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Tierschutzbericht 2011: Ein Dokument des Versagens

Aug 24th, 2011 | Eingestellt unter Ulrich Dittmann

Der Tierschutzbericht der Bundesregierung von 2011

Der Bürger muss schwerstens beeindruckt sein, wie von unseren Politikern nicht nur Deutschlands Probleme, sondern fast alles Weltenelend geschultert und gemeistert wird. Komprimiert, die gebetsmühlenartig wiederholten wichtigsten Auslassungen repetierend, müsste man so glücklich konstatieren: Die Renten, die Atomkraft und der Euro sind sicher. Die Schuldenprobleme haben wir im Griff. Deutschland wird erfolgreich am Hindukusch verteidigt. Auch beim Tierschutz ist alles in bester Ordnung. Und die Erde ist eine Scheibe.

Doch ist das alles wirklich so? Oder wird das Volk schlicht verdummt? Und dies in gigantischen, kaum vorstellbaren Ausmaßen und auf vielen Gebieten?

Der Tierschutzbericht der Bundesregierung ist ein blumig artikuliertes Dokument des Versagens unserer Marionetten-Politiker, die am Nasenring der Global-Lobbyisten geführt, im Elfenbeinturm auf wohldotierten Sesseln in Berlin residieren. Nicht mehr und nicht weniger ist dazu festzuhalten.

Fakt: Seit Jahrzehnten werden Tierschützer von den Politikern der etablierten Parteien mit hohlen Worthülsen und wohlformuliertem beschwichtigenden Geschwätz eingelullt – und seit Jahrzehnten vergrößern sich Umfang und Intensität der Tierqual-Dimensionen, wie es sich Tierfreunde früherer Generationen nicht in ihren furchtbarsten Horrorträumen vorstellen konnten.

Ergänzend zu den aufgezählten traurigen Beispielen von Petra Kuppinger, Tierschutzpartei LV Rheinland-Pfalz, (siehe www.fellbeisser.net/news/leser… ist exemplarisch auf das Versagen unserer Bundespolitiker in der Sache „betäubungsloses Schächten von Tieren“ hinzuweisen: Seit Jahrzehnten liegt das hier zuständige “Bundesministerium für Ernährung, Landwirt und Verbraucherschutz“ in tiefem Schlaf, hat auf beschämende Art und Weise versäumt seine “Hausaufgaben” zu machen, sich zu bemühen gesetzliche Grundvoraussetzungen zu schaffen die unerträgliche Situation des obsoleten „Schächt“Paragraphen §4a Abs.2 Nr. 2 TSchG einer Novellierung zuzuführen. Im Gegenteil – seit 2007 (!) boykottiert und sabotiert unsere Regierung auf skandalöse Weise jegliche auch nur kleinste Verbesserung. Siehe hartnäckige Verweigerung die vom Bundesrat entsprechenden eingebrachten Gesetzesvorlagen, (zuletzt BT-Drs.17/226) umzusetzen. Die Unfähigkeit, das Nicht-Wollen unserer Bundespolitiker ist in gleichem Maße entsetzlich, wie die Qualen der vorsätzlich betäubungslos dahingemetzelten Tiere entsetzlich sind: Man behandelt das Thema Schächten wie einen kleinen tyrannischen, unantastbaren Hausgötzen den man nicht berühren darf.

Wann kapieren wir Tierschützer endlich: Nicht an würdevoll vorgetragenen Absichtserklärungen und selbstherrlichen Wahlversprechen, geschönten Berichten, oder offiziellen Dokumenten – ausschließlich am Praxisverhalten, dem Handeln und der Ist-Situation im Alltag ist die Wertigkeit unserer Politiker zu messen! Ausschließlich letztere Kriterien sind maßgeblich. Und hier hat sich in der Vergangenheit wahrlich keine der etablierten Parteien – die Mitwelt, den Natur- und Tierschutz betreffend – mit Ruhm bekleckert. Auch der gutgläubigste Natur- und Tierfreund muss doch endlich erkennen: Das von unseren Politikergrößen so hochgelobte “beste Tierschutzgesetz der Welt” ist im Alltagsgeschehen die Druckerschwärze nicht wert mit dem es gedruckt wurde. Es reguliert und legalisiert lediglich schlimmste Ausbeutung von Tieren. Von “Schutz” kann nicht die Rede sein, wie es die Namensgebung volksverdummend suggeriert. Auch dieser Tierschutzbericht der Bundesregierung bewegt sich auf dieser Ebene. Also nichts neues von unseren lieben “Volksvertretern”.

