiert bei dieser Zwingend-zufällig-Bewertung weit UNTER jemandem, der sich zwar (angeblich) 100-prozentig vegan ernährt, aber ansonsten nur zuhause sitzt, um E-Nummern nach „verdächtigen“ Inhaltsstoffen zu durchforsten und vegane Kochbücher zu studieren. Das ist obszöne Egozentrik auf Kosten der Tiere!

„Zwingend“ ist aber nicht nur ein schlechter Indikator für Wichtiges, sondern zuweilen sogar ein Indikator für weniger Wichtiges. So ist es bei der Fleischproduktion zwar zwingend, daß die Tiere getötet werden, noch schlimmer ist aber, dass sie dabei auch noch leiden müssen. Letzteres ist aber nicht zwingend, weil es offenkundig auch Methoden gibt, um Tiere leidensfrei zu töten („Kopfschuß statt Schlachthaus“).

Außerdem befremdet, dass dieses „Zwingend“-Kriterium beim Essen extrem rigoros, bei anderen ebenfalls tierschädigenden Praktiken aber recht locker angewandt wird: etwa beim Autofahren (Überfahren von Tieren, Aufprall an Windschutzscheibe) oder im gesamten medizinischen Bereich (der untrennbar mit Tierversuchen verbunden ist). Hier wird ungleich „großzügiger“ agiert, da genügen viel geringere „Konsequenz-Grade“ oder sind überhaupt kein Thema.

Die Inkonsequenz beim Konsequentsein geht aber noch weiter: Anderen Konsequenz-Ansätzen zufolge kann durchaus auch „zufällig“ tierschädigendes Verhalten problematisch sein. Etwa „nicht veganes Bier“. (“Beim Bier bin ich am Recherchieren. Sind Produktanfragen zu Filtrationsmethoden im deutschen Raum bekannt?”) Vorsicht geboten ist auch bei „veganen Zigaretten“: “American Spirit ist nicht mehr sauber, mittlerweile eine 100%ige Tochter von Philip Morris.” Dazu der Facebook-Kommentar: “Jetzt mal ganz im Ernst: wenn morgen irgendein Idiot anfängt zu testen, welche Dosis Kartoffeln tödlich ist und dazu Kartoffeln in Affen stopft bis diese sterben, dürfen ‘echte‘ Veganer dann keine Kartoffeln mehr essen?”

Wenn es wirklich – wie von den Religions-Veganern stets beteuert – um die TIERE geht, gibt es letztlich nur EINEN vernünftigen Orientierungspunkt bzw. „Konsequenz-Maßstab“: TIERRECHTE! Die Frage lautet dann schlicht: Welches Verhalten dient der Verwirklichung von Tierrechten? Welches Verhalten dient der Verwirklichung einer Welt, in der Tiere ein ihren Interessen gemäßes Leben führen können? Eine solche Welt ist dann gewiss eine vegane Welt, in der keine tierlichen Produkte mehr gegessen oder genutzt werden, aber auch eine Welt, in der viele andere Dinge, die Tiere schädigen, nicht mehr stattfinden, etwa Tierversuche. Mit anderen Worten: Die Veganisierung (im Sinne veganen Essens) ist lediglich ein Teil der anzustrebenden Änderungen – wenngleich der grundlegendste.

Und wie soll eine solche Veganisierung bewerkstelligt werden? Da drängt sich wieder jener Aspekt auf, der zwar „logisch“ ist, aber von den Religions-Veganern dennoch hartnäckig ignoriert wird: Wer „die ganze Welt“, sprich: „alle Menschen“ ändern will, sollte vernünftigerweise bei einer möglichst großen Gruppe ansetzen. Und das sind die Fleischesser. Ebenso klar ist, dass man aufgeschlossene Fleischesser leichter in Richtung VEGETARISMUS sensibilisieren und motivieren kann als in Richtung VEGANISMUS. Deshalb sollte zunächst eine VEGETARISIERUNG angestrebt werden. Dies umso mehr, als sich bei näherer Betrachtung herausstellt, dass eine substantielle Vegetarisierung ohnehin eine Veganisierung nach sich zieht:

Zwischen (moralisch motiviertem!) Vegetarismus und Veganismus besteht zwar kein zwingender, wohl aber ein deutlicher Zusammenhang: Der Vegetarismus ist quasi die Voraussetzung für den Veganismus, fast alle Veganer waren vorher Vegetarier. Kaum ein Fleischesser wird in einem Schritt zum Veganer. Aus einem Vegetarier wird vergleichsweise leicht ein Veganer, aus einem Fleischesser fast nie. Jeder Schritt zum Vegetarismus ist also gleichzeitig ein möglicher Schritt zum Veganismus.

