Globale Stiftung für Tierschutz fordert Ursachenbekämpfung statt Massentötung

Hamburg, 19. November 2021 – VIER PFOTEN kommentiert die geplante Tötung von 43.000 Junghennen in Delbrück-Westenholz im Kreis Paderborn nach dem Ausbruch der Geflügelpest. Nora Irrgang, Nutztierexpertin bei VIER PFOTEN:

„In furchtbarer Regelmäßigkeit grassieren in der Landwirtschaft Tierseuchen wie die Geflügelpest, die für Millionen fühlender Lebewesen wie Puten, Hühnern oder Enten den Tod bedeuten. Ein Ausbruch der Geflügelpest bringt erhebliche Folgen für einen betroffenen Geflügelbestand mit sich. Aufgrund der industriellen Intensivtierhaltung können Viren, wie die der Aviären Influenza eine große Zahl Tiere in einer sehr kurzen Zeit befallen. Als hochansteckende Krankheit führt sie zu einem akuten, schweren Krankheitsbild und zu vielen Todesfällen.

Leider bekämpfen die Maßnahmen von Behörden, Bundesregierung und der EU nicht die Ursachen, sondern lediglich die Symptome. So wird die intensive Tierhaltung nicht infrage gestellt. Hauptursachen für die hohen Zahlen an getöteten Tieren sind die extremen Bestandsgrößen in der industriellen Intensivtierhaltung. Doch diese Ursache wird ignoriert, stattdessen wird weiter auf die Steigerung der Produktion gesetzt. In den vergangenen Wochen hat sich gezeigt, dass sich das Virus unkontrolliert zwischen Geflügelpopulationen verschiedener Betriebe ausbreitet – trotz aller bisherigen Überwachungs- und Sicherheitsmaßnahmen.

Nach dem Ausbruch in mehreren niedersächsischen Landkreisen u.a. in Cloppenburg werden jetzt Zehntausende Tiere im Kreis Paderborn getötet. Die Tiere werden auf den Betrieben häufig unter tierschutzwidrigen Bedingungen getötet – etwa in großen Geflügelställen durch die Einleitung von Kohlenstoffdioxid. Die Tiere leiden dabei, verursacht durch die nur langsam ansteigende Konzentration des Gases, unter dem qualvollen Gefühl des Erstickens.

Es ist bereits fünf nach zwölf und die Zeit für einen Systemwechsel in der landwirtschaftlichen Tierhaltung ist überfällig. Die neue Bundesregierung muss dafür sorgen, dass deutlich weniger Tiere und diese unter tiergerechten Bedingungen gehalten werden. Außerdem brauchen wir geschlossene Kreisläufe auf den Betrieben, eine Dezentralisierung der Schlachtstätten sowie weniger Tiertransporte“

Um einen Ausbruch der Aviären Influenza einzudämmen und zukünftige Seuchenausbrüche zu vermeiden, fordert VIER PFOTEN:

• Eine Abkehr von der intensiven Geflügelhaltung – es müssen im Sinne des Tierschutzes der Nachhaltigkeit und der Seuchenbekämpfung, weniger Nutztiere pro Betrieb gehalten werden.
• Eine Dezentralisierung von tierhaltenden Betrieben sowie eine Förderung kleiner Betriebe mit weniger Tieren muss stattfinden.
• Keine Massentötung als alleinige Bekämpfungsmaßnahme. Notwendige Tötungen bei Tieren, die erkrankt sind, müssen unter allen Umständen so ablaufen, dass Leiden bei den Tieren verhindert wird.
• Die EU und ihre Mitgliedsstaaten müssen in die Entwicklung wirksamer Markerimpfstoffe gegen die hochpathogene Form der aviären Influenza investieren und Pilotprojekte zur Testung präventiver Impf- und Überwachungsprogramme müssen gefördert werden.
• Freilandbetriebe müssen ihre Ställe mit einem Wintergarten ausstatten, um den Tieren bei einem Geflügelpestausbruch weiterhin mehr Platz und Tageslicht bieten zu können, um Verhaltensprobleme wie Federpicken und Kannibalismus zu verhindern.
• Vorkehrungen, die Betriebe vor Ansteckungen schützen (Biosicherheitsmaßnahmen) müssen entlang der gesamten Produktionskette umgesetzt werden.

Weitere Informationen finden Sie hier:
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Über VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in elf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen. www.vier-pfoten.de
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INTERVIEWPARTNERIN:

Dr. Nora Irrgang
Nutztier-Expertin bei VIER PFOTEN

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Oliver Windhorst (19.11.2021; 09:33 Uhr)
Oliver.Windhorst@vier-pfoten.o…

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© ( www.fellbeisser.net/news/ ) am 19.11.2021
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