Ulrich Dittmann / 24.08.2011
Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.
E-Post:
Internet:
www.arbeitskreis-tierschutz.de
www.zwangsbejagung-ade.de

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Ulrich Dittmann Arbeitskreis Tierschutz (24.08.2011; 13:48 Uhr)

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 24.08.2011

Vegetarismusdebatte fördert Fleischkonsum

Jul 29th, 2011 | Eingestellt unter Autoren, Dr. Helmut F. Kaplan
www.tierrechte-kaplan.org

Helmut F. Kaplan

Man würde vermuten, die vorangegangene Vegetarismusdebatte, ausgelöst durch die Bücher „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer und „Anständig essen“ von Karen Duve, habe der Fleischindustrie arg zugesetzt. Das Gegenteil trifft zu: Diese Debatte war für die Fleischindustrie ein Glücksfall!

Warum? Erst ein Rückblick: Rinderwahn, Vogelgrippe, Schweinepest, Klimadiskussion, Dioxinskandal – all diese Ereignisse, Debatten und Skandale konnten dem Fleischkonsum letztlich nichts anhaben: Zuerst wich man, soferne bestimmte Tiere betroffen waren, auf andere, „unbelastete“ Tiere aus, wenig später war sowieso wieder alles vergessen. Faktische Diskussionen dieser Art, in denen es um Gesundheit und Ökologie geht, schaden der Fleischindustrie letztlich nicht.

Ebensowenig schaden ihr pseudoethische Diskussionen unter der Überschrift„Weniger Fleisch!“ Auf diese „Lösung“ laufen Vegetarismusdiskussionen unter Fleischessern naheliegenderweise maximal hinaus – womit wir bei der eingangs erwähnten Foer-Duve-Debatte sind. Die Forderung, weniger Fleisch zu essen, ist deshalb „harmlos“, weil sie keinen ethischen Gehalt und keine moralische Kraft besitzt. Das begreift man sofort, wenn man sie auf Menschen umlegt: Wer, anstatt zu sagen, Foltern und Vergewaltigen sind FALSCH, fordert, dass WENIGER gefoltert und vergewaltigt wird, dem fehlt jegliche moralische Legitimation und Überzeugungskraft.

„Weniger Fleisch!“ ist für die Fleischindustrie aber nicht nur „harmlos“, sondern ein großer Glücksfall. Denn dieser Slogan ist ein optimaler Aufhänger für Stichworte und Werbeaussagen, die das Fleischimage VERBESSERN: Wir müssen künftig KRITISCHER sein, BEWUßTER essen, weniger Fleisch, aber dafür BESSERES Fleisch essen, „BIOLOGISCHES“ Fleisch essen; so nützen wir der GESUNDHEIT, so schonen wir die UMWELT und so erweisen wir den Tieren den nötigen RESPEKT. Dieses allseits begrüßte und propagierte neue „kritische Bewusstsein“ läuft darauf hinaus, daß letztlich nicht weniger, sondern mehr Fleisch gegessen wird, vor allem aber, dass Fleisch (wieder) mit gutem Gewissen gegessen wird!

Eine Chance, den Fleischkonsum tatsächlich und nachhaltig zu senken, besteht nur, wenn die Menschen für die MORALISCHE Dimension des Fleischessens sensibilisiert werden. Also nicht: ZUVIEL Fleisch ist falsch (analog ZUVIEL Foltern ist falsch), sondern: Fleisch ist GRUNDSÄTZLICH falsch (analog Foltern ist GRUNDSÄTZLICH falsch). Deshalb sind plausible ethische Argumente, wie sie in meinem Buch „Ich esse meine Freunde nicht oder Warum unser Umgang mit Tieren falsch ist“ zu finden sind, so wichtig. Etwa:

Spezieszugehörigkeit an sich ist moralisch ebenso belanglos wie Rassen- oder Geschlechtszugehörigkeit. Oder: Gleiche Interessen sollen auch moralisch gleich zählen, etwa das tierliche Interesse, nicht zu leiden, und das menschliche Interesse, nicht zu leiden. Oder: Fleischessen bedeutet, alle tierlichen Interessen einem einzigen menschlichen Interesse zu opfern – dem nach einem kurzen Gaumenkitzel.

