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Cauda equina Syndrom

Mrz 2nd, 2011 | Eingestellt unter Autoren, Dirk Schrader
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Das klinische Bild des Cauda equina Syndroms ist deutlich: Neben fortschreitender Schwäche der Hintergliedmaßen kann es zu Harn- und Kotinkontinenz kommen, weil die Bandscheibe zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem Steißbein aufquillt und dabei die Nervenwurzeln und die Ausläufer des Rückenmarks (Cauda equina) bedrängt.

Bislang kannte die Veterinärmedizin nur einen Ausweg: die dorsale Laminektomie über der Bandscheibe. Die Ursache des Leidens wird aber nicht beseitigt. Durch Dekompression (wenn sie funktioniert …) wird allenfalls vorübergehend der Druck auf die Nervenfasern weggenommen. Vorübergehend. Denn die Bandscheibe quillt weiter auf, weil die Gelenkverbindungen zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem Steißbein „ausgeleiert“, also dysplatisch sind.

Bei einer vernünftigen Therapie des Cauda equina Syndroms kommt es darauf an, die lose Verbindung zwischen beiden Knochenteilen zu festigen, denn die eigentliche Ursache der Bandscheibenaufquellung ist eine unnatürliche transversale Wackelei, die die Bandscheibe ständig traumatisiert. Hauen Sie sich mal mit dem Hammer immer wieder auf den Daumen: der wird dicker – garantiert. So ergeht es der Bandscheibe als Amboss zwischen beiden Knochenteilen.

Müller in Lüneburg hat das erkannt und durch die transversale Vertebralverblockung einen Weg geschaffen, der tatsächlich zur Beruhigung der Wackelzone beiträgt. Dagegen hat Schrader in Hamburg die longitudinale Vertebralverblockung angeregt, wobei keine starre Verbindung gewünscht ist, sondern die transversale Wackelei durch einen an den Dornfortsätzen befestigten Rundstahl aufgehoben wird.

Ergänzend empfiehlt er die Perkutane transiliale Lasernukleotomie (Zugriff auf den Kern der Bandscheibe von lateral – von der Seite) und/oder die Vertikale Perkutane Lasernukleotomie von dorsal (von oben).

Diese letztgenannte Idee stammt, man muss es fairerweise sagen, von unserem Nachbarkollegen Jürgen Schneider in Hamburg, der gute Erfahrungen mit der Injektion von Dexamethason in die Bandscheibe hat. Man muss da erst mal draufkommen … Wir halten den Angriff auf die Bandscheibe vermittels Laser jedoch für nachhaltiger, denn es kommt zu einer dauerhaften Zusammenziehung / Vernarbung des Bandscheibengewebes nach seiner Verdampfung.

Vielleicht fällt uns in den nächsten Jahren noch mehr zur Behandlung des Cauda equina Syndroms ein. Wir bleiben dran.

Dirk Schrader, Hamburg

Tierärztliches Institut
für angewandte Kleintiermedizin
Innovation und Kompetenz seit 1973
Das Tierhospital Hamburg

Rahlstedter Straße 156
22143 Hamburg
Tel.: 040-677 21 44

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(02.03.2011; 03:05 Uhr)

Kampfhunde kosten Hamburg 318.000 Euro

Dez 31st, 2010 | Eingestellt unter Autoren, Dirk Schrader

Steuerzahlerbund empört: Für jedes Tier mehr Geld als für Hartz-IV-Empfänger

Leserbrief und Kommentar zu „Kampfhunde kosten Hamburg 318.000 Euro“ (von Ulrich Gaßdorf) am 30.12.2010 im Hamburger Abendblatt:

www.abendblatt.de/hamburg/arti…

Sehr geehrter Herr Gaßdorf, liebes Hamburger Abendblatt,

„Kampfhunde“ haben es tatsächlich mal wieder geschafft, am 30. Dezember 2010 auf Ihrer Titelseite zu erscheinen.

Hierzu meine Gratulation! Denn trotz aller wissenschaftlichen Dauererklärungen der Veterinärmedizin und trotz des Appells der Hamburger Tierärztekammer zum Jahresende an die Hamburger Bürgerschaft, den Unfug der Rassendiskriminierung von Hundemischlingen zu beenden, sprechen Sie von „Kampfhunden“ (die den Steuerzahler viel Geld kosten).

Erinnern Sie sich noch an die „Harburger Hundehalle“, die den Steuerzahler jährlich eine ähnliche Summe kostete und deshalb – in die Süderstraße 399 – verlagert wurde? Erinnern Sie sich noch an den Herrn Wolfgang Poggendorf und die Wissenschaftlerin Dr. Dorit Feddersen-Petersen aus Kiel?

Erinnern Sie sich auch an den CDU-Abgeordneten Fuchs?
Ich erinnere mich. Und ich wundere mich darüber, dass Sie tatsächlich das Wort „Kampfhunde“ gebrauchen. Sie wissen genau, dass dieser Begriff eine Blödsinnigkeit dokumentiert, die – ja klar – von Jauch bis Gassdorf – allein dazu dient, Einschaltquoten und Zeilenhonorare einzustreichen und Hetze zu betreiben, die im Kern rassistisch und zutiefst undemokratisch ist.

Wenn Sie im Hamburger Abendblatt die in der Süderstraße in Hamburg-Horn eingesperrten Hundemischlinge als „Kampfhunde“ bezeichnen – soll ich Sie öffentlich als einen dümmlichen Zeilenhonorarjäger und das Hamburger Abendblatt als ein faschistoides Scheißblatt bezeichnen?

So weit wollen wir es doch nicht kommen lassen. Und deshalb bitte ich Sie: Sprechen Sie in Ihrer Redaktion nicht von „Kampfhunden“, wenn Sie die beschlagnahmten unglücklichen Kreaturen in den Käfigen des „Tierheims“ in der Süderstraße 399 meinen. Senden Sie Ihre Botschaft an die vielen Mitglieder der Hamburger Bürgerschaft und fordern Sie sie auf, die Rassendiskriminierung im Hamburger Hundegesetz s o f o r t zu beenden.

Dann kostet es den Hamburger Steuerzahler – nix mehr.

Mit den besten Wünschen für ein besseres 2011!

Ihr treuer Hamburger Abendblattleser Dirk Schrader, Tierarzt in Hamburch-Rahlbüddl.

