Offener Brief von Marianne Rautenberg an Herrn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

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Marianne Rautenberg
Hiddentruper Str. 72
D – 32791 Lage
Tel.: 05232-80 13 651

Herrn Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsidialamt
Spreeweg 1
D – 10557 Berlin

07.01.2019

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

Sie sind der höchste Repräsentant unseres Landes, und Sie stellen in dieser Position für uns
eine integre Persönlichkeit mit höchstem ethischen und moralischen Anspruch dar.

Aus diesem Grunde treten wir mit folgendem Anliegen an Sie heran: unsere Politik wird
zunehmend durch Beratertätigkeiten – sprich Lobbyisten – beeinflusst. Dieser Einfluss wird
zunehmend transparenter für die Bevölkerung unseres Landes.

So gelang es der Agrar- und Fleischwirtschaftslobby, die Gesetzgebung der Bundesrepublik
Deutschland in diesen Tagen derartig ungeniert zu beeinflussen, dass wir als unabhängiges
Bündnis da entsprechend drauf reagieren wollen.

Bekanntlich lief eine Frist zur Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zum 31.12.2018 aus. Ab Januar 2019 sollte dem Staatsziel Tierschutz nun endlich Folge geleistet werden und den Tierkindern die Qual der Kastration ohne Betäubung erspart werden. Die Ferkelzüchter hatten seit 2013 Zeit und Möglichkeit, sich auf diese notwendige Veränderung vorzubereiten.

Nun mussten wir fassungslos mit ansehen, wie nicht nur das Tierschutzgesetz aufs gröbste
missachtet wurde. Auch unsere politischen Gremien, die wir als kostbare demokratische
Institution ansehen, wurde hier mit Füßen getreten. Nach Bundestagszustimmung und
Bundesratsablehnung wurde diese Ablehnung ignoriert, und der Bundestag einfach noch
einmal bemüht. Anschließend der Landwirtschaftsausschuss und dann noch einmal der
Bundesrat. Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, „es wurde einfach solange
abgestimmt, bis das Ergebnis den Funktionären Tönnies, Rukwied, Röring und Co. genehm
war.“

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, wir als Mitglieder des Bündnisses mensch fair tier
haben den Kontakt zu einem Großteil der abstimmenden Politiker gesucht. Die
Argumentation war bei allen – parteiübergreifend – die gleiche. Nach Austausch und
Abgleich aller Politiker-Antworten, konnten wir uns des Eindrucks einer gelungenen
Gehirnwäsche nicht entziehen.

In der vergangenen Woche sind auf diese Art und Weise der Beeinflussung drei fatale
Entscheidungen zustande gekommen:

• Das Land NRW verlängert die engagiert erstrittene Verbandsklage nicht.
• Die EU weigert sich, qualvolle Leben-Tiertransporte in Drittländer zu verbieten.
• In Deutschland dürfen im 21. Jahrhundert kleine Ferkel weiterhin ohne Betäubung
kastriert werden.

Derartige Entscheidungen widersprechen jedem ethischen und moralischen Anspruch. Tiere
fühlen. Sie sind empfindungsfähige Mitgeschöpfe und haben ein Recht auf ein Leben ohne
Schmerz, Angst und Qual. Die Entwicklung in der agrarindustriellen Landwirtschaft hat den
Begriff „Nutztier” hervorgebracht.

In der Milchproduktion muss die Kuh jedes Jahr ein Kälbchen zur Welt bringen, von dem sie
am Tag der Geburt getrennt wird. Das Bullenkälbchen ist Ausschussware. Es wird auf
Spaltböden gemästet, um dann oft nach langen Transportstrecken – häufig bis in den Orient! – geschlachtet oder geschächtet zu werden (siehe auch „Durstige Kälber“ unter arte.tv oder „Geheimsache Tiertransporte“ unter zdf.de).

Noch immer werden Milliarden frisch geschlüpfter Hähnchen geschreddert. Noch immer wird die Zuchtsau in enge Kastenstände eingepfercht, wo sie bewegungsunfähig ihre Ferkel säugen muss. Und noch immer erleiden mehr als 10% aller Schlachttiere den Tod bei vollem Bewusstsein.