© Helmut F. Kaplan

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Helmut Kaplan (29.07.2011; 15:43 Uhr)

www.facebook.com/pages/Helmut-…

Neues Buch: “Ich esse meine Freunde nicht”

www.tierrechte-kaplan.org

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 29.07.2011

Orthopädische Erkrankungen des Hundes

Jul 23rd, 2011 | Eingestellt unter Autoren, Dirk Schrader

Ursachen und tierärztliche Maßnahmen

Von Dirk Schrader

Die Nachfrage tierärztlicher Hilfe bei Bewegungsstörungen der Hunde zeigt eine steile Kurve nach oben: sichtbar wurde dies schon vor 25 Jahren und fand ihren Ausdruck in neuen Kürzeln: z.B. HD, OCD, FPC, IPA. Die Veterinärmedizin hat sich darauf eingestellt. Es entstand die äußerst lukrative orthopädische Chirurgie, die allerdings die meisten Tierärztinnen und Tierärzte in ihrer Praxis überfordern musste. Man sah zwar eine Chance, viel viel Geld zu verdienen, jedoch mit der Routine musste es hapern: Operationen wurden massenhaft durchführt – mit schrecklichen Ergebnissen. So war die erfolgreiche orthopädische Chirurgie jahrzehntelang eine Domäne der tierärztlichen Bildungsstätten, allen voran die Tierärztliche Hochschule in Hannover.

(HD – Hüftgelenkdysplaie, OCD – Ostteochondrosis dissecans, FPC – Frakturierter Processus coronoideus, IPA – Isolierter Processus anconaeus)

Wie konnten deutsche Tierärzte, die keine Oberassistentenstelle an den Unis ergattert hatten – und das waren immerhin weit über 99 Prozent – orthopädische Chirurgie erlernen und Kompetenz erarbeiten? In der Humanmedizin müssen Möchtegern-Chirurgen jahrelang einem Erfahrenen über die Schulter schauen bevor sie das Skalpell in die Hand nehmen dürfen. Die Antwort lautet schlicht: „learning by doing“ – in einer Einzelpraxis aber so gut wie ausgeschlossen.

Heute gibt es viele Tierärzte in Deutschland, die verantwortungsvoll und gut operieren. Sie haben sich einem permanenten Intensivtraining unterzogen und verstehen ihr Handwerk. Dieses Intensivtraining bedeutet: häufige Teilnahme an Operationen in kollegial geführten Praxen, Auslandsaufenthalte meist in den USA und Großbritannien verbunden mit der Teilnahme an chirurgischen Kursen. Es gibt aber auch die „akademische Schiene“, die Erlangung des „Fachtierarztes für Kleintiere oder Chirurgie“. Diese Leute haben einen Brief in der Tasche, der ihnen bescheinigt, fünf Jahre lang Assistent in einer als Weiterbildungseinrichtung geführten Praxis gewesen zu sein. Tjö, ich habe Fachtierärzte kennengelernt, die einen Kniebänderriß nicht operieren konnten, geschweige denn eine OCD oder einen FPC. Ich habe auch „Spezialisten“ im Ausland kennengelernt, Spezialisten für die orthopädsche Chirurgie, die Bandscheibenvorfälle nicht operieren konnten. Auwaia.

Dies weist auf ein Dilemma in unserer Gesellschaft. Fakt ist, dass unsere Haustiere (als Tierarzt für kleine Haustiere meine ich: Hunde und Katzen), nicht gesünder und länger leben, sondern das Gegenteil ist der Fall. Und – besonders die orthopädischen Erkrankungen – Bewegungsstörungen und Lahmheiten nehmen gewaltig zu.

