Zwei Drittel aller EU-Tiertransporte in die Türkei verlaufen gesetzeswidrig
11. Januar 2012
PRESSEINFORMATION
Zwei Drittel aller EU-Tiertransporte in die Türkei verlaufen gesetzeswidrig
Tierschutzorganisationen legen gemeinsame Dokumentation vor
BRÜSSEL / ISTANBUL / FRANKFURT • Eine Dokumentation der europäischen Tierschutzorganisationen Compassion in World Farming, Eyes on Animals, Animal Welfare Foundation und Tierschutzbund Zürich über Tiertransporte aus der EU in die Türkei offenbare eklatante Tierschutzverletzungen. Bei zwei Dritteln (67 Prozent) der 158 kontrollierten Tiertransporte fänden die drei Organisationen Verstöße gegen die geltende EU-Tierschutzverordnung. „Wir haben 2011 in zeitlichen Abständen Kontrollen durchgeführt. Immer mit dem selben Ergebnis, obwohl wir unsere Berichte an die Kommission weitergeleitet haben. Die EU-Kommission nimmt ihre Aufsichtsfunktion nicht wahr“, so Iris Baumgärtner, Projektleiterin der deutschen Animal Welfare Foundation.
„Rund 1,1 Millionen Rinder und Schafe wurden im vergangenen Jahr aus der EU in die Türkei exportiert. Diese Qualtransporte nehmen von Jahr zu Jahr zu. Die Türkei ist inzwischen zu einem der größten Absatzmärkte weltweit geworden“, ergänzt Iris Baumgärtner. In überladenen Transportern litten die Tiere an Hitze und unter der hohen Ammoniakkonzentration. Bis 58 Grad Celsius seien gemessen worden. Es fehle an Wasser, Futter und Einstreu. Die Abwicklung an der bulgarisch-türkischen Grenze verschärfe die Notlage der Tiere nochmals. Häufig verlängerten fehlerhafte Transportpapiere und umständliche Importkontrollen die Transportzeit um Stunden oder Tage. „Wir haben zwei Transporter gefunden, die vier Tage warten mussten. Während dieser Zeit starben 14 Schafe“, berichtet Iris Baumgärtner.
Erschreckende Dokumentation
Die Schafe, Rinder und Milchkälber stammten u.a. aus den EU Mitgliedsstaaten Ungarn, Bulgarien, Österreich, Griechenland, Litauen, Lettland und Estland. Die durchführenden Speditionen kämen zusätzlich aus Holland, Deutschland, Polen, Rumänien und Kroatien. Erreichen die Transporte die bulgarisch-türkische Grenze, hätten die Tiere bis zu 2.000 Kilometer hinter sich. Nach Grenzübertritt sei die Tortur nicht vorbei: „Die Tiere auf den Transportern stehen in ihren Exkrementen, ohne jede Versorgung für weitere Stunden und Tage“, beschreibt Iris Baumgärtner. Zum Schlachthof in Erzurum an der türkisch-syrischen Grenze seien es nochmals 1.500 Kilometer.
Die meisten Tiere würden zum Schlachten in die Türkei exportiert. Einige zur Mast und zur Zucht. Die Tierschutzorganisationen belegen, dass die Schlachtbedingungen in der Türkei häufig gegen internationale Standards verstoßen, wie sie die OIE (World Organisation for Animal Health) formuliere. So würden die Tiere ohne Betäubung an den Hinterbeinen aufgehängt und die Kehle zum Ausbluten durchschnitten. „Es ist ethisch nicht vertretbar, dass aus der EU Tiere in ein Land exportiert werden, welches nachweislich internationale Standards zum Tierschutz bei der Schlachtung missachtet“, klagt Iris Baumgärtner an.