Wir mussten in den vergangenen Wochen Bilder mit ansehen, die auch unser Recht auf
Unversehrtheit missachten. Aus zwei deutschen Schlachthöfen wurden geheim gefilmte
Bilder veröffentlicht, die Quälereien zeigen, die nicht in Worte zu fassen sind, und die wir
niemals wieder vergessen werden, die viele von uns in den Nächten nicht schlafen lassen.

Und wir wissen, dass dieses Filmmaterial repräsentativ für alle Schlachthöfe ist. Allein in
Deutschland werden jährlich mehr als 745 Millionen Tiere geschlachtet (das sind 23 pro
Sekunde!) – im Akkord.

Unser System ist krank, es kann so nicht weitergehen. Und die Politik ist für diese
Fehlentwicklung mit verantwortlich. Wir bitten Sie, hier kraft Ihres Amtes Einfluss zu
nehmen.

Für ein persönliches Gespräch stehen wir zur Verfügung und würden uns sehr über ein
entsprechendes Angebot freuen.

In der Hoffnung, in einer Aussprache Möglichkeiten zu einer Umkehr zu finden, aber auch
den erlittenen Vertrauensverlust in die Politik und die Politiker eventuell rehabilitieren zu
können, verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen

Weitere Zeilen an Sie und Mitunterzeichner:

„Die Idee, dass manche Leben weniger wert sind, ist die Wurzel allen Übels auf dieser
Welt.“

Unsere Tiere sind fühlende, soziale, intelligente Wesen. Was wir ihnen antun, ist ein großes
Verbrechen. Sie sind mit das schwächste Glied. Sie können sich weder wehren noch sagen,
welches Leid ihnen widerfährt. Dennoch sehen wir immer und immer wieder dabei zu,
welches Leid ihnen angetan wird. Und ich leide mit ihnen! Mein Wunsch für das neue Jahr:
Lieber Herr Steinmeier, bitte sorgen Sie mit dafür, dass Tiere nicht weiter als Ware „benutzt“ werden. Sorgen Sie mit dafür, dass wir ihnen ein Recht auf Würde und Unversehrtheit zugestehen, alleine aus der Tatsache heraus, weil es Lebewesen sind! Dieses massenhafte Leid mitanzusehen, ist für mich schlichtweg nicht mehr zu ertragen.

Natascha W.

Jeder Sekunde werden über 23 Tiere geschlachtet, jede Minute landet 1 Schwein unbetäubt im Brühbad, jedes Jahr werden über 45 Mio. männliche Küken vergast oder lebendig geschreddert und 13 Mio. Schweine landen auf dem Müll. Und zwar in Deutschland. Das ist für mich unbegreiflich, unerträglich und lähmt mich zutiefst. Seit ich mich mit diesem Thema beschäftige, mich für unsere sogenannten „Nutztiere“ einsetze, sind Nächte mit erholsamen Schlaf oder Tage ohne Tränen und inneren Schmerz Vergangenheit. Es gibt mittlerweile sogar einen Namen für die Auswirkungen dieser schlimmen Zustände auf empathische Menschen: Vystopie. Wussten Sie das, Herr Steinmeier? Ich bitte Sie darum, mit uns zu sprechen, uns anzuhören bzw. vielmehr den Schmerz und die Rufe der Tiere zu hören und zu fühlen.

Simone F.

Ich bin maßlos enttäuscht von der Politik. Dem Volk wird suggeriert, dass die Stimme des
Bürgers gehört wird. Dabei geht es nicht um die Stimme des Volkes, es geht um die
Wünsche und Vorgaben der Lobbywirtschaft. Man sieht es bei der Fleisch- und Agrarlobby
sehr deutlich. Ein ganz klares Beispiel ist die aktuelle Fristverlängerung für die
betäubungslose Ferkelkastration. Diese offensichtliche Scheinheiligkeit macht mich wütend
& zornig!

Petra K.

Es steht der Menschheit nicht an, sich an anderen Lebewesen zu vergreifen.
Bitte sorgen Sie als höchster Repräsentant unseres Landes dafür, dass sich die Zustände in
unserer Gesellschaft den Tieren gegenüber verändern. Ethik ist nicht teilbar.

Gerhard F.

„Die Größe einer Nation und ihre moralische Reife lassen sich daran bemessen, wie sie ihre
Tiere behandelt“ (Mahatma Gandhi). Möchten Sie wirklich von so einer Nation der höchste
Repräsentant sein?