Entsprechendes gilt auf ökonomischer Ebene: Ein spürbarer Impuls in Richtung Vegetarisierung setzt eine Eigendynamik in Richtung Veganisierung in Gang. Denn die verschiedenen Formen der Tiernutzung (für Fleisch, Eier, Milch, Leder) bilden ein eng ineinander verwobenes Gesamtsystem, dessen wichtigstes Element die Fleischproduktion ist. Bricht nun dieses wichtigste Element aufgrund fortschreitender Vegetarisierung weg, wird das Gesamtsystem immer weniger profitabel – und die Produktion sukzessive auf nichttierliche Basis umgestellt.

Die aktuelle Angemessenheit der VEGETARISMUS-Förderung ergibt sich also aus der Tatsache, daß die meisten Menschen (noch) FLEISCHESSER sind – und daher vom Veganismus noch viel weiter weg sind als vom Vegetarismus. Dieser Punkt kann überhaupt nicht überbetont werden. Zumal es in letzter Zeit eine Entwicklung gab, die allgemein völlig falsch eingeschätzt wurde: die so genannte „Vegetarismus-Debatte“ um die Bücher „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer und „Anständig essen“ von Karen Duve. Deren TATSÄCHLICHE Folge ist nämlich keine Schwächung, sondern eine STÄRKUNG der „Fleischesser-Position“: Fleischessen wird heute als normaler, selbstverständlicher und moralisch unbedenklicher betrachtet als je zuvor. Unter der Überschrift „Weniger Fleisch!“ hat sich ein breiter gesellschaftlicher Konsens etabliert: Wir seien bisher mit dem Thema Fleisch wohl etwas zu sorglos umgegangen, nun gelte es – frei nach dem Motto „Wir haben verstanden“ -, offener, sensibler und verantwortungsvoller zu handeln.

Diese neue „Weniger Fleisch!“-Philosophie ist aber de facto vor allem ein Glücksfall für die FLEISCHINDUSTRIE! Warum? Rinderwahn, Vogelgrippe, Schweinepest, Klimadiskussion, Dioxinskandal – solche Ereignisse, Debatten und Skandale konnten dem Fleischkonsum trotz aller immer wieder aufflammender „Weniger Fleisch!“-Appelle nie etwas anhaben: Die Konsumenten weichen vorübergehend auf andere, „unbelastete“ Tiere aus, Forscher verändern das Futter von Rindern, um deren Methanausstoß zu verringern usw. – und nach kurzer Zeit ist ohnehin wieder alles vergessen. FAKTISCHE DISKUSSIONEN dieser Art, in denen es um Gesundheit und Ökologie geht, schaden der Fleischindustrie nicht.

Ebensowenig PSEUDOETHISCHE DISKUSSIONEN, bei denen es angeblich um „Weniger Fleisch!“ um der Tiere willen geht. Solchen Forderungen fehlt nämlich jegliche moralische Glaubwürdigkeit und politische Kraft. Das begreift man sofort, wenn man sie auf Menschen umlegt: Wer, anstatt zu sagen, Foltern und Vergewaltigen sind FALSCH, fordert, daß WENIGER gefoltert und vergewaltigt wird, hat keine plausible Botschaft. (Martin Luther King träumte auch nicht von der Aufhebung der Rassentrennung jeden Montag oder jeden Donnerstag!) Deshalb erheben Menschenrechtler auch NIE Forderungen wie „Weniger foltern!“ oder „Weniger vergewaltigen!“ – weil Foltern und Vergewaltigen IMMER falsch ist!

Faktische und pseudoethische Diskussionen unter der Überschrift „Weniger Fleisch!“ schaden der Fleischindustrie also nicht. Aber in gewisser Weise NÜTZT „Weniger Fleisch!“ der Fleischindustrie: Die Losung „Weniger Fleisch!“ ist insofern ein ausgezeichnetes Vehikel, um de facto MEHR Fleisch zu verkaufen, als „Weniger Fleisch!“ ein optimaler Aufhänger für Werbe-Elemente zur Verbesserung des Fleisch-Images ist: „bewusster essen“, „besser essen“, „Respekt erweisen“, „biologisch“, „ökologisch“, „nachhaltig“ usw.