Wieso das denn?

Alle Welt spricht von „allerbester Ernährung“ für Hunde und Katzen. Die Medien sind voll davon. Ratgeber in den Futterläden lassen Kompetenz „heraushängen“ und die „Züchter“ raten auch mal was – das was sie ihren Hunden immer geben, weil es billig ist.

Unser lieber verstorbener Hamburger Altkollege Dr. Rainer Fietzek sagte mal über Züchter: „Die gehören doch alle ins Gefängnis.“ Aber mit der Futtermittelindustrie hatte er offenbar keine Probleme. Denn – als ich mal in einer Hamburger Radiosendung (1999) etwas gegen das Industriefutter sagte (sicherlich nichts Schmeichelhaftes), rief er mich wütend an und fauchte: „Wie kannst Du so etwas sagen – ich verkaufe das doch…“

So war das. Und es ist ein Kernproblem unserer Zeit geblieben. Alles ist steigerungsfähig. Bis heute innerhalb von 10 Jahren ist die Kurve noch steiler geworden. Haben Sie mal etwas vom Pentagon-System gehört? Nein? Wir haben in Deutschland viele „Pentagon-Systeme“ zum Beispiel den militärisch-industriellen Komplex aber auch den medizinisch-industriellen Komplex. Diese Machtstrukturen schaffen den so genannten Mainstream zum Wohle des Umsatzes also des Gewinns. Dabei spielen Erkenntnisse der Wissenschaft allerhöchstens dann eine Rolle, wenn sie dem Gewinn der Industrie nützlich sind. Sind sie es nicht – tjö.

Die tierärztlichen Bildungsstätten sind Teil des veterinärmedizinisch-industriellen Komplexes. Kein Institut, das nicht auf irgendeine Weise von umsatzinteressierten Industrien gesponsert wird. Nirgendwo. Man freut sich doch überall über die Kohle für Forschungsprojekte, nette Reisen mit Damen und alle möglichen Festivitäten, bei denen sich immer wieder gewisse Firmen die Ehre geben, die Tickets, das Hotel und das Essen zu spendieren. Es sind nicht viele Namen, aber immer dieselben. Alle haben bei uns Hausverbot.

Hausverbot? Wirklich?

Vornehmlich sind es die Vertreter der Futtermittelindustrie. Was – bitteschön – soll man von Firmen halten, die ihre Außendienstmitarbeiter veranlassen, an die Tierarzthelferinnen Benzingutscheine der Marke Shell zu verschenken, wenn diese dafür sorgen, dass der Verkauf gewisser Futtermittel in ihrer Tierärztlichen Praxis zunimmt? Was soll man von Firmen halten, die den Praxisinhabern Rückvergütungen für den vermehrten Absatz ihrer Produkte anbieten? Hierbei handelt es sich nicht etwa um Korruption im strafrechtlichen Sinne, sondern um den Zeitgeist, der – allgemein toleriert – umsatzfördernd – Furchtbares anrichtet: verkürztes und leidvolles Leben. Von den Kosten, die der Tierhalter zu tragen hat, möchte ich gar nicht erst sprechen.

Nahezu 85 Prozent aller Hunde- und Katzenhalter kaufen für ihre Schutzbefohlenen „das Beste“ – nämlich Fertignahrung in Tüte oder Dose, beladen mit einer hochkomplexen Chemie für das Aussehen, den Geruch, den Geschmack die Akzeptanz und die Haltbarkeit. Dabei ist immer wieder die Frage aktuell: „Würden Sie so etwas Ihren Kindern geben?“ Wirklich?