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Anm. der fellbeißer-Red.:

Siehe dazu auch:

Diskussion: Sind 318.000 Euro für Hamburgs Kampfhunde angemessen?

www.fellbeisser.net/news/disku…

Zeitung: Kampfhunde kosten Hamburg 318.000 Euro im Jahr

www.ad-hoc-news.de/zeitung-kam…

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(31.12.2010; 21:30 Uhr)

Tierversuche: „Kriminelle Idiotie“

Dez 30th, 2010 | Eingestellt unter Autoren, Dr. Helmut F. Kaplan, Exklusiv
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Interview mit Helmut F. Kaplan

Hinweis: Dieses Interview sollte ursprünglich als TV-Aufzeichnung für Alpenparlament.TV (www.alpenparlament.tv) realisiert werden. Da das Gespräch aus organisatorischen Gründen nicht zustande kam, wurden die Fragen schriftlich beantwortet.

Herr Dr. Kaplan, wann haben Sie begonnen, sich mit dem Thema Tierrechte bzw. Tierethik zu befassen und warum?

Das war auf alle Fälle vor 1963, in diesem Jahr wurde ich nämlich aus ethischen Gründen Vegetarier. Mich verstörten die toten Tiere, die ich in den Geschäften und beim Transport dorthin öfter sah. Ich hatte das immer stärker werdende Gefühl: Hier läuft irgendetwas fürchterlich falsch.

Was bedeutet denn Ethik eigentlich und warum werden Tiere anscheinend aus der Ethik ausgeschlossen?

Während Moral die Richtlinien einer Person oder Gruppe bezeichnet, versteht man unter Ethik die kritische, rationale Auseinandersetzung mit Moral. Tiere kommen in ethischen Überlegungen durchaus seit langem vor, etwa bei Pythagoras, Bentham oder Schweitzer. Eine Tierethik im Sinne explizit rationaler Ansätze, in denen Tiere eine zentrale Rolle spielen, gibt es allerdings erst im 20. Jahrhundert: seit Peter Singers Buch „Animal Liberation“. Als Ursachen für diese lange „Anlaufzeit“ sehe ich zweierlei: Erstens die jahrtausendelange Vermischung von Philosophie, Religion und dem, was heute unter dem Terminus „Esoterik“ läuft. Zweitens, daß den Menschen erst jetzt langsam bewußt wird, was Darwin vor 150 Jahren erkannte: daß Menschen und Tiere das Produkt EINER Evolution sind und die ethische Relevanz der Tiere daher entspechend groß ist bzw. sein sollte.

In vielen Ländern, darunter Österreich, Deutschland und der Schweiz, gibt es Tierschutzgesetze. Was darin geschrieben steht, nämlich das Verbot, Tieren Leid oder Schmerz zuzufügen, geschweige denn sie zu töten, deckt sich mit ethischen Bestrebungen. Allerdings gibt es eine Ausnahmeregelung die eine Tiertötung aus vernünftigem Grund erlaubt. Welchen Sinn haben da Tierschutzgesetze?

Offensichtlich kaum einen: Es gibt, insbesondere bei Tierversuchen, nämlich de facto keine Grausamkeit, die Tieren NICHT zugefügt würde – trotz Tierschutzgesetzen!

Wo liegt der Unterschied zwischen Tierschutz und Tierrecht?

Tierschützer halten die Nutzung von Tieren für menschliche Zwecke für grundsätzlich legitim, plädieren jedoch für einen möglichst „humanen“ Umgang mit Tieren. Tierrechtler verurteilen hingegen die Nutzung von Tieren für menschliche Zwecke grundsätzlich. Um den Unterschied am Beispiel Fleischessen zu veranschaulichen: Tierschützer propagieren eine „humane“ Fleischproduktion, Tierrechtler lehnen Aufzucht und Tötung von Tieren für menschliche Ernährungszwecke grundsätzlich ab.

Seit wann gibt es einen solch „schäbigen“ Umgang mit Tieren? Wie ist es dazu gekommen, daß Tiere „nichts wert“ sind?

Diesen „schäbigen“ Umgang mit Tieren gibt es wohl seit jeher. Denn grausam waren die Menschen ja zu allen Zeiten auch UNTEREINANDER, man denke nur an Sklaverei, Gladiatorenkämpfe usw.! Und die „moralischen Leitplanken“, die gegen die diversen menschlichen Bösartigkeiten errichtet wurden, dienten fast ausschließlich der Eindämmung der Grausamkeit gegenüber den Mitmenschen.

Wie rechtfertigt man Grausamkeiten und Leid, die mit Tierversuchen in Zusammenhang stehen?

Gute Frage! Ein Beispiel: Beim UTILITARISMUS geht es darum, die Interessen aller Betroffenen zu maximieren: Richtig ist jene Handlung, die für alle am meisten Glück bzw. am wenigsten Leiden bringt. Es geht also ums Allgemeinwohl. Beim RECHTE-Ansatz geht es hingegen darum, die Ansprüche von Individuen genau vor solchen Interessenmaximierungen im Sinne des Allgemeinwohls zu schützen. Im Konfliktfall zwischen Allgemeinwohl und Individualrechten fungieren die Individualrechte quasi als Trumpfkarte. MENSCHENVERSUCHE sind nun verboten, weil Menschen solche Individualrechte hätten, die das Allgemeinwohl „ausstechen“. TIERVERSUCHE werden hingegen unter Hinweis auf das Allgemeinwohl gerechtfertigt! Also: Individualrechte für Menschen, Utilitarismus für Tiere. Für dieses willkürliche Messen mit zweierlei Maß gibt es keinerlei ethische Rechtfertigung.

Warum?

Unter anderem, weil kein moralisch relevantes Merkmal – etwa Bewußtsein, Selbstbewußtein, Rationalität, Autonomie – entlang des Speziesgrenze Menschen – Tiere verläuft. Mehr noch: Es gibt Menschen, z.B. viele Senile und Demente und alle kleinen Kinder, bei denen diese Merkmale WENIGER ausgeprägt sind als bei vielen Tieren.

Sollte man Tierversuche also sofort verbieten?

Ja, das sieht man auch schnell, wenn wir auch Tierversuche zunächst einmal so betrachten, wie wir auch alle anderen moralischen Fragen zunächst einmal betrachten: nicht aufgrund irgendwelcher komplexer Theorien, sondern aufgrund einfacher moralischer Prinzipien oder Intuitionen. Dann erkennen wir: Es kann nicht richtig sein, jemanden zu etwas zu zwingen, das er überhaupt nicht will, das ihm fürchterlich weh tut und das ihn objektiv schädigt – nur weil er sich nicht wehren kann! Oder: Stellen Sie sich vor, uns überlegene Außerdische kommen auf die Welt und machen mit uns, was wir mit Tieren machen. Würden wir das als moralisch gerechtfertigt betrachten?

