Helmut F. Kaplan

Zunächst sah es ganz so aus, als würde auch die Diskussion über Eva Hermans Lob für die nationalsozialistische Familienpolitik wieder nach jenem Schema ablaufen, nach dem bisher alle solchen Diskussionen abgelaufen sind: Wer irgendetwas, das Hitler gesagt, getan oder befürwortet hatte, im Entferntesten gut fand bzw. ihm irgendeinen positiven Aspekt abgewinnen konnte, wurde augenblicklich vom gesellschaftlichen Diskurs ausgeschlossen und zum Unmenschen erklärt.

Dies, obwohl die Hirnlosigkeit dieses hysterischen Automatismus selbst von bescheiden Begabten, wie man meinen sollte, leicht hätte erkannt werden können: Was ist, wenn sich herausstellt, dass sich Hitler nach dem Essen die Zähne und nach dem Stuhlgang den Hintern geputzt hat? Muss dann die Benützung von Zahnbürste und Klopapier als gefährliche Wiederbetätigung verboten werden?

Erfreulicherweise gab es eine Ausnahme in diesem intellektuellen Vakuum – Ephraim Kishons Bemerkung: Hitler war leidenschaftlicher Nichtraucher. Soll ich deshalb Kettenraucher werden, um meinen Antifaschismus zu beweisen? Genutzt hat Kishons Erkenntnis freilich nichts – denkfaule Paniker dominierten weiter die Diskussion.

Wider alle Erwartung gibt es bei der Debatte um Eva Herman jetzt aber doch auch eine Tendenz dahingehend, dass es auch in Diskussionen im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus vorteilhaft sein könnte, salopp formuliert, vor Inbetriebnahme des Mundwerks das Gehirn einzuschalten – um damit zum Beispiel autonom und sachlich zwischen Gutem und Schlechtem zu unterscheiden.

Mit dieser erfreulichen Einkehr der Vernunft besteht auch die Hoffnung, dass das abstruse Einmaligkeits-Dogma in Bezug auf Nazi-Verbrechen allmählich verblasst. Dann könnten auch andere Menschheitsverbrechen endlich gebührend gewürdigt werden, was sich im Hinblick auf deren künftige Vermeidung vielleicht ganz positiv auswirken könnte.

Dann erhielten etwa die zig Millionen Opfer der Massenmörder Stalin, Mao Zedong und Pol Pot endlich jene Aufmerksamkeit, die ihnen aufgrund der Verhätschelung Hitlers als singulären Ober-Verbrecher bisher verweigert wurde. Vor allem aber würde die überfällige Entsorgung des irrationalen Einmaligkeits-Mythos die Grundlage dafür schaffen, das bisher größte Menschheitsverbrechen ins Blickfeld zu rücken: den seit Jahrtausenden währenden und sich täglich noch steigernden Holocaust an Tieren.

Copyright: Helmut F. Kaplan

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Dr. Helmut F. Kaplan (27.10.2007; 14:03 Uhr)

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