Anstehende Entscheidung über Zustimmung zur Anerkennung des Brieftaubensports als immaterielles Kulturerbe in Deutschland

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Sehr geehrter Herr Staatsminister Prof. Dr. Lorz,

ich schreibe Sie heute an in Ihrer Eigenschaft als 1. Vizepräsident der Kultusministerkonferenz 2018, die ja bald in Berlin stattfindet.

Wir möchten Sie bitten, der Anerkennung des Brieftaubensports als immaterielles Kulturerbe für Deutschland nicht zuzustimmen, da dieser eklatant gegen in Deutschland geltende tierschutzrechtliche Bestimmungen verstößt.

Von diesen Praktiken seien hier einige genannt:

· Selektion bzw. Tötung ohne Betäubung von für den Wettbewerb “unnützen“ Brieftauben,

· Abverlangen einer Leistung, die diese Vögel zu großen Teilen gar nicht erbringen können mit bis zu über 1.000 km Wettflügen,

· Hervorrufen seelischer Qualen durch Trennung von Partner und Brut, um die Tauben zum Rückflug zu zwingen (sog. Witwerschaft).

· Generierung und übermäßige Zucht zur Hervorbringung von sog. As-Tauben. Die “Nutzlosen” springen über die Klinge aus niedersten Beweggründen, nämlich der Gier nach Preisgeldern, teuer zu verkaufenden Brieftauben etc.,

· Belastung der öffentlichen Räume durch verloren gegangene Brieftauben, die auf der Strecke bleiben und sich im besten Fall den Stadttaubenpopulationen anschließen können und sich dort fortpflanzen – dadurch steigt die Anzahl der verhassten “Ratten der Lüfte” in den Städten zusätzlich,

· Aussetzen von Haustieren mit dem Wissen, dass ein Teil der zum Wettflug gezwungenen Tauben verhungern oder verdursten wird, da sie nicht wissen, wie sie Nahrung außerhalb des Heimatschlages generieren sollen, es sei denn, sie schließen sich den Stadttauben an und lernen, den menschlichen und völlig ungesunden Müll zu fressen.

Es wäre ein himmelschreiendes Unrecht, wenn hier die Anerkennung ausgesprochen würde. Und das in einem Land, in dem der Tierschutz als “STAATSZIEL” im Grundgesetz verankert wurde. Das darf nicht sein!

Ich übersende Ihnen anliegend einige sehr aussagekräftige Dokumente, die zum Teil von Brieftaubenzüchterseite inzwischen aus dem Internet gelöscht wurden, aus nachvollziehbaren Gründen.

– Selektion (ohne Worte!) – in Anlage –
– Augenselektion (man beachte das Einleitungs-Zitat von Pete Pobor – ein Jargon aus Zeiten, die man weit hinter sich wähnte) – in Anlage –
– Selektion (von Henk Peters) – in Anlage –
– Offener kritischer Brief eines Brieftaubenzüchters und Tierarztes an den Präsidenten des Deutschen Brieftaubenverbandes, in dem er die Praktiken
anprangert unter dem Titel „Es ist 1 vor 12 …“ – in Anlage –
– Studie von Dr. Warzecha, welche die großen Verlustraten bei den Auflässen belegt – in Anlage –
– Auflass-Karte für Deutschland, die zeigt, wie viele Tauben in die Wettflüge gezwungen werden – in Anlage –
– Pressemeldung Deutscher Tierschutzbund – in Anlage –
– Zeitungsartikel der Deutschen Presseagentur zum Thema, der am 05.11.2018 bundesweit in sehr vielen Zeitungen und Zeitschriften erschienen ist:
www.stuttgarter-zeitung.de/inh… 2db41094015c.html?fbclid=IwAR3EVrSK44qtr3n9Sxu1DHk2B8NKRRKQNRwjkruYgYYEJexTwSEC9WPW1Cw
– Offener Brief an den Präsidenten des Expertenkomitees der Deutschen UNESCO Kommission von Frau Meyer-Suchsland, veröffentlicht in der Zeitung Weseler Lokalkompass vom 15.09.18.
www.lokalkompass.de/wesel/c-po…

Bitte lesen Sie sich all diese Dokumente aufmerksam durch – sie sprechen für sich!

