Berlin, 11.02.2022: Die bayerische Regierung aus CSU und Freien Wählern fordert die neue Bundesregierung auf, das angekündigte Verbot der Anbindehaltung nur auf die ganzjährige und nicht die saisonale Anbindehaltung zu beziehen. PROVIEH lehnt dies entschieden ab und fordert die Bundesregierung auf, das Verbot der Anbindehaltung wie geplant vollständig umzusetzen.

„Die tierquälerische und aus der Zeit gefallene Anbindehaltung von Rindern muss endlich ein Ende haben – ganzjährig wie saisonal! Auch in der sogenannten Kombinationshaltung sind die Tiere zwei Drittel des Jahres angebunden und in ihren arteigenen Verhaltensweisen und Bedürfnissen weitgehend beschnitten. Laut Tierschutzgesetz ist eine solche Haltung unzulässig, dies muss die Bundesregierung mit einem konsequenten Verbot geraden Rückens umsetzen“, kommentiert Anne Hamester, PROVIEH-Fachreferentin für landwirtschaftlich gehaltene Tiere.

Per Dringlichkeitsantrag fordert der bayerische Landtag die Landesregierung auf, sich bei der Bundesregierung gegen das Verbot der Anbindehaltung einzusetzen und kommt damit dem Drängen des bayerischen Bauernverbandes nach. Nur die ganzjährige Anbindehaltung solle verboten werden, die sogenannte Kombinationshaltung solle wiederum weiterhin auf unbegrenzte Zeit zulässig sein. Begründet wird dieser Vorstoß mit dem Schutz kleinbäuerlicher Strukturen. Zeitgleich unterstütze man Tierhalter dabei, Haltungsbedingungen laufend zu verbessern und für genügend Bewegung und Auslauf zu sorgen. Für PROVIEH ist dies schlicht eine Hinhaltetaktik.

„Die Anbindehaltung ist schon seit Jahrzehnten als nicht tiergerechte Haltung eingestuft. Es war nur eine Frage der Zeit, wann das Verbot der Haltung endlich kommt. Trotzdem haben weder Politik noch Bauernverband die Betriebe auf diese Entwicklung vorbereitet. Stattdessen wurden sie mit dem bayerischen Kombi-Modell auf einen irreführenden Pfad gebracht. Dieses Modell hat keine Zukunft. Das sollte sich das bayerische politische Geflecht endlich eingestehen und mit aller Kraft an Lösungen für die Betriebe arbeiten, statt sich weiter mit Versuchen zur Verzögerung aufzuhalten!“, mahnt PROVIEH-Fachreferentin Anne Hamester.

Hintergrund
In Deutschland steht noch immer jede vierte Milchkuh fixiert in einer Anbindehaltung. Insbesondere in Süddeutschland ist diese Haltungsform noch sehr präsent. In der fixierten Haltung sind die arteigenen Bedürfnisse und Verhaltensweisen von Rindern weitgehend beschnitten: Die Tiere können sich weder artgemäß bewegen, säubern, scheuern noch arteigen miteinander interagieren, indem sie sich als Freundschaftsbeweis beispielsweise schlecken. Darüber hinaus können die neugierigen Tiere ihre Umgebung nicht erkunden, ihrem natürlichen Fortpflanzungsverhalten nicht nachkommen und keinerlei soziales Verhalten ausüben. Somit kommt die wissenschaftliche Auseinandersetzung zu dem Konsens, dass die Anbindehaltung kein tiergerechtes Verfahren darstellt. PROVIEH fordert daher schon seit Jahren einen konsequenten Ausstieg aus der Anbindehaltung – ganzjährig wie saisonal.

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PROVIEH e.V. Pressemitteilung (11.02.2022; 11:25 Uhr)
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Veröffentlichungen von Dr. Helmut F. Kaplan

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© ( www.fellbeisser.net/news/ ) am 11.02.2022
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1 Kommentar

  1. Es war klar, dass die agrarlobbygesteuerte bayerische CSU nebst den Freien Wählern versuchen wird, die Anbindehaltung in Bayern zu verhindern, obwohl in höchstem Maße tierschutzwidrig. Dasselbe Ziel verfolgt übrigens auch der Landkreis Garmisch mit seinem Antrag zum Weltkulturerbe. Mit allen möglichen Tricks wollen CSU und FW erreichen, dass das immense Leid der Milchkühe weitergeht. Bezeichnet sich aber trotzdem unverschämterweise als „christlich“. Was monatelanges zum Stillstehen verdammt sein mit christlich zu tun hat, wissen nur Kaniber, Aiwanger und Co. sowie ihre Stammwählerschaft, die Bauern. Bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung den faulen Kompromiss durchschaut. Denn da es wie immer in der Landwirtschaft keine Kontrollen geben wird, wer wie lange und wie oft seinen Kühen Auslauf gewährt, muss endlich ein konsequentes Anbindeverbot Gesetz werden. Ergänzt um die Verpflichtung, den Tieren zumindest im Sommer Auflauf auf der Weide zu gewähren, da die alleinige Haltung in Laufställen auch nicht tierschutzgerecht ist.

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