„Ueps!“ – ist meist die Antwort. Oder das berühmte: „Öh-ja-nee-wieso?“

Wir konnten erfahren, dass der „Erkrankungspegel“ unserer Hunde und Katzen seit Jahrzehnten immer weiter ausgeschlagen ist. Bleiben wir aber bei den – wie angekündigt – orthopädischen Erkrankungen. Sie resultieren alle aus einem einzigen Vorgang: die Gelenke und das Skelett wachsen bis zum Ende der Pubertät. Findet diese ihr Ende, ist auch meist das Skelett ausgewachsen. Wird die Zeit der Pubertät verkürzt, sind es meist die Gelenke, die nicht richtig „auswachsen“. Ihre genetisch vorgegebenen Oberflächen passen nicht richtig zueinander. Die Folgen sind Knorpelschäden, Knochenentzündungen und Abrisse von Knochensegmenten in Wachstumsfugen. Diese Vorgänge finden sich auch in der Wirbelsäule. Die Wirbel sind miteinander durch die Facetten verbunden. Das sind Gelenke, ähnlich wie Knie- oder Hüftgelenk. Man spricht von „Schiebegelenken“. Auch sie haben Kopf und Pfanne. Bei einem gestörten Wachstum sieht man deutlich offene Facetten. Dies bedeutet, dass Kopf und Pfanne auch hier nicht richtig zueinander passen. Sie ermöglichen eine transversale unnatürliche Wackelbewegung der Wirbelsäule mit dem Erfolg, dass die Bandscheiben belastet werden und entzündlich aufquellen. Die Folgen: Schmerzhafte Rückenprobleme, Lähmungen aller Kategorien.

Wie kommt es nun zu dieser oben beschriebenen Fehlentwicklung? In Anlehnung an Erkenntnisse der Humanmedizin gibt es seit langem eine klare Antwort: Die Ernährung spielt die entscheidende Rolle. Ich will aber nicht verschweigen, dass bei Hunden gewisse orthopädische Störungen auch von einer ausserordentlich dummerhaftigen Haltung herrühren, die die wachsenden Organismen (aus welchem Grund auch immer) einem Hochleistungssport aussetzt: Die „Hundewiesen“ haben sich zu „Hunde-Tobe-Arenen“ entwickelt und man muss sich nicht wundern, wenn die Kräfte, die da aufeinanderkrachen, Störungen in gewissen Wachstumszonen hervorrufen und diese zu „Sollbruchstellen“ umprogrammieren. Ich komme später darauf zurück.

Also – die Ernährung ist schuld?

Wie viel ist Zwei mal Zwei? Wenn heute noch Vier dabei herauskommt, so gilt als gesichert, dass die unendlich vielen Zusatzstoffe, von denen ich eingangs sprach, die Ursache darstellen. Nicht etwa jeder einzelne Zusatzstoff für sich, sondern viel mehr die komplexe Wechselwirkung vieler Zusatzstoffe, die niemals zum seriösen Forschungsprojekt geworden ist. Die molekulare Wechselwirkung führt in die Richtung der Phtalat-Wirkung, einer Stoffgruppe, der hormonelle, östrogenähnliche Eigenschaften zugesprochen werden und sich seit langem im Visier der kritischen Ökologie befinden: In bestimmten Gegenden, wo industrielle Abwässer in Öko-Systeme gelangen, verursachen Sie eine Störung der Spermiogenese beim männlichen Tier bis hin zu zwitterähnlichen Mißbildungen mit dem Ergebnis: Vermehrung ausgeschlossen …

Beim Mann verursachen die Phtalate Fruchtbarkeitsstörungen in der Dimension, dass im Jahre 2010 mehr als 30 Prozent aller Männer in Mitteleuropa als unfruchtbar einzustufen sind.

Aber beschränken wir uns doch auf den Hund als langlebigen Begleiter des Menschen. Vierzehn Jahre und mehr kann ein Hund alt werden. Aber heute ist das Altwerden eines Hundes in der Regel mit schmerzhaften Veränderungen der Gelenke und der Wirbelsäule verbunden. „Ein Neufundländer und eine Deutsche Dogge sind mit 10 Jahren schon „alt“.“

Alter ist jedoch keine Krankheit. Aber gerade die großen und schweren Hunderassen sind es, die auf Grund des „Belastungskoeffizienten“ der Gelenke schneller Verschleißerscheinungen zeigen als leichte und kleine Rassen.

Das Unglück hat irgendwann seinen Anfang: Knorpelschäden können schon in frühen Jahren entstehen. Da der Hund aber über ein völlig anderes „Schmerzkostüm“ als der Mensch verfügt (die Anzahl der Schmerzrezeptoren im Gehirn ist deutlich geringer), zeigt er eine zeitlich enorm verzögert Schmerzreaktion und Lahmheit.