Haben Tiere ein Seelenleben?

Selbstverständlich! Das Leben hat sich kontinuierlich entwickelt und die Merkmale der Lebewesen variieren kontinuierlich. Deshalb sind auch die üblichen Alles-oder-nichts-Zuschreibungen der Art, nur Menschen hätten diese oder jene Fähigkeiten, in aller Regel unsinnig. Das gilt auch für das Seelenleben. Darwin sagte: „Wie groß auch der Unterschied zwischen den Seelen der Menschen und der höheren Tiere sein mag, er ist doch nur ein gradueller und kein prinzipieller.“ Und Konrad Lorenz meinte zu Recht, daß Menschen, die NICHT davon überzeugt seien, daß höhere Tiere ähnlich wie wir erleben, in die psychiatrische Klinik gehörten, weil eine Schwäche der Du-Evidenz sie zu „gemeingefährlichen Monstern“ mache.

Kann man auf Grund der Behandlung von Tieren Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschen schließen, bzw. wie er mit anderen Lebewesen, so auch mit seinen Mitmenschen, umgeht?

Es gibt eine Reihe von bekannten Aussagen, die einen solchen Zusammenhang behaupten. „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt“, sagte Gandhi. Und Tolstoi: „Solange es Schlachthäuser gibt, so lange wird es Schlachtfelder geben.“ Viele empirische Daten, insbesondere der Kriminalpsychologie, belegen einen solchen Zusammenhang. Allerdings gibt es auch „gegenläufige“ Phänomene, etwa Tierexperimentatoren und andere Tierquäler, die nicht nur liebevolle Väter sind, sondern sich auch für fremde Menschen engagieren. Eine Erklärung hierfür könnte sein: Aufgrund der jahrtausendelangen abendländischen speziesistischen Tradition werden Tiere in hohem Maße als moralisch weniger wichtig betrachtet. Und diese Minderbewertung wirkt sich wohl auch auf unser Mitleid aus: Wenn Tiere moralisch weniger wichtig sind, dann ist auch ihr Leiden nicht so wichtig und unser Mitleid weniger berechtigt, weniger „notwendig“. Diese diffuse mitleidmindernde Wirkung diffuser weltanschaulicher bzw. religiöser Vorstellungen ist umso stärker, als die moralische Minderbewertung von Tieren ja traditionell „garniert“ wird mit faktischen Fehlinformationen über das Leiden und die Leidensfähigkeit von Tieren.

Es gibt die Bezeichnung: „humaner Umgang“ mit Tieren. Der Begriff bedeutet u.a. friedfertig, gut, sozial, etc. Auf der anderen Seite ist der Mensch das einzige Lebewesen, das so viel Leid hervorruft.

Daß â€žhuman“ sowohl „menschlich“ als auch „mitfühlend“ bedeutet, ist in der Tat unfreiwillig komisch – oder zynisch.

Warum ist es beim Tierschutz wichtig, Tiere in Bezug zum Menschen zu stellen? Ist der Mensch nur mitfühlend, wenn man die Parallelen eines Tieres zum Menschen herausarbeitet?

Der Nachweis der Ähnlichkeit mit uns ist in der Tat so ziemlich die einzige Methode, um Menschen dazu zu bringen, Tiere einigermaßen ordentlich zu behandeln. Nur einen Maßstab zu kennen und sich obendrein selbst zum Maßstab zu machen, ist natürlich ein intellektuelles Armutszeugnis. Zumal uns viele Tiere im Hinblick auf viele Merkmale ja weit übertreffen.

Was ist Ihrer Ansicht nach ein tiergerechtes Leben? Können die Menschen mit Ihrer Lebensweise, Städte etc., Tieren überhaupt ein tiergerechtes Leben bieten?

Da muß man differenzieren: Einer Katze kann man gewiß in einer Stadtwohnung ein tiergerechtes Leben bieten, einer großen Schlange eher nicht. Entscheidend ist , daß man sich über die Bedürfnisse der betreffenden Tiere informiert und dann IN IHREM SINNE entscheidet.

Welche Rechte sollte man Tieren geben, welche Gesetze erlassen?

Im Sammelband “Menschenrechte für die Großen Menschenaffen” fordern Paola Cavalieri und Peter Singer das Recht auf Leben, das Recht auf Freiheit und den Schutz vor Folter. Das ist, denke ich, eine gute Orientierung. Grundsätzlich sollte bei der Konkretisierung im Hinblick auf bestimmte Spezies dann einfach gelten: Alle Tiere sollten so leben können, wie es den Interessen, die sie haben, entspricht. Dementsprechend sollten dann die Gesetze formuliert werden.

Eine weitere Schwierigkeit beim Thema Tierversuche ist, daß das Recht auf Forschungsfreiheit und das Tierschutzgesetz aufeinander treffen.

Die Sache ist glasklar: So wenig Menschenrechte und Forschungsfreiheit an Menschen zusammenpassen, so wenig passen Tierrechte und Forschungsfreiheit an Tieren zusammen. Diese Kombination ist eine kriminelle Idiotie. Tiere müssen als Forschungsobjekte genauso tabu sein wie Menschen.

Aber welche Alternativen gibt es zu Tierversuchen?

Bei dieser Frage geistert die These durch die Köpfe, es müßten auf alle Fälle alle für den Menschen möglichen Vorteile gefunden und genutzt werden. Daraus resultiert die völlig falsche Fragestellung: Wieviel Gesundheit können wir MAXIMAL erzeugen? Die richtige Frage lautet aber: Wieviel Gesundheit können wir AUF ETHISCH ZULÄSSIGE WEISE erzeugen?

Wie gehen die Medien mit dem Thema Tierversuche um?

Da ist eine interessante Entwicklung zu beobachten. Die Fleischindustrie wirbt immer offener, ja „mutiger“ für ihre Produkte: Dem Konsumenten ist völlig klar, daß er einst lebende Tiere ißt, denn gerade damit wird geworben: angeblich artgerechte Aufzucht, kurze Transportwege usw. Die Tierversuchsindustrie agiert hingegen immer verschlossener. Beide Strategien spiegeln sich in den Medien wider.