„Wir haben Bullen mit gebrochenen Beinen und sterbende Schafe auf Transportern gefunden, die gerade die türkische Veterinärkontrolle passiert haben. Es scheint so, dass die türkischen Grenzbehörden nicht in der Lage sind, einfachste Tierschutzstandards einzuhalten. Hierzu gehören die Versorgung mit Wasser und Futter in einem Versorgungsstall sowie die Nottötung und Euthanasie für kranke und verletzte Tiere“, so Iris Baumgärtner. Das Elend an der bulgarisch-türkischen Grenze zähle zum Schlimmsten, was die Tierschutzorganisationen in den letzten 10 Jahren dokumentiert hätten.
Forderungen an die EU-Kommission
2011 führten die Tierschutzorganisationen drei Kontrollen durch. Die jeweiligen Berichte seien an die beteiligten Länder und Behörden geschickt worden. Ohne sichtbaren Erfolg. Die Zahl der exportierten Tiere steige weiter, Veränderungen der Tierschutzsituation seien kaum festzustellen. Deshalb fordern Compassion in World Farming, Eyes on Animals und Animal Welfare Foundation die Kommission jetzt auf, erstens die Ausfuhr von lebenden Tieren in die Türkei auszusetzen, zweitens ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Bulgarien und Ungarn einzuleiten und drittens Gespräche aufzunehmen mit türkischen Behörden und den betroffenen EU-Mitgliedstaaten, um die Verzögerungen an der Grenze zu beenden.
Hinweis an die Presse:
Weitere Informationen, statistische Angaben, Fotos und Filmfootage erhalten Sie über Iris Baumgärtner, Telefon +49 (0)1 51 / 40 44 87 50, iris@animal-welfare-foundation…
Die Organisationen:
Die Animal Welfare Foundation (AWF) mit Sitz in Frankfurt a.M. wurde 2010 von Tierschutzexperten aus Deutschland und der Schweiz gegründet. Sie ist eine Schwesterorganisation des vor über 100 Jahren gegründeten Tierschutzbund Zürich. Ziel der Organisationen ist die Verbesserung der Lebensbedingungen von so genannten Nutztieren. Die AWF- und TSB-Einsatzleiterinnen führen regelmäßig Kontrollen von Tiertransporten, Tiermärkten und Tierhaltungen durch. AWF und TSB leisten Erste Hilfe bei Tieren in Not, berichten Tierschutzfälle an die zuständigen Stellen und fordern die Behörden zum Handeln auf.
Eyes on Animals (EonA) ist eine unabhängige Tierschutzorganisation mit Sitz in den Niederlanden. Eyes on Animals wurde 2009 mit dem Ziel gegründet, die aktuellen europäischen Tierschutzvorschriften und deren Durchsetzung in die Praxis zu überwachen. Mit eigenen Inspektoren werden regelmäßig Kontrollen von Tiertransporten und Schlachthöfen durchgeführt. Hinzu kommen Schulungen der EU-Tierschutzvorschriften für Autobahnpolizisten und Fahrer von Tiertransporten.
Compassion in World Farming (CIWF) wurde vor über 40 Jahren (1967) von einem britischen Landwirt gegründet, der entsetzt war über die Entwicklung der modernen, intensiven Massentierhaltung. Heute verfolgt CIWF das Ziel, mit friedlichen Kampagnen die grausamen Praktiken der Massentierhaltung zu beenden. CIWF ist der Meinung, dass die größte Grausamkeit auf dem Planeten eine konzentrierte, gezielte Strategie braucht – deshalb arbeitet CIWF ausschließlich zum Schutz von Nutztieren.
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presse@voice-design.de (11.01.2012; 10:53 Uhr)
Siehe auch:
Leichtfried: Europa braucht endlich verbindliche Obergrenzen bei Lebendtiertransporten
Vizepräsident der Animal Welfare Intergroup für EU-weites Tierschutzgesetz
www.ots.at/presseaussendung/OT…
Zwei Drittel der Tiertransporte aus EU in Türkei illegal
diepresse.com/home/panorama/kl…
Keine Tierquälerei mehr auf den Straßen
www.nzz.ch/nachrichten/politik…
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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 11.01.2012
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