Das gilt jedoch nicht für die Bandscheibenentzündungen mit Rückenschmerzen und Lähmungen. Dass heute bereits Hunde im Alter von wenigen Monaten Bandscheibenpatienten sein können ist nichts Ungewöhnliches. Und der Pharmamarkt der Entzündungshemmer bei Skeletterkrankungen boomt. Alle paar Monate werden Pharmavertreter mit „noch wirksameren“ Mitteln gegen Schmerzen der Gelenke vorstellig – wohl wissend, dass sie damit auf längere Sicht Unheil anrichten: Leber und Nierenschäden als Folge Nicht-Steroidaler Antiphlogistika. Na toll.

Aus tierärztlicher Sichtweise kann nur dazu geraten werden, Industrieprodukten für die Ernährung grundsätzlich aus dem Wege zu gehen. Das „Selbermachen„ der Nahrung ist so kompliziert wie das Wasserkochen. Im Grunde braucht man nur einen Topf, einen Herd und den Willen, das anvertraute Lebewesen gesund durchs Leben zu bringen. Auf der Webseite www.kritische-tiermedizin.de gibt es eine Anleitung, also eine Rezeptur, die man nach Lust und Laune verändern kann: „Ja wie denn nun? Wie ernähre ich meinen Hund und meine Katze“. Jeder kann es lesen und mit Fisch und Huhn und anderen Eiweißquellen variieren.

Und: Nach der Lektüre von „Katzen würden Mäuse kaufen“ dürfte auch dem oder der Dümmsten klar sein, dass in der üblichen Industrienahrung ungeheure Gefahren lauern.

Na gut – ich gebe es zu: Ich kann auch nicht für unsere Hunde immer kochen und deshalb – es ist keine Schleichwerbung – haben zwei Nahrungsmittelfirmen für Hunde (und Katzen) bei uns kein Hausverbot: Aras und Marengo. Die Verantwortung, die auf diesen Firmen liegt, ist groß. Mögen Sie weiterhin halten, was Sie versprechen – nämlich saubere Nahrung.

Nach dem Schlachtfeld „Wie bringe ich meinen Hund (und meine Katze) mit dem Futter nicht um“ – auch zu lesen in www.kritische-tiermedizin.de komme ich auf die tierärztlichen Maßnahmen zu sprechen, die unser Berufsstand dem entgegenhält, was ich als „Selbst schuld“ bezeichne.

Das Kernproblem bei Lahmheiten des Hundes ist die tatsächliche Früherkennung der Osteochondrosis dissecans (OCD), der Knorpelerkrankungen auf den Gelenkflächen, die teilweise mit schuppiger Ablösung von Knorpel auf dem Knochen einhergehen. Röntgenbilder in Deutschland sind trotz des Vormarsches digitaler Röntgensystem sehr sehr häufig „eine Katastrophe“ – der Qualität. Da wird ein Bild mit 40 bis 80 Euro berechnet, und die technische Qualität ist weniger als Müll. Leider allzu oft weiß der Tierhalter nicht, dass er für Müll sehr sehr viel Geld bezahlt. Er kann die Qualität von Röntgenbildern ja nicht beurteilen… Selbst digitale Röntgenbilder sind teilweise dermaßen miserabel, dass man sich fragen muss: Wieso gibt es in der Tiermedizin keine Qualitätskontrolle? Das gilt auch für Untersuchungen mit dem CT. In der Humanmedizin ist eine Ausbildung von 5 Jahren mit einer Qualitätskontrolle notwendig, um diese Geräte in den Einsatz bringen zu dürfen. In der Tiermedizin kaufen sich manche ein Gerät, welches aus einer humanmedizinischen Praxis „herausgeflogen“ ist, lassen sich mal kurz einweisen – und dann können sie Diagnosen stellen. Das ist nicht nur zum Lachen, sondern auch kriminell. Ich kenne tierärztliche Einrichtungen, in den jeder Pimpelkram in den Computertomographen muss – na klar, bringt ja Kohle und zwar richtig, und der Tierhalter weiss ja auch nicht, dass er neben einer oft zweifelhaften Diagnose auch noch einen völlig vertrahlten Hund mit nach Hause nimmt – aber durchaus positiv gestimmt, „denn sein Fifi war ja in der Röhre…“, und das kann er denn ja auch im Tennisklub erzählen.

