Mit Tierbefreiern unterwegs – oder die Geschichte von “Michi” dem Käfighuhn

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“Michi”, ein naiv-liebenswertes Hühnchen, war dazu verdammt, unter barbarischen Lebensumständen, zusammen mit vielen anderen Leidensgenossen in einem kleinen Drahtkäfig vegetierend, Eier zu legen. Nutzen davon hatte nur der Legebatterie-Halter und ein Konglomerat übelster Tiernutzer-Mischpoke mit ihren willigen Apparatschiks – residierend in Elfenbeintürmen der Politik und ehrenwerten Gesellschaftskreisen.

Doch nun dräute einem dieser Ausbeuter Ungemach. Durch die wabernden Ammoniakdünste der Tier-KZ-Halle schlichen einige Gestalten. Es waren Tierrechtler, quasi von Natur aus die Besten aller Tierschützer – sie wollten Huhn Michi die Freiheit bringen!
In Michi keimte Hoffnung auf – konnte sie endlich ihrem Kerker entrinnen?
Doch gemach. Nach eingeimpftem Denkmuster galt es vorher zwingend abzugleichen, ob die Eindringlinge auch politisch-gesellschaftlich korrektes Bewusstsein verkörperten – oder zumindest achtbaren anerkannten Großsekten, wie beispielsweise den Amtskirchen, zugehörig waren, um mit ihnen überhaupt kontaktieren zu dürfen!

Wer waren diese Lichtgestalten in dunkler Kleidung; woher kamen sie, welcher Gesinnung mochten sie zuzuordnen sein? Durfte sie sich von ihnen befreien lassen?
So fragte sie sich bangen Herzens: Waren es gute Linke, oder üble “Kommunisten“, wertebewusst-konservative Rechte, die bekanntermaßen in der Öffentlichkeit durchgehend zu bösen “Rechtsextremisten” mutieren – oder kamen sie gar von einer freien Glaubensgemeinschaft der Urchristen, die sich im Sinne Jesu Nächstenliebe, Mitgeschöpflichkeit und Tierschutz auf die Fahnen geschrieben hatten? Letztere werden von würdigen amtskirchlichen Talarträgern – man wird an frühere Hexenverfolgungen erinnert – konkurrenzneidisch und hasserfüllt als zu meidende “Sekten” stigmatisiert.

Betreten, abgewandten Blickes auf den kotbedeckten Boden, musste einer der befragten Tierbefreier zugeben, bedauerlicherweise nicht den reputierlichen „Möchte-gern-Gutsein“-Gruppierungen mit zweifellos hehrem Gedankengut und selbstaufgesetztem Heiligenschein zugehörig zu sein. Michi schwankte : Musste sie nun, auf devotes Obrigkeitsdenken dressiert, vorgegebene Meinungsmache als vom Himmel gefallene schiere Wahrheit akzeptieren – und im Ideologienkäfig gefangen, ausgenutzt, traurig, aber von stolzem Bewusstsein durchdrungen, “politisch korrekt” zu handeln, dem inakzeptablen Befreier die Tür weisen?
Wir wissen nicht, wie sich Michi entschieden hat. Doch groß ist heute die Gefahr, ohne Anwendung des gesunden Verstandes im Würgegriff von Gesinnungszwang, Dummgläubigkeit und grotesker Duldungsstarre zu verröcheln.

Zu hoffen bleibt, dass das arme Huhn gescheiter reagiert hat – gescheiter als viele Menschen mit pathogenen Berührungsängsten. Sonst sitzt es immer noch stolz aber unglücklich im Käfig und wartet auf bessere Zeiten, die aber nicht kommen werden, wenn berechtigtes Glücksverlangen mit beängstigend wenig Klugheit einhergeht.
Soweit die kleine Geschichte von “Michi” dem Käfighuhn.-
Es gilt im Sinne der Sache gemeinsam gegen eine übermächtige Tierausbeuterclique vorzugehen. Mit einer kleinen edlen Elite von auserwählten Tierrechtlern allein wird dieser Kampf gegen all das gigantische Tierelend nicht zu gewinnen sein.

Nur dem eigenen Ego dienendes Profilierungsgehabe, Konkurrenzdenken, rassistisches Gezeter, Herumnörgeln, zu versuchen andere aus religiösen, politischen oder weltanschaulichen Gründen auszugrenzen (verwiesen wird auf Art.3 GG!), torpediert auf schlicht boshafte Weise das Bemühen, mehr für unsere tierischen Mitgeschöpfe zu erreichen.
Niemand trägt allein den Stein der Weisen in der Tasche. Maßstab für ernsthaftes Tierschutzengagement kann und darf allein Wort und Handeln sein.
Dies auch gerichtet an die Adressen mancher großer Tierschutz-Organisationen, die verängstigt und in ständiger Sorge, Mitglieder und Förderer zu verlieren, sich nach allen Seiten verneigen – vergessend, dass sie dabei zwangsläufig auch überall mit dem Hintern anstossen.
Tierschützer – im rechten Sinne des Wortes – müssen versuchen Tiere zu schützen, ihre Rechte gegen jedermann verteidigen – Prioritäten setzen und den Tierschutz nicht immer und überall den eigenen politischen od. religiösen Ansichten und persönlichen Interessen und Empfindlichkeiten unterordnen. Sonst haben sie die Bezeichnungen Tierschützer/Tierrechtler verwirkt.

Ulrich Dittmann – Arbeitskreis für humanen Tierschutz und gegen Tierversuche e.V.
www.arbeitskreis-tierschutz.deulrich.dittmann-arbeitskreis-t…

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