Zusammenhängend liest sich das dann etwa so: Wir müssen als Konsumenten kritischer sein, bewusster essen, weniger, aber dafür besseres Fleisch essen, den Tieren Respekt erweisen; das nütze unserer Gesundheit und schone die Umwelt. Mittlerweile ist eine neue Generation von Konsumenten herangewachsen, eine Mischung aus traditioneller Gleichgültigkeit oder Überheblichkeit gegenüber Tieren einerseits und neuer „grüner“ Gesinnung andererseits. Das bereits angeklungene weltanschauliche bzw. moralische Credo dieser Menschen: Wir müssen zurückfinden zu einer natürlichen Ernährung, uns selbst als Teil eines größeren Ganzen begreifen. Auf „Fressen und Gefressenwerden“ wird diese Haltung häufig, mehr oder weniger augenzwinkernd, zugespitzt – oder aber mit dem pseudophilosophischen Terminus „Kreislaufdenken“ versehen.

Aus dieser Sicht erscheint das Töten von Tieren zwecks Fleischessen dann geradezu als Dienst an Natur oder Schöpfung. Wer sich solcherart „bewusst“ ernährt, klinkt sich quasi wieder aktiv ins natürliche oder gottgewollte Geschehen ein. Diese Grundhaltung ist keineswegs auf bestimmte Gruppen, etwa „grüne Spinner“ oder „Wertkonservative“, beschränkt, sondern wird zunehmend (wieder) zum vorherrschenden weltanschaulichen Fundament der Tiernutzung. „Machet euch die Erde untertan!“ hieß es früher, was aber seit dem Erstarken der Ökologiebewegung keinen so guten Klang mehr hat.

Und was ist das Ergebnis dieser gesamten Entwicklung? Trotz aller „Weniger Fleisch!“-Rhetorik wird in Wirklichkeit mindestens gleich viel Fleisch gegessen! Aber jetzt – und das kann in seiner Bedeutung überhaupt nicht überschätzt werden – mit gutem Gewissen. Das Fleischessen wurde rundum „zukunftstauglich“ gemacht: weltanschaulich, ethisch, ökologisch, argumentativ (scheinbar) abgesichert.

Dazu gehört auch, daß im Zuge der offensiven Bio-Besser-Öko-Philosophie die Entstehung des Fleisches offengelegt wurde. War man früher peinlich darauf bedacht, jeden Hinweis auf den tierlichen bzw. kreatürlichen Ursprung des Fleisches zu vermeiden, WIRBT man heute mit eben diesen Zusammenhängen (was mit Blick auf die propagierte totale Transparenz rund um die „Herkunftsgarantie“ auch „logisch“ ist): Die typische Fleischwerbung besteht heute aus drei Bildern: Tier auf der Wiese, Tier bei der „Verarbeitung“, Tier auf dem Teller.

Katastrophale Konsequenz dieser „neuen Offenheit“: Konnte man früher berechtigterweise hoffen, dass, wenn die Fakten im Zusammenhang mit der Fleischproduktion offenbart und diskutiert würden, sich die Menschen schon besinnen und mit dem Fleischessen aufhören würden, muß man heute feststellen: Die Fakten im Zusammenhang mit der Fleischproduktion WURDEN offenbart und diskutiert – aber mit dem Ergebnis, dass nicht nur alles akzeptiert, sondern sogar noch in eine „aufgeklärte“, „nachhaltige“ Weltanschauung verwandelt wurde! Noch nie war der gesellschaftliche Konsens darüber, dass Fleischessen „normal“ ist, so gefestigt wie heute. Beschränkte sich diese „Normalität“ früher vor allem auf die Handlungsebene des Fleischessens bei gleichzeitiger Verdrängung der Fakten und der moralischen Fragwürdigkeiten, wird diese „Normalität“ heute quasi weltanschaulich durchbuchstabiert.

© Helmut F. Kaplan

Helmut F. Kaplan ist Philosoph und Autor. Seine erstmals 1993 erschienene Schrift „Leichenschmaus“ gilt als wichtigstes deutschsprachiges Tierrechtsbuch. Demnächst erscheint „Vegan soll keine Religion sein“.

Leichenschmaus” Vierte, aktualisierte Neuauflage 2011!

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Helmut Kaplan (09.12.2013; 12:57 Uhr)
helmut_kaplan@yahoo.de

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 09.12.2013
twitter.com/fellbeisser

Photo by Christian Gross Stuttgart

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