Daniela H.

Tiere in der Obhut des Menschen sind Teil der Gesellschaft und haben in Folge dessen, wie
alle anderen Mitglieder der Gesellschaft, ein Anrecht auf ein leidfreies gutes Leben in Würde
und Unversehrtheit. Das wird ihnen mit dem Art 20aGG und dem Tierschutzgesetz auch zu
gebilligt. In der politischen Abwägung zwischen Tierschutz einerseits und ökonomischen
Interessen Einzelner oder bestimmter Gruppen/ Berufsgruppen andererseits, sind Tiere
regelmäßig die Verlierer. Politiker machen sich selber überflüssig, wenn sie ihre eigene
Gesetzgebung ignorieren und interessengesteuert entscheiden. Solange Politiker nicht das
tun, was getan werden muss, sondern immer nur das tun, was zur Zeit politisch möglich ist, gibt es keine Hoffnung auf eine gesellschaftliche, ethische Weiterentwicklung.
„Hinter der demokratischen Fassade wurde ein System installiert, in dem völlig andere Regeln gelten als die des Grundgesetzes. Das System ist undemokratisch und korrupt, es missbraucht die Macht und betrügt die Bürger skrupellos“ (Prof. Dr. Hans Herbert von Arnim).

Claudia P.

In den letzten Jahren und ganz besonders im Jahr 2018 hat der Tierschutz in der
Bundesrepublik Deutschland stagniert oder sich sogar zurück entwickelt: Maßnahmen, die
mühsam von verschiedener Seite erstritten wurden, werden nun nicht umgesetzt, sondern
weiterhin verschoben oder revidiert. Der Umgang mit Tieren wird diktiert von
Industriekonzernen, basierend auf immer schnellerer und günstigerer “Produktion”. Hierbei
wird fatalerweise völlig ausgeblendet, dass ein Tier keine Maschine oder Industrieware ist,
sondern ein fühlendes Lebewesen, das ein elendes Leben führen muss – körperlich und
seelisch verstümmelt; jeder Möglichkeit beraubt, seine natürlichen Bedürfnisse auszuleben.
Wir Deutschen waren auf einem guten Weg, im Umgang mit Tieren eine richtungsweisende
Rolle zu spielen. Stück für Stück geben wir diesen Ansatz nun wieder preis.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident: Bitte machen Sie Ihren Einfluss als höchster
Würdenträger unseres Landes geltend. Lassen Sie uns bitte gemeinsam dafür sorgen, das
entsetzliche Leid unserer Mitgeschöpfe zu lindern. Dies ist unsere Verpflichtung als eines
der innovationsstärksten Länder der Welt.

Urban K.

Wer jemals mit einem Haustier zusammen gelebt hat weiß, Tiere fühlen und können
Schmerzen empfinden. Wieso sprechen wir den sogenannten Nutztieren diese Fähigkeiten
ab? Für mich besteht kein Unterschied zwischen einer Kuh und einer Katze und ich würde
mir so sehr wünschen, dass unseren Mitgeschöpfen das Leiden in so mannigfaltiger Form
erspart bleibt. Bitte helfen Sie uns den Traum von zumindest qualfreier Tierhaltung zu
verwirklichen. Vielen Dank.

Sabine G.

Sehr geehrter Herr Steinmeier, es kann nicht sein, dass die konventionelle Landwirtschaft
jedes Jahr Millionen Euro an Subventionen bekommt wegen angeblich hoher
Tierschutzstandards, obwohl keine erkennbar sind. Denn weder die lebenslange,
ganzjährige Anbindehaltung der Milchkühe ohne Auslauf, noch die Haltung von Muttersauen
zur Bewegungslosigkeit verdammt in sogenannten Kastenständen oder die um weitere zwei
Jahre genehmigte schmerzhafte Ferkelkastration ist hoher Tierschutzstandard, sondern
nichts anderes als Tierquälerei im großen Stil. Auch die sogenannten Nutztiere haben
Anspruch auf ein tiergerechtes, schmerzfreies Leben und einen ebensolchen Tod bei der
Schlachtung. Ich bitte Sie in Ihrer Funktion als Bundespräsident hierfür endlich Sorge zu
tragen. Vielen Dank!

Verena W.