Wie steht die Öffentlichkeit dem gegenüber?

Sie agiert so, wie es die Medien vorgeben: Über Fleischessen wird geredet, über Tierversuche wird geschwiegen. Einen eindruckvollen Beleg für die Dominanz der Medien lieferte der Bestseller „Tiere essen“: Dieses Buch löste – via Werbung – eine absolut artifizielle Debatte über das Fleischessen aus, der keinerlei echter Diskussionsbedarf in der Bevölkerung entsprach. Dementsprechend essen die Leute genauso weiter wie bisher.

Ist es möglich, sich über Tierversuche zu informieren?

Ja, zum Beispiel bei www.datenbank-tierversuche.de. Da können Sie genau nachsehen, wo wer wann welche Tiere wie foltert.

Was kann jeder einzelne tun?

Zuerst sollte man sich über die grundlegenden Zusammenhänge klar werden. Zum Beispiel darüber, daß Fleischessen und Tierversuche Manifestationen EINES UNGEISTS sind, nämlich der Mißachtung von Tierrechten. Wer dies erkennt, wird diverse Verharmlosungs- und Verschleierungsversuche im Hinblick auf bestimmte Tierrechtsverletzungen eher erkennen. Etwa, daß das Essen von Fleisch in Ordnung sei, wenn es „bio“ ist oder daß Tierversuche zulässig seien, wenn sie „notwendig“ sind.

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Helmut Kaplan (30.12.2010; 15:35 Uhr)

Mir sind die Tiere lieber als die Menschen

Dez 5th, 2010 | Eingestellt unter Autoren, Dr. Helmut F. Kaplan
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Helmut F. Kaplan

Bei vielen Berufen gibt es Dinge, die man auf keinen Fall sagen darf, Aussagen, mit denen man sich quasi das eigene Grab schaufelt. Etwa, wenn ein Poltiker sagt, daß er seine Wähler für Idioten hält oder ein Arzt bekennt, daß ihm die Gesundheit seiner Patienten egal ist. Beim „Beruf“ Tierschützer oder Tierrechtler besteht diese „Todsünde“ im Bekenntnis: Mir sind die Tiere lieber als die Menschen. Im folgenden möchte ich zeigen, daß diese Aussage durchaus sachlich berechtigt sein kann – ganz abgesehen davon, daß jeder, sollte man meinen, sympathisch finden darf, wen er will.

Die übliche allgemeine und automatische Empörung über die Aussage, daß einem Tiere lieber als Menschen seien, ist sachlich schon deshalb unsinnig, weil es ja durchaus so sein könnte, daß der „Bekanntenkreis“ des Betreffenden eben aus „besonders sympathischen Tieren“ und „besonders unsympathischen Menschen“ besteht – kein Mensch kennt schließlich alle Tiere und alle Menschen. Freilich hat die hysterische allgemeine Empörung über jemandes Aussage, ihm seien die Tiere lieber als die Menschen, schon ihre Berechtigung. Es wird nämlich als ganz selbstverständlich unterstellt, daß JEDER MENSCH moralisch wertvoller sei als JEDES TIER, daß auch der „schlechteste Mensch“ noch viel wertvoller sei als das „beste Tier“.

Nun sollte es bei so starken Behauptungen schon erlaubt sein, nach Gründen zu fragen. Wer dies allerdings hier tut, wird feststellen, daß man Begründungen in dieser Frage nicht nur für unnötig hält, sondern schon das bloße Fragen nach Gründen als quasi unsittlich betrachtet. Mehr noch: Nach Gründen für die menschliche Höherwertigkeit zu fragen, wird geradezu als gefährlicher Angriff auf die Gesellschaft angesehen – oder als Zeichen völliger geistiger Verwirrtheit.

Läßt man sich gnadenhalber und widerwillig dann doch zu Begründungen herbei, bestehen diese meist aus Verweisen auf dubiose Glaubenssätze wie etwa die von der Gottesebenbildlichkeit oder unsterblichen Seele des Menschen. Daß SOLCHE Begründungen außerhalb kirchlicher Räume in pluralistischen, säkularen Gesellschaften kein Gewicht haben, sollte nicht weiter erläutert werden müssen.

Betrachten wir schließlich mögliche faktische Gründe für die allgemeine moralische Höherwertigkeit des Menschen, kommen wir rasch zum Ergebnis: Es gibt keine. Denn kein Merkmal, das von irgendjemandem als moralisch relevant angesehen wird – etwa Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Rationalität oder Autonomie -, verläuft entlang der Speziesgrenze Menschen – Tiere. Mehr noch: Bei vielen Menschen sind diese Merkmale SCHWÄCHER ausgeprägt als bei vielen Tieren, viele geistig behinderte oder senile Menschen und alle kleinen Kinder befinden sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau als viele Tiere.

Abgesehen davon, daß man, wie gesagt, eigentlich lieber mögen dürfen sollte, wen man will und warum man will, kann es also durchaus auch sachliche, „objektive“ Gründe für das Liebermögen von Tieren geben. Etwa, wenn man einen intelligenten, unternehmungslustigen, treuen Hund lieber mag als einen völlig apathischen vor sich hindämmernden Senilen.

Schließlich werden selbst eingefleischte Menschen-Fans einräumen, daß es auch viele üble Vertreter ihrer Spezies gibt. Ganz abgesehen von Hitler, Stalin & Co kennt jeder aus eigener Erfahrung Zeitgenossen, die er weniger mag – und bei denen es dafür gute Gründe gibt. Müssen uns wirklich alle Egoisten, Lügner, Verräter und Verbrecher lieber sein als jedes Tier?

„Aber Menschen sind moralfähig, sie können zwischen Gut und Böse unterscheiden!“ Erstens ist auch die Moralfähigkeit kein Merkmal, daß nur bei Menschen (geschweige denn bei allen) und bei keinen Tieren anzutreffen wäre. Zweitens gibt es Menschen, bei denen die Moralfähigkeit weniger ausgeprägt ist als bei manchen Tieren. Und drittens ist die bloße Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, ja noch kein Verdienst. Verdient macht sich jemand erst, wenn er diese Fähigkeit auch positiv nützt, sprich: sich für das Gute entscheidet. Andererseits beinhaltet die Moralfähigkeit die Gefahr, moralisch zu scheitern, sprich: sich für das Böse zu entscheiden.

