Zum Thema Chirurgie des Kreuzbandrisses beim Hund

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Bildquellenangabe: Marcus Brauer / pixelio.de

Besuch aus Hannover

Zacco ist ein kräftiger Malinois-Rüde, vital und voller Lebensdrang. Mit seinen über 30 kg Körpergewicht hält er sein Frauchen Andrea N., beide leben in Hannover, ganz schön in Trab – auf drei Beinen. Sein linkes Hinterbein kann er nicht aufsetzen.

Im August des Jahres 2013 fuhr Andrea N. zu einem Tierarzt, der sich mit orthopädischen Problemen des Hundes wohl auskennt und diese auch zu beheben weiß. Das hatte sich ´rumgesprochen. Seine Diagnose: Riß des vorderen Kreuzbandes und deutliche Signale einer fortschreitenden Arthrose. Zacco wurde operiert und als Methode der Wahl die „Kapselraffung“ oder wie man sie auch nennt: die Kapselfasziendopplung durchgeführt. Kosten: fast 1200 Euro.

Das Problem: Zacco setzte das Bein nach Wochen nicht auf und signalisierte Schmerzen. Andrea N. packte Verzweiflung. Die Lahmheit wurde nicht besser, sie war fortschreitend. Am Donnerstag, den 13.Februar 2014 saß Sie mit Zacco in unserem Wartezimmer.

Wir hoben ihn auf den Behandlungstisch. Eine überdeutliche „Schublade“ des Knies war zu spüren. Die Röntgenaufnahme zeigte ein Bild der Verwüstung im Knie.

Natürlich haben wir ihn Narkose gelegt und das Knie geöffnet. Von Vorderem Kreuzband war nichts zu sehen. Die Menisken zeigten einen fortgeschrittenen entzündlich degenerativen Zerfall. Die Gelenkflächen –„ogottogot“ – waren zerstört.

Als vernünftige Maßnahme erschien uns die dann durchgeführte >Laterale Fixation, so wie sie in nahezu allen englischsprachigen Ländern durchgeführt wird, eine sinnvolle Alternative zu den in Deutschland favorisierten knochenchirurgischen Maßnahmen wie TPLO oder TTA, die ungleich viel aufwändiger sind. Daneben gibt es wohl noch mehr Methoden, um ein Knie in seiner Funktion zu stabilisieren. Früher haben wir die in der Tierärztlichen Hochschule Hannover favorisierte Methode „Over The Top“ (OTT) durchgeführt – mit eben jenen Ergebnissen, wie sie auch dort bekannt waren: 70 bis 72% gute Erfolge. Also ziemlich dürftig.

Das zentrale Anliegen ist ja, die Folgen der Ruptur des vorderen Kreuzbandes zu kompensieren, also den „Wackelkram“ im Knie zu beseitigen. Denn der führt ja zu noch mehr Verschleiß – also noch mehr Arthrose als oft schon vorhanden. Die Methoden TPLO und TTA und die im englischen Sprachraum außer der Lateralen Fixation durchgeführten CWCO (Cranial Wedge Closing Osteotomy) zeigen die besseren Ergebnisse, die im Bereich über 90% liegen.

Unser armer Zacco hatte nicht die Chance, dass sein Knie wieder stabilisiert wurde. Die angewendete Methode der „Kapselraffung“, die man in den 60er Jahren anwendete und teilweise auch heute noch bei kleinen Hunden und auch Katzen, die eine Kreuzbandruptur erlitten haben, anwendet (warum überhaupt?), erscheint uns als völlig ungeeignet, die Kniefunktion eines großen Hundes wieder herzustellen. Der „Wackelkram“ bleibt ja. Damit bleibt auch der Verschleiß mit „open end“.

In einer Woche, wenn sich die Kasel des Kniegelenks von Zacco vollständig geschlossen hat, soll Zacco eine Injektion „Hyaluronsäure“ ins Kniegelenk bekommen. Eigentlich heißt das Zeugs Hyaluronat und ist das Natrium-Salz der Hyaluronsäure, dem Hauptbestandteile der Gelenkschmiere. Diese soll die Heilungschancen des Gelenkknorpels erhöhen. Denn „wenn´s trocken ist, reibt´s mächtig gut“. Diese Injektion muss natürlich unter Wahrung erstklassiger Hygiene erfolgen, sonst wird’s ganz bitter für den armen Hund. Jetzt noch eine Staphylokokken-Infektion ? Nee bloß nicht.

Wir verwenden seit langem das in der Orthopädie bekannte Suplasyn, was noch vor kurzem im Apothekeneinkaufpreis gute 50 bis 60 Euro kostet. Erstaunlicherweise liefert uns eine Firma dies Suplasyn nun schon lange zu einem AEK von unter 10 Euro.

Eine andere Möglichkeit wäre die Anwendung eines 2-Phasen Hyaluronats. Die Schweizer Firma MDT Int`I SA in Genf , www.DualVis.ch , stellt Ampullen mit nieder- und hochmolekularem Hyluronat her. Vertickt wird das wohl schon jetzt in der Human-Orthopädie sehr beliebte Präparat DualVis für über 120 € AEK pro Ampulle. Und das Fiese: Die Handelsfirma >Adelpharma liefert nur Gebinde von 20 Ampullen an Apotheken oder Ärzte.

Andrea N. holte Zacco am späten Nachmittag ab. Sie war „bewaffnet“ mit 2 Dosen Arthridonum H, einer Flasche EM und einem Blister Amoxiclav 400. Die Kosten? 648,71 €.

Alles Gute für Zacco!

Dirk Schrader, Hamburg

Tierärztliches Institut
für angewandte Kleintiermedizin
Innovation und Kompetenz seit 1973
Praxis, Forschung und Lehre unter einem Dach

Rahlstedter Straße 156
22143 Hamburg
Tel.: 040-677 21 44
www.tieraerzte-hamburg.com
Skype: veterinarianshh

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VeterinariansHH (16.02.2014; 17:00 Uhr)
VeterinariansHH@aol.com

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 16.02.2014
twitter.com/fellbeisser

1 KOMMENTAR

  1. Meine Labrador Hündin ist 8 Jahre lang und hatte vor 3 Wochen auch einen Kreuzbandriss. Der Tierarzt wollte natürlich gleich operieren, genauso wie bei euch. So, wir sagten wir überlegen es uns und bekamen erstmal Schmerztabletten für sie. Wir gaben ihr diese 3 Tage lang, setzten sie wieder ab und nun kann sie ganz normal wieder laufen. Operieren, spritzen, usw ist für den Tierarzt natürlich lukrativ, aber ob eine OP des Gelenkapparates bei einem bewegungsfreudigem Hund was bringt, bezweifele ich.

    Ein Mensch kann sich nach einer Kreuzband-OP ausruhen, und dann wird er wieder laufen können. Ein Hund denkt nicht soweit das er sich schonen muss, er wird immer wieder versuchen aufzustehen und das Gelenk dadurch noch schlimmer belasten, als vorher Manchmal ist es besser, einfach mal abzuwarten und nachzudenken, wen man mit so einer OP etwas gutes tut. Ein Selbstheilungsprozess tretet immer ein, erst wenn auch abwarten nicht mehr hilft, sollte man operieren!

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