Kommen wir auf die häufigsten Folgen einer OCD zu sprechen. Meist handelt es sich um arthrotische Veränderungen im Schultergelenk (durchaus leicht und sehr erfolgreich zu operieren) und im Ellenbogengelenk und im Hüftgelenk – hier wird es komplizierter.

Eine schmerzhafte Ellenbogengelenksarthrose entsteht oft deshalb, weil gewisse Zonen der Knochen (Processus anconaeus und Processus coronoideus) einfach weggebrochen sind. Sie stellen einen Fremdkörper im Gelenk dar und die Trümmer zermahlen zusätzlich den Gelenkknorpel. Auch diese Konflikte sind chirurgisch meist gut zu beseitigen. Man muss nur wissen, dass abgebrochene Gelenkteile oft all zu lange im Gelenk herumschwirren und mechanisch den Gelenkknorpel dermaßen belasten, dass sich eine Arthrose verselbständigt… Das oberste Gebot ist deshalb: Trümmer müssen sorgfältrig und vollständig aus dem Gelenk entfernt werden. Und es gehört sich einfach, dass dem Patienten ein Medikament mitgegeben wird, welches dem Organismus eine Selbstheilung ermöglicht. Hier sind die Substanzen Chondroitinsulfat, Glucosamin und MSM unverzichtbar.

Leider haben wir die Erfahrung gemacht, dass nahezu alle auf dem Markt befindlichen Produkte dieses Genres sich als höchst mittelmäßig und völlig überteuert darstellen. Fast zehn Jahre lang haben wir deshalb aus Israel ein Produkt importiert, welches unseren Vorstellungen durchaus entsprach – jedoch wurde die Einfuhr von der Gesundheitsbehörde verboten, weil es als Medikament nicht zugelassen war. Die Konsequenz: Wir haben die Rezeptur in Israel geklaut und stellen es notgedrungen selbst her.

In der Chirurgie der arthrotischen Gelenke mit konsequenter Entfernung von allen Gewebetrümmern und nachfolgender Zufuhr oben genannter Suibstanzen sehen wir die Kausaltherapie – wobei gelegentlich auf steroidale und nicht steroidale Antiphlogistika nicht verzichtet werden kann.

Bleibt ein Schmerzbild übrig, kann man durchaus die Goldimplantation in Erwägung ziehen. Dabei handelt es sich keineswegs um Humbug, allerdings immer dann nicht, wen die kleinen Goldstückchen an die Gelenkkapsel angelegt werden, was leider und tatsächlich wohl in der Mehrzahl aller Fälle nicht so ist – und deshalb auch keine Schmerzlinderung bringen kann. Es gibt sicherlich etliche Tierärzte, die Goldimplantation „können“. Wir machen das gelegentlich auch und ich frage mich dabei oft, wie die es schaffen, ohne Röntgenscanner und – so aus dem Gefühl heraus – die Goldteile richtig zu plazieren. Das Problem kann man auch in www.kritische-tiermedizin.de nachlesen: „Die Sache mit der Goldimplantation“.

Dazu sei Folgendes ergänzt: Die Dysplasie des Ellenbogengelenks (auch ED genannt) stellt die Veterinärchirurgen vor eine enorme Herausforderung. Wenn sie erkannt ist, wäre die einzig logische Konsequenz ein Schnitt durch die die Ulna – die Elle. Dieser „Ulna–Cut“ weckt bei den Tierhaltern meist Zweifel und Ablehnung – ist aber der einzige Weg, dem betroffenen Hund die Möglichkeit des nachträglichen „Zurechtwachsens“ zu geben.