Nun ist es wohl nicht völlig unsinnig oder unverständlich, wenn einem jemand, der sich jenseits der Kategorien Gut und Böse befindet, lieber ist als jemand, der zwischen Gut und Böse wählen kann, sich aber für das Böse entscheidet. Daß letzteres beim Menschen keine Seltenheit ist, wird niemand bei Sinnen bezweifeln.

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Neues Buch: “Ich esse meine Freunde nicht”

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Helmut Kaplan (05.12.2010; 16:31 Uhr)

Warum Mitleid keine Grenzen haben darf

Nov 27th, 2010 | Eingestellt unter Autoren, Ingolf Bossenz
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Ingolf Bossenz

Über die Dialektik der alltäglichen Gewalt gegen Tiere und Menschen

»Man darf sich darüber wundern«, konstatierte der Wiener Schriftsteller und Religionswissenschaftler Adolf Holl, »dass die modernen Gesellschaftswissenschaften mit Vorliebe die Erforschung des Bösen betreiben. Das Gute scheint sie kaum zu interessieren.« Das Zitat stammt aus Holls Buch »Mitleid – Plädoyer für ein unzeitgemäßes Gefühl« …

Astrid Kaplan: Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben. Von der Notwendigkeit eines Quantensprungs des Mitgefühls. Trafo Verlag. 283 S., br., 29,80 €

Neues Deutschland – 27.11.2010‎

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Teuflische Schöpfung und menschliche Verantwortung

Nov 19th, 2010 | Eingestellt unter Autoren, Dr. Helmut F. Kaplan
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Helmut F. Kaplan

Anschaulich und dramatisch wie vielleicht sonst niemand beschreibt Arthur Schopenhauer die Leidensbestimmtheit und Leidensdurchdrungenheit des Lebens. Grundlage der folgenden Darstellung sind die Kapitel 46 und 49 der „Ergänzungen zum dritten Buch“ von Schopenhauers „Welt als Wille und Vorstellung“, zweiter Band, zweiter Teilband:*

Jeder befriedigte Wunsch gebiert einen neuen und keine mögliche Befriedigung kann unser Verlangen je wirklich stillen. Das Leben ist ein fortgesetzter Betrug, im Großen wie im Kleinen: Was es verspricht, hält es nicht, „es sei denn, um zu zeigen, wie wenig wünschenswerth das Gewünschte war.“ (S. 671) So täuscht uns einmal die Hoffnung, dann wieder das Gehoffte.

„Die Belehrung, welche Jedem sein Leben giebt, besteht im Ganzen darin, daß die Gegenstände seiner Wünsche beständig täuschen, wanken und fallen, sonach mehr Quaal als Freude bringen, bis endlich sogar der ganze Grund und Boden, auf dem sie sämmtlich stehn, einstürzt, indem sein Leben selbst vernichtet wird und er so die letzte Bekräftigung erhält, daß all sein Streben und Wollen eine Verkehrtheit, ein Irrweg war.“ (S. 672)

Da unser Leben etwas ist, das besser nicht wäre, „trägt Alles, was uns umgiebt, die Spur hievon – gleich wie in der Hölle Alles nach Schwefel riecht“ (S. 675): Alles ist unvollkommen und trügerisch, alles Angenehme mit Unangenehmem versetzt, jeder Genuß ist immer nur ein halber, jedes Vergnügen enthält seine eigene Störung, die Stufe, auf die wir treten, bricht oft unter uns und wir müssen erkennen, daß â€žUnfälle, große und kleine, das Element unsers Lebens sind“. (S. 676)

Das Leben ist also ein einziges Verlustgeschäft – was wir freilich erst spät, wenn überhaupt, bemerken. Hätten wir die Möglichkeit, eine freie und informierte Entscheidung zu treffen, würden wir erst gar nicht geboren werden wollen: „Da wird denn das Leben für ein Geschenk ausgegeben, während am Tage liegt, daß Jeder, wenn er zum voraus das Geschenk hätte besehn und prüfen dürfen, sich dafür bedankt haben würde.“ (S. 678)
Die Welt ist ein „Tummelplatz gequälter und geängstigter Wesen, welche nur dadurch bestehn, daß eines das andere verzehrt, wo daher jedes reißende Thier das lebendige Grab tausend anderer“ (S. 680) ist. Kehrseite der Selbsterhaltung ist eine „Kette von Martertoden“ (ebenda) anderer. Und mit der Erkenntnisfähigkeit wächst auch das Schmerzempfinden, das daher beim Menschen am ausgeprägtesten ist und umso größer, je intelligenter jemand ist.

Diese Welt mit optimistischen Augen zu sehen, ist daher eine „schreiende Absurdität“. (Ebenda) Optimismus ist aber nicht nur unberechtigt, sondern auch schädlich, „denn er stellt uns das Leben als einen wünschenswerthen Zustand, und als Zweck desselben das Glück des Menschen dar.“ (S. 684) Folgerichtig halten wir es dann für eine Ungerechtigkeit, wenn sich dieses Glück nicht einstellt, wir glauben, den Zweck des Daseins zu verfehlen, wenn wir nicht glücklich sind. Dabei wäre es „viel richtiger …, Arbeit, Entbehrung, Noth und Leiden, gekrönt durch den Tod, als Zweck unsers Lebens zu betrachten“. (Ebenda)

Der Glaube, daß wir auf Erden seien, um glücklich zu sein, ist unser Grundirrtum. Und so lange wir in diesem Irrtum verharren, erscheint uns die Welt voller Widersprüche. „Denn bei jedem Schritt, im Großen wie im Kleinen, müssen wir erfahren, daß die Welt und das Leben durchaus nicht darauf eingerichtet sind, ein glückliches Daseyn zu enthalten.“ (S. 743) Haben wir diesen Grundirrtum erst einmal erkannt, sehen wir die Welt in völlig anderem Lichte und werden uns über „Unfälle, jeder Art und Größe“ (S. 745) nicht mehr wundern.

Eigentlicher Zweck des Lebens ist das Sterben: Der Tod ist das Ergebnis des Lebens, „die zusammengezogene Summe, welche die gesammte Belehrung, die das Leben vereinzelt und stückweise gab, mit Einem Male ausspricht, nämlich …, daß das ganze Streben … ein vergebliches, eiteles, sich widersprechendes war, von welchem zurückgekommen zu seyn eine Erlösung ist.“ (S. 747) Indem der Tod alles, was wir gewollt haben, mit einem Schlag zerstört, setzt er der Belehrung, die das Leben schrittweise gab, die Krone auf.