Das alle politischen Kräfte vor den Lobbyisten der Fleischwirtschaft eingeknickt sind, ist ein
Skandal.
Das damit politisch gedeckt den “Nutztieren” so ein Leid angetan wird, ist ein Skandal.
Das den wenigen Menschen, die sich gegen dieses Unrecht stellen, vom Rechtsstaat die
Hände gebunden sind, ist ein Skandal.
Den Bundespräsidenten um Hilfe bitten zu müssen, weil der Staat keine Möglichkeit zulässt
den Rechtsbruch zu beenden, ist demütigend.
Bitte Herr Steinmeier, bitte geben Sie den geschundenen Tieren eine Stimme.

Manfred W.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Steinmeier,

mit diesem Schreiben wende ich mich als Bürgerin unseres Landes und weniger als SPD-Mitglied an Sie, wohl wissend, dass Sie keinen politischen Einfluss innerhalb der Partei nehmen dürfen.

Aber Sie repräsentieren unser Land, somit sind Sie als Kopf dieses Landes mein
Ansprechpartner, und vielleicht findet sich in einer Ihrer zukünftigen Ansprachen an die
Politik in Deutschland das eine oder andere mahnende Wort.

Als Bürgerin und Mutter zweier nun erwachsener Söhne macht man sich mehr Gedanken
als früher um Ethik und Moral, um die Kausalität von Ursache und Wirkung. Wir beklagen
fast unisono den Werteverfall, Hate-Speech in sozialen Netzwerken, Anschläge auf
Menschen von rechts und terroristischen Vereinigungen. Noch vor einigen Jahren waren es
die „Hartzer“, die zum Gegenstand der Hetze geworden waren, jetzt sind es Flüchtlinge. Weil es so einfach geworden ist, die Verantwortung beim anderen zu suchen und sich nicht an die eigene Nase zu fassen.
Aber das ist nicht alles.

Welches Vorbild wirft die Politik ab, die gewählten Vertreter des sogenannten Souveräns?
Ich habe ehrlich Mühe, dies nicht in Anführungszeichen zu setzen, denn Vertreter sind das
schon lange nicht mehr. Und wenn sie es sind, dann einer Lobby von Kapital und
finanzstarken Gruppen.

Niemand von uns will Schmerzen erleiden, niemand von uns kann sich vorstellen einen
Eingriff ohne Betäubung über sich ergehen zu lassen. Tieren aber zwingen wir das auf,
wohlgemerkt Nutztieren. Denn wollte ich meine beiden Jungkater betäubungslos kastrieren
lassen bekäme ich Besuch vom Amtsveterinär. Zurecht, selbstverständlich.

Aber bitte erklären Sie mir, wie man einem empfindungsfähigen Geschöpf das Recht auf
eine Betäubung absprechen kann, nur weil die Politik und der Bauernverband geschlafen
hat? Was vermittelt die Politik eigentlich dem Volk? Dass Schmerzen egal sind, wenn nur
genug andere Interessen dafür sprechen?

Bitte verstehen Sie worauf ich hinaus will.
Solidarität in der Gesellschaft hat ihre Basis in Verantwortungsbewußtsein, in Mitgefühl und
Empathie und dem Wissen, dass Solidarität auch dem Einzelnen zugutekommt.
Die Schwächsten unter uns sind Kinder, Alte und Tiere. An Mitgefühl und Empathie, sowie
Verantwortungsbewusstsein mangelt es der Politik für diese Gruppen erheblich.

Sie verstehen sicher worauf ich hinaus will. Der Zusammenhang von Ursache und Wirkung;
was vermittelt die Politik ihren Bürgern. Eine lange Abhandlung zu dem ganzen
Themenbereich möchte ich Ihnen ersparen. Aber vielleicht können sie die Bundesregierung
mahnend an ihre Verantwortung erinnern. Verpflichtet ist sie dem Volk, nicht einer
finanzstarken Lobby.

Danke fürs Lesen,

Angelika R.

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www.mensch-fair-tier.de

Für eine Fairänderung des ökologischen Bewußtseins und
Fairbesserung im Umgang mit unseren sogenannten Nutztieren.

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Übersandt von:

Martina Patterson (10.01.2019; 18:25 Uhr)
pattersonmatpatt@gmx.de

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© ( www.fellbeisser.net/news/ ) am 11.01.2019
twitter.com/fellbeisser

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