Appell an Bundesregierung, deutsche EU-Ratspräsidentschaft für Initiative zu nutzen.

VIER PFOTEN Deutschland – Pressemitteilung vom 19.02.2020

Hamburg, 19. Februar 2020 – Die internationale Stiftung für Tierschutz, VIER PFOTEN, hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner aufgefordert, sich während der kommenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft für ein europaweites Verbot von Langzeittransporten lebender Tiere einzusetzen. Jedes Jahr leiden Millionen Tiere Höllenqualen während tage- und wochenlanger Transporte in Drittstaaten, auf denen regelmäßig viele von ihnen verenden.

VIER PFOTEN fordert die Ministerin in einem Brief auf, die anstehende EU-Ratspräsidentschaft ab Juli dieses Jahres zum Anlass zu nehmen, sich für ein Verbot von Langzeit-Lebendtiertransporten stark zu machen und Tiertransporte generell auf eine maximale Dauer von acht Stunden zu begrenzen. Dazu müsse die EU-Transport-Verordnung 1/2005 überarbeitet werden. Zudem fordert die Organisation einen sofortigen bundeseinheitlichen Exportstopp lebender Tiere in Drittstaaten.

Dazu Ina Müller-Arnke, Nutztierexpertin bei VIER PFOTEN:
„Erst gestern hat die Reportage „Tiertransporte grenzenlos“ wieder einmal die grauenhaften Zustände dokumentiert, denen auch Tiere aus Deutschland auf Langzeittransporten in Drittstaaten regelmäßig ausgesetzt sind. Ministerin Klöckner hat es in der Hand, die Tiere von diesen Qualen zu befreien, Sie muss eine bundesweite Lösung mit den Ländern erarbeiten, damit diese grauenhaften Transporte endlich der Vergangenheit angehören. Die Ministerin hat bereits angekündigt, dass sie Transporte auf die Agenda der deutschen Ratspräsidentschaft setzen will. Sie muss zu ihrem Wort stehen und sich auf EU-Ebene für ein Verbot einsetzen, indem die Transportzeiten auf acht Stunden begrenzt werden.

Ein System, das es ermöglicht, Tiere um die halbe Welt zu transportieren, damit sie letztendlich auf unvorstellbar schmerzhafte Weise getötet werden, gehört abgeschafft. Die Politik ist in der Pflicht, diesem Grauen endlich einen Riegel vorzuschieben und Lebendtiertransporte über acht Stunden zu untersagen. In Deutschland haben letztes Jahr bereits einige Bundesländer wie Hessen, Schleswig-Holstein und Bayern einen Exportstopp für Tiere in bestimmte Drittstaaten verhängt. Dieses Verbot ist jedoch wirkungslos, da es keine bundeseinheitliche Regelung gibt und die Tiere von anderen Bundesländern in Drittstaaten verbracht werden.“

VIER PFOTEN fordert:

1. Ein sofortiges Verbot von Tiertransporten in Drittländer
2. Eine maximale Transportdauer von acht Stunden
3. Ein Verbot von Transporten nicht abgesetzter Jungtiere, die noch auf Milch angewiesen sind
4. Keine Transporte, wenn auf dem Streckenabschnitt mehr als 30 Grad Celsius zu erwarten sind
5. Scharfe Kontrollen und Sanktionen

Hintergrund:
Allein 2017 wurden rund 170 Millionen Nutztiertransporte zwischen den Mitgliedstaaten der EU sowie aus bzw. in Drittländer durchgeführt. 2018 wurden von Deutschland aus rund 68.000 Zuchtrinder in Drittstaaten exportiert. Jährlich werden 650.000 Kälber direkt oder über Zwischenstationen von Deutschland nach Spanien exportiert. Über eine Milliarde Geflügel und 37 Millionen lebende Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde werden jährlich grenzüberschreitend innerhalb der EU sowie in und aus Drittstaaten transportiert. Während des Transportes über teils zigtausende Kilometer stehen die Tiere tage- und wochenlang in den Transportfahrzeugen. Sie leiden unter enormer Hitze oder Kälte, Durst, Hunger, Stress und Angst. In Deutschland werden im Durchschnitt weniger als 1 Prozent der Transporte auf der Straße kontrolliert.

Die Hauptprobleme beim Export lebender Tiere sind:

• LkW oder Schiffe sind nicht geeignet, um Tiere über große Distanzen zu transportieren. Sie verfügen über keine geeignete Ausstattung zur Versorgung der Tiere.

• Saugkälber werden bereits im Alter von zwei Wochen über lange Strecken transportiert, ohne altersgerecht mit Nahrung versorgt werden zu können. Die Kälber leiden Durst und Hunger, immer wieder sterben Tiere auf der langen Reise. Die Tiere benötigen Milch bzw. Milchersatzprodukte. Eine solche Fütterung ist jedoch auf den Transportern nicht möglich. Dort ist allenfalls die Versorgung mit Wasser möglich, jedoch ist auch diese nicht einmal sichergestellt, da die Tränken so gut wie nie für Kälber, sondern für erwachsene Tiere ausgelegt sind.

• Schwangere Rinder werden über zigtausende Kilometer bis ins entfernte Usbekistan oder bis nach Nordafrika transportiert, ohne dass die vorgeschriebenen Pausenintervalle ansatzweise eingehalten werden. Am Zielort werden diese Tiere dann, nachdem sie ihr Kalb bekommen haben, auf grausame Weise getötet.

• Immer noch werden jedes Jahr unzählige Tiertransporte abgefertigt, obwohl die zu erwartenden Außentemperaturen die Höchstgrenze von 30 Grad überschreiten. Würde man die EU-Transportverordnung ernst nehmen, dürften solche Transporte nicht genehmigt werden.

• Obwohl 2015 der europäische Gerichtshof entschieden hat, dass die EU-Tierschutzvorgaben für Tiertransporte auch über die EU-Grenzen bis zum Zielort hinaus gelten, wird dies nachweislich nicht eingehalten.

Weitere Informationen zum Thema Tiertransporte finden Sie hier:
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Über VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
VIER PFOTEN ist eine internationale Tierschutzorganisation, die weltweit Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Helmut Dungler in Wien gegründete Organisation hat Büros in 15 Ländern. Das Ziel von VIER PFOTEN ist es, Tieren in Not mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten zu helfen. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen, zum Beispiel Streunerhunde und -katzen sowie Nutz-, Wild- und Heimtiere aus nicht artgemäßer Haltung. In Deutschland betreibt die Tierschutzstiftung aktuell die Tier- und Artenschutzstation TIERART in Maßweiler sowie den BÄRENWALD in Müritz.
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Oliver Windhorst (19.02.2020; 11:29 Uhr)
presse-d@vier-pfoten.org

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© ( www.fellbeisser.net/news/ ) am 19.02.2020
twitter.com/fellbeisser

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