Diese traurigen und tragischen Zusammenhänge zu erkennen, ist, da in hohem Maße vernunftbedingt, nur dem Menschen, nicht dem Tiere, möglich – natürlich nicht jedem, aber zumindest prinzipiell. Nur der Mensch kann „den Becher des Todes“ (ebenda) wirklich leeren, die Menschheit ist „die alleinige Stufe, auf welcher der Wille sich verneinen und vom Leben ganz abwenden kann“. (Ebenda) Und dies – die Verneinung Willens (gemeint ist das ruhelose Begehren, das, was Freud später „Trieb“ nannte) und das Sich-Abwenden vom Leben – ist auch das anzustrebende Ziel.

Soweit Schopenhauers Darstellung der Leidensbestimmtheit und Leidensdurchdrungenheit des Lebens. Dieser philosophischen Perspektive entspricht nebenbei bemerkt die biologische Tatsache, daß die ganze Evolution nicht zuletzt ein gigantischer Leidensgenerator ist: Für alles bewußte Leben bedeutet der dauernde evolutionäre Wettbewerb, das ständige Kräftemessen, Siegen, Verlieren und Sterben unablässiges und kolossales Leiden.

Auch wer Schopenhauers „Pessimismus“ nun für übertrieben hält und seine metaphysischen Annahmen nicht teilen mag, wird ehrlicherweise einräumen: Hier haben wir es mit einer grandiosen und vor allem mit einer zutreffenden Beschreibung der Grundverfaßtheit des Lebens zu tun. Um es mit Freud zu sagen: Das Programm des Lustprinzips scheint „im Hader mit der ganzen Welt“ zu sein. Zwischen dem, was wir uns wünschen, und dem, was wir dann bekommen, besteht eine oft große und nicht selten eine grausame Differenz.

Und das nicht nur bei den großen Dingen – Liebe des Lebens, Ziele des Lebens usw. -, sondern auch bei den alltäglichen und täglichen: Wir können (soferne wir glücklicherweise nicht in Hungerregionen zu leben) nicht essen, was wir wollen, weil wir zu dick würden, wir können nicht rauchen und trinken, was wir wollen, weil wir krank würden, wir kriegen nicht den Sex, den wir wollen, und so weiter und so fort. Tiere erleben diese dauernde Differenz zwischen dem, was sie wollen, und dem, was sie bekommen, in gewisser Weise noch viel schlimmer, dramatischer und elementarer: weil sie ihren Trieben und Bedürfnissen noch viel stärker und unmittelbarer ausgeliefert sind als wir Menschen.

Unabhängig von Schopenhauers „Pessimismus“ und Metaphysik wird man ihm aber nicht nur im Hinblick auf die Leidensbestimmtheit des Lebens zustimmen, sondern, so ergeht es jedenfalls mir, auch im Hinblick auf die Konsequenzen: In der Ethik geht es vor allem darum, selbst kein Leiden zu verursachen und Leiden zu lindern und zu verhindern, wo wir können.

Damit sind wir bei einem entscheidenden Punkt für die Tierrechtsbewegung: Deren Programm und Zielsetzung, tierliches Leiden lindern und verhindern, erweisen sich als noch viel größere und grundsätzlichere Aufgabe als vermutet. Denn es geht keineswegs nur um menschenverursachtes tierliches Leiden, sondern um tierliches Leiden überhaupt. Selbst wenn wir Menschen den Tieren gar kein Leiden verursachen würden, hätten wir viel zu tun. Zur Aufgabe einer fundamental verstandenen Tierrechtsbewegung gehört es nämlich auch, die skandalös schlecht organisierte Schöpfung so weit wie möglich und so wirksam wie möglich zu sabotieren – indem wir Leiden lindern und verhindern, wo wir können, einer völlig fehlgeschlagenen Schöpfung den Krieg erklären, dem Teufel ins Handwerk pfuschen, ihm so viele Opfer wie möglich entreißen.

Tieren diese Hilfe angedeihen zu lassen, ist umso wichtiger, als sie selber keinerlei Chance haben, das teuflische System, in dem sie gefangen sind, zu erkennen, geschweige denn, sich von ihm zu lösen. Sie sind dem diabolischen Leidenserzeugungssystem Leben hilflos ausgeliefert. Daß wir Menschen auf die „natürliche Hölle“ noch eine „künstliche“ in Form von Tierfabriken, Versuchslabors usw. draufgesetzt haben, macht unsere moralische Verantwortung umso größer.

*Arthur Schopenhauer: Zürcher Ausgabe. Werke in zehn Bänden. Zürich: Diogenes, 1977. Band IV.

© Helmut F. Kaplan

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Helmut Kaplan (19.11.2010; 11:42 Uhr)

„Wir brauchen keine neue Moral“

Nov 14th, 2010 | Eingestellt unter Autoren, Dr. Helmut F. Kaplan
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Ein Interview mit Helmut F. Kaplan

Helmut F. Kaplan ist ein renommierter Tierethiker und zählt zu den Pionieren der Tierrechtsbewegung. Das folgende Interview wurde von Ramazan Boztepe von der Animal Protection Academy www.animal-protection-academy-… geführt. Eine türkische Übersetzung ist in Vorbereitung …

Direktlink zum Interview:

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der „fellbeißer“ (14.11.2010)
www.fellbeisser.net/news/

Diagnostik der Wirbelsäulenerkrankungen bei Hunden und Katzen

Nov 6th, 2010 | Eingestellt unter Autoren, Dirk Schrader
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Früherkennung und sinnvolle Therapie

Der Besitzer nimmt es nicht sofort wahr: Das mühseliger werdende Aufstehen des Hundes, wenn „Gassi“ angesagt ist, die dünner werdenden Oberschenkel – meist bei deutlicher Gewichtzunahme des Körpers. Aber gelegentliche Schmerzäußerungen machen ihn schon nachdenklich. Bei Katzen ist es noch schwieriger, eine Rückenerkrankung in den Anfängen zu erahnen: Das merkwürdig verfilzte Fell auf dem Rücken, die Abwehr beim Hochheben – der Katzenhalter ist lange ratlos, hat er doch schon mal eine Röntgenaufnahme seiner Katze anfertigen lassen, auf der „nichts“ zu sehen war.