Brieftaubenzüchter sind inzwischen dazu übergegangen, ihre „selektierten“ Tauben an Falkner gegen Bezahlung abzugeben. Neuerdings werden auch gerne unbrauchbare Tauben an Zoos abgegeben. Und dies, obwohl der Deutsche Brieftaubenzüchterverband immer wieder versichert, Tauben würden nur zum Eigenbedarf, d.h. zur Nahrungsgenerierung der Halter getötet! Jegliche andere Tötung ist gesetzlich nicht zulässig – also behauptet man es. Auch für diese Praktiken gibt es genügend Belege in den Brieftaubenzüchter-Foren. Uns sind auch Fälle bekannt, in denen Tauben auf illegale Weise entsorgt wurden. So wurden z.B. in Heinsberg in einem Feld 19 tote Brieftauben mit abgeschnittenen Füßen aufgefunden, so dass man die Ringe entsorgen konnte. Ein Ring ist dort jedoch verblieben. Anzeige wurde gestellt – Verfahren wurde eingestellt.

Viele in Deutschland tätige Ehrenamtliche von bundesweit existierenden Stadttauben-Initiativen sind mit den Brieftauben konfrontiert, die verloren gehen. Sie finden sie verletzt oder tot auf unseren Straßen auf. In unseren Augen eine weitere „bequeme Selektion“ für die Züchter.
Das belegen auch immer wieder die Reaktionen der Züchter bei Meldung der Tauben: „Die können Sie behalten.“ „Machen Sie sich eine Suppe draus.“ „Machen sie mit der, was sie wollen, die brauch ich nicht mehr.“ Ein besonders krasses Beispiel ist dieses hier:

Und das, obwohl der Deutsche Brieftaubenverband immer wieder behauptet, die Züchter seien zur Rücknahme verpflichtet. Die Realität sieht anders aus. Fakt ist außerdem, dass verspätete Tauben nach Rückkehr in den Schlag meist den Tod finden, weil sie eh nicht die Erwartungen erfüllt haben (siehe beigefügte Selektionspapiere).

Nur sehr wenige Züchter holen ihre Tauben selbst ab. Es gibt sicher auch Menschen, die sich Ihre Tauben als Liebhaberei halten und Ihnen lediglich Unterkunft, Futter und Freiflug gewähren, ohne sie den grässlichen Strapazen von Wettflügen auszusetzen. Dies sind jedoch verschwindend Wenige, wie auch der Offene Brief von Herrn Warzecha vermuten lässt.

Diese Umstände und der, dass die von den Bürgern gehassten Stadttaubenpopulationen durch die auf der Strecke gebliebenen und überlebenden Brieftauben zusätzlich angereichert werden, verbieten aus Sicht vieler Tierschutzorganisationen und nicht nur aus Sicht der Stadttaubeninitiativen eine Anerkennung des Brieftaubensports als immaterielles Kulturerbe.

Wir appellieren an Sie, verweigern Sie Ihre Zustimmung zu dieser Anerkennung im Namen der vielen namenlosen Tauben!

Mit freundlichen Grüßen,

Sylvia Müller
Fördermitglied von
StraßenTAUBE und StadtLEBEN e.V.

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Gesendet: Sonntag, 18. November 2018 um 13:19 Uhr
Von: “Sylvia Müller” antar@gmx.de
An: bundesrat@bundesrat.de
Cc: tierschutz@umwelt.hessen.de, “‘Infoservice Tierschutzbund'” infoservice@tierschutzbund.de, info@peta.de, info@zdf.de, Buergerservice.BMG@bmg.bund.de, “‘Plange, Diana'” diana.plange@senjustva.berlin…., info@tierrechte-bw.de, Info@NABU-Niedersachsen.de, info@tierschutz-rheinland-pfal…, Julia.Stubenbord@MLR.BWL.DE, landesverband@gruene-hessen.de, mail@bmt-tierschutz.de, mail@landestierschutzverband-b…, online-redaktion@swp.de, “‘Landestierschutzverband NRW e.V. – Geschäftsstelle'” post@ltv-nrw.de, poststelle@djgt.de, redaktion@stz.zgs.de, ‘Tierschutzpartei’ sekretariat@tierschutzpartei.d…, Tierschutzbeauftragte@mlr.bwl…. “‘NABU Leipzig | Vogelschutz'” vogelschutz@nabu-leipzig.de
Betreff: Anstehende Entscheidung über Zustimmung zur Anerkennung des Brieftaubensports als immaterielles Kulturerbe in Deutschland

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Übersandt von:

Martina Patterson (18.11.2018; 17:26 Uhr)
pattersonmatpatt@gmx.de

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© ( www.fellbeisser.net/news/ ) am 19.11.2018
twitter.com/fellbeisser

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