In der Tat: Röntgenbilder sind bestens ungeeignet, Erkrankungen der Wirbelsäule in ihren Anfängen festzustellen. Natürlich: Hurra – oft wird zu einer CT geraten – die kostet aber richtig Geld – und hat neben dem zahlreichen Nichterkennbaren auch eine unappetitliche Strahlenbelastung für den Organismus. MRT? Sauteuer. Ja – und dann?

Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass die vernünftigste diagnostische Methode bei dem Verdacht von Wirbelsäulenerkrankungen die Fluss-Myelographie ist: Dem in Kurznarkose auf dem Bauch liegenden Patienten wird ein Löffeltrokar in den Wirbelkanal geschoben. Man kann die Prozedur und die Genauigkeit auf dem Bildschirm des Röntgenscanners überwachen. Röntgenkontrastmittel wird über einen Verlängerungsschlauch aus einer Spritze in den Trokar gegeben und auf „Los“ kann man das Vorfluten des Kontrastmittels sehen und die Hürden und Blockaden, die es im Rückenkanal zu überwinden hat, wahrnehmen und entsprechende sichere Schlüsse für eine Therapie ziehen. Das Ganze findet sich auf einer CD wieder – für die Ewigkeit gebrannt.

Auf diese Weise sind Rückenmarkskompressionen schnell und sicher festzustellen. Das alte Lied des „Cauda-equina-Syndroms“, die Rückenmarkskompression im Bereich L7-S1, kann getrost in den Müll – wahrnehmbar ist es nun schon in seinen Anfängen und nicht erst dann, wenn der Hund inkontinent ist oder „nicht mehr hoch kommt.“

Erkennbar sind die so genannten Risikobandscheiben, also jene, die zum Aufquellen neigen und später der Grund für Lähmungen sind.

Tumore im Wirbelkanal stellen sich bei der Fluss-Myelographie erstaunlich exakt dar und man muss keine Ratespiele um die richtige tierärztliche Maßnahme inszenieren.

Die Fluss-Myelographie hat zudem den Vorteil, dass bei Bandscheibenaufquellungen durch eben jenen Löffeltrokar ein Katheter in den Wirbelkanal geschoben und wirksame Medikamente (Siehe Spinalkatheter-Therapie) eingeflutet werden können.

Risiko-Bandscheiben können zudem „gelasert“ werden. Sie quellen nicht mehr auf wenn der Bandscheibenkern verdampft worden ist – machen also nie mehr „Ärger“.

Die Prozedur des „Bandscheiben-Laserns“ ist denkbar einfach: Unter genauer radiologischer Kontrolle des Röntgenscanners wird eine Nadel von der Seite her in das untere Drittel der Bandscheibe „gepiekt“. Das Laser – Kabel wird durch diese Kanüle bis zum „Anschlag“ vorgeschoben und der Bandscheibenkern verdampft.

Und jetzt natürlich die obligate Frage: „Was kostet das?“

Rechnen Sie mit einer Kurznarkose unter vollständiger Überwachung und Steuerung bis zum Aufwachen im Wärmebett: netto 60 bis 90 €.

Netto-Kosten für Diagnostik und Therapie:

Flussmyelographie: 60 bis 160 €

Spinalkathetereinsatz: 48 €

Medikamente: 7,40 bis 36,70

Bandscheibenlasern: 25-45 € pro Bandscheibe

Dirk Schrader, Hamburg

Tierärztliches Institut
für angewandte Kleintiermedizin
Innovation und Kompetenz seit 1973
Das Tierhospital Hamburg

Rahlstedter Straße 156
22143 Hamburg
Tel.: 040-677 21 44
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(06.11.2010; 05:03 Uhr)

Die Sache mit der „Goldakupunktur“

Nov 2nd, 2010 | Eingestellt unter Autoren, Dirk Schrader
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In den vergangenen Jahren und bis heute anhaltend ist eine deutliche Zunahme der so genannten Goldakupunktur beim Hund und nun öfter auch bei der Katze festzustellen: Etliche tierärztliche Praxen übernahmen und übernehmen immer mehr die Methode nach Klitsgaard, bei schmerzhaften Entzündungen der Gelenke Goldstückchen zu injizieren, und – tatsächlich – viele Tierhalter berichten davon, dass es ihrem Hund nach einer „Goldakupunktur“ besser ging , was schlicht heißen soll: Er hat (wohl) weniger Schmerzen und „läuft besser“.

Im Zuge unseres Pain Research Programms, welches vor 8 Jahren begann mit der Absicht, herauszufinden, welche tierärztliche Methodik bei welchen schmerzhaften Erkrankungen am besten wirksam ist, konnten wir feststellen, dass der Einsatz von Goldstückchen bei chronischer Entzündung des Schultergelenks, des Ellenbogengelenks und teilweise auch des Hüftgelenks durchaus geeignet ist, Schmerzen des Patienten zu lindern – wenn – ja, wenn diese gut platziert worden waren – das heißt – dort hingebracht worden waren, wo sie auch eine Wirkung entfalten konnten: im Bereich des Kapselansatzes der Gelenke und in direktem Kontakt mit der Gelenkkapsel. Bekannt ist ja, dass Schmerzimpulse aus einem entzündeten Gelenk über die Gelenkkapsel in die Knochenhaut vermittels der sensiblen Fasern zum Zentralnervensystem fluten, wo sie wahrgenommen werden.

Wir haben Röntgenbilder gesehen, die offenbarten, dass „Goldakupunktur“ ein sehr schwieriges Unterfangen sein kann: die Goldstückchen waren dort zu sehen, wo es keine Gelenkkapsel gab – sie „schwirrten irgendwo herum“ – man konnte sie ja sehen, aber der Patient zeigte eine Schmerzhaftigkeit, die erbarmungswürdig war. Und die Besitzer hatten für diese „Therapie“ ein Vermögen ausgegeben.

Bis heute ist nicht richtig bekannt, was injizierte Goldstückchen eigentlich „machen“ und weshalb sie „wirken“ wenn sie „wirken“ und der Patient offensichtlich weniger Schmerzen hat. Des Rätsels Lösung ist jedoch die chemo-physikalische „Umleitung“ der Schmerzimpulse aus einem entzündeten Gelenk. Diese kommen offensichtlich nicht mehr vollständig im Zentralnervensystem an – jedenfalls dann nicht, wenn die Goldstückchen richtig platziert sind.

Festzustellen ist heute zum Ende des Jahres 2010, dass die so genannte Goldakupunktur – seriöserweise doch besser Goldimplantation genannt – durchaus einen Platz in der Schmerztherapie unserer Haustiere hat. Wir setzen Sie hauptsächlich ein bei Entzündungen der „Facetten“, d.h. der Seitengelenke der Wirbel, und bei chronischen Entzündungen der Ellenbogengelenke und der Schultergelenke. Inzwischen können wir auch gute Ergebnisse bei chronischen Kniegelenksentzündungen und Entzündungen der Sprunggelenke wahrnehmen.

Entscheidend war immer die richtige Platzierung der Goldstückchen, wobei eine ganz entscheidende Hilfe der Trokar ist, den wir auch bei der Spinalkathetertherapie verwenden. Es handelt sich um eine „dicke“ Nadel, die an ihrer Spitze eine Löffelfunktion hat, mit der man die Goldstückchen quasi „um die Ecke“ schieben also bestmöglich an die Gelenkkapsel anlagern kann. Denn genau darauf kommt es an. Stellen Sie sich einfach eine Pistole vor, deren Lauf geknickt ist, mit der man also „um die Ecke“ schießen kann. Die Goldstückchen müssen in ihrer ganzen Länge engsten Kontakt zur Gelenkkapsel haben.

Und natürlich ist die Goldimplantation besonders erfolgreich, wenn die Goldstückchen unter dem Röntgenscanner injiziert werden. Man kann dann genau sehen, wo und wie sie sich an die Gelenkkapsel anlagern.

Merkwürdig ist, dass Tierhalter immer wieder von Kosten für eine „Goldakupunktur“ berichten, die uns erschrecken. Das Gold, welches für eine Implantation genutzt wird, hat einen Materialwert von höchstens 9.- bis 12.- Euro. Das Einsetzen der Goldstückchen unter Narkose mittels Röntgenscanner dauert 15 bis 30 Minuten und kostet nicht mehr als 150 bis 200 Euro, manchmal auch nur 60 Euro.

Dirk Schrader, Hamburg

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(02.11.2010; 02:49 Uhr)

Ja wie denn nun – wie ernähre ich meinen Hund und meine Katze selbst?

Okt 30th, 2010 | Eingestellt unter Autoren, Dirk Schrader
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Merkwürdig – der österreichische Rundfunk bringt alle Augenblick eine Sendung über die Fatalität des industriellen Tierfutters und blendet dann meine Wenigkeit ein: Ich sage da: „Selber machen!“

Ja, nee – wie jetzt – ach so – gut, okay für alle, die eine Betriebsanleitung für ihren Hund haben wollen:

Das erste: man besorge sich eine Edelstahlschüssel für 6 bis 8 Liter Inhalt. Die Dinger sind in allen Haushaltswarenläden zu bekommen und recht preiswert. Das Kochen von 3 Pfund Kartoffeln ist nicht so einfach – man muss aufpassen, dass der Herd nicht hinterher „wie Sau“ aussieht. Wie lange kochen Kartoffeln? Nicht länger als 20 Minuten. Natürlich können Sie eine Prise Salz zugeben. Aber Sie sollen die Kartoffeln nicht salzen – maiiine Güde. Übertreibungen sind nie gut.

Gemüse? Wer auf dem Markt am Mittwoch oder am Samstag nicht eingekauft hat, geht in einen Lebensmittelladen und kauft dort mehrere große Dosen >Erbsen und Möhren, gekocht<. Die Dosen gibt’s auch sehr preiswert – 800 Gramm-Teile für 1,98 oder gar für 99 Cent im Angebot. Und - jetzt kommt’s: Das günstigste „Fleischangebot“ finden Sie in den unteren Regalen, so halb versteckt, damit es ja keiner kauft: Jola-Rindfleisch, gekocht im eigenen Saft, die 400 Gramm – Dose für 1,78 oder so. Sie nehmen mehrere Dosen mit nach Hause und öffnen eine 800 g Dose Erbsen-Möhren und zwei Dosen Rindfleisch im eigenen Saft – macht ebenfalls 2x 400 g = 800 g. Alles kommt in die große Edelstahlschüssel und wird mit den gekochten Kartoffeln vermengt – mit den Händen vermanscht. Also: Nahrung im Verhältnis 1:1:1 oder für Mathematiker 33 1/3 Prozent dreimal – jedenfalls so ungefähr.

Nun haben Sie die Grundausstattung: Dazu geben wir zum Bespiel 3 Esslöfel Leinöl, 3 Esslöffel von der feingeschroteten Mischung aus brauner Hirse, Sesam und keimfähigen Weizenkeimen – (man bekommt den ganzen Kram im Reformhaus und sollte sich gleichzeitig mal eine elektrische Kaffeemühle zulegen: 3 Esslöffel von der Mixtur da rein und rrrr-t, zack – haben Sie eine frische Kornmischung, die inhaltlich alle wichtigen Spurenelemente, Mineralien und Vitamine beinhaltet – besser geht nicht.

Wenn Sie Spass daran haben: auch alle Küchenkräuter, 2 Sorten Petersilie und Dill kleingehackt können darein und natürlich alle Sorten Gemüse, gekocht, feingeschnetzelt al dente, wenn Sie gerade mal wieder den Dosenöffner verlegt haben.

Ihr Hund und Ihre Katze warten schon: Sie nehmen eine Schöpfkelle und geben die Mischnahrung auf einen Teller (groß) für Hunde (klein) für Katzen und kleine Hunde. Der Rest wird portioniert und in Gefriertüten gegeben (zubinden). Ab damit in den Kühlschrank oder ins Gefrierfach.

Tjö – und was noch? Natürlich können Sie statt des Rindfleischs auch Fisch und Geflügel nehmen. Schweinefleisch übrigens auch, wenn es eben gekocht ist. (Dass Hunde und Katzen kein Schweinefleisch „dürfen“ – ist übrigens großer Quatsch). Rohes Schweinefleisch oder rohes Geflügelfleisch sollten Sie nicht verfüttern. Dahinter stecken Infektionsprobleme mit Keimen also Bakterien oder Viren, die es weder mit dem Hund oder der Katze gut meinen – noch mit dem Menschen. Aber – wenn Sie mal Eier gekocht haben und da steh’n noch welche im Kühlschrank – und es ist zufällig nicht Ostern – dann hau’n Sie die ruhig mit ´rein.

Alles klar jetzt?

Schöne Grüße aus Hamburch-Rahlbüddl,

Dirk Schrader, Hamburg

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(30.10.2010; 07:07 Uhr)