Kommen wir zu den häufigsten orthopädischen Problemen der Hinterläufe. Zunächst das Knie: Wer hat noch nicht von einem Kreuzbandriß gehört? Es handelt sich meist um einen Riß des vorderen Kreuzbandes. Und dummerweise passiert in kurzem Abstand meist das, was in dem anderen Knie schon passiert ist. Auch hier ist zu sagen, dass die „Neigung“ zum Kreuzbandriß nicht „gottgewollt“ ist. Wenn so ein verletztes Knie geöffnet wird, sieht man häufig Veränderungen der Knorpelpberflächen: kleine Risse und Areale, die stumpf aussehen statt glatt und glänzend: die klassischen Symptome einer Arthrose. Und woher bitteschön kommt die? Auch im Kniegelenk sind die zueinander passenden Oberflächen verändert. Die darauf zurückzuführende Fehlbelastung des Knorpelgerwebes mündet in entzündlichen Veränderungen, die irgendwann auf die Menisken und das vordere Kreuzband übergreifen. Und dann „knallt“ es.

In Deutschland sind etwa 40 verschiedene chirurgische Techniken bekannt. Fast jeder Tierarzt hat zum Kreuzbandriß â€žseine eigene Meinung“. In diesem Wirrwarr muss man sich natürlich fragen, welche Eingriffe sind die erfolgreichsten. Zu ihnen gehören die „Over the top-Methode (OTT)“ gern und häufig an der tierärztlichen Hochschule in Hannover durchgeführt. Hier ist man der Auffassung, dass die Verwendung von körpereigenem Gewebe als Kreuzbandersatz vernünftig ist.

Daneben ist sehr erfolgreich die Methode TPLO, eine knochenchirurgische Maßnahme, gern und laut propagiert an der Uni in München. Wir halten uns an die englische Tiermedizin und setzen vornehmlich die Laterale Fixation ein. Der Grund hierfür liegt in der Schlichtheit des Verfahrens, was sich auch in den Kosten ausdrückt. Die Erfolge liegen bei 95%. Wobei diese nur von der TPLO übertroffen werden: 96% lt. Statistik. Auch hier ist das Problem „OCD“ und Arthrose nicht unbedingt automatisch gelöst: Jeder Organismus hat in seiner Wachstumsphase Potenzen, die einen ausreichende Knorpelentwicklung ermöglichen. Ist das Wachstum vorbei, sind die „Speicher“ für die Knorpelbausteine leer und sie können auch nicht mit der Nahrung wieder aufgefüllt werden. Im Umkehrschluss heißt das: Wer eine Arthrose hat, wird sie behalten und sie wird schlimmer – es sei denn, man verwendet die Bausteine, wie schon genannt (Glucosamin, Chondtroitin möglichst in Verbindung mit MSM) und gibt dem Organismus die Chance zur Selbstreparatur. Auf diese Weise können die Ergebnisse chirurgischer Arbeit erheblich verbessert werden.

Zweiter Teil:

Die Dysplasie der Hüftegelenke ist in der tierärztlichen Praxis ein „Dauerbrenner“ geworden. Und sie wird es auch trotz aller Anstrengungen in der „Zuchtwahl“ bleiben.

Wir sind der Auffassung, dass ein Beschwerdebild mit Lahmheit grundsätzlich mit der Denervation nach Küpper, in seltenen Fällen in Ergänzung mit der PIN-Operation vollständig beseitigt werden kann. Hierbei ist zu beachten, dass in sehr vielen Fällen ein Erfolg nicht gesichert ist, weil das Abschaben der Corticalis bis hin zur Knochensubstanz nicht ordentlich durchgeführt wurde.

Seit uns Küpper diese Methodik nahegelegt hat, gibt es immer wieder Berichte von Tierärzten, die der Auffassung sind, dass sie „Müll“ sei. Ich darf zu Recht vermuten, dass sie nicht richtig zur Anwendung kommt. Seit Einführung der Denervation nach Küpper verwenden wir eine Rosenkopffräse. Diese wurde in Sonderanferigung von der Firma HEBU hergestellt, und es zeigt sich immer wieder, dass ihre Anwendung wohl die allerbesten Ergebnisse zeitigt.

Wenn allerdings der Hüftkopf aus der Pfanne herauszuspringen droht, muss man sich eben für eine Endoprothese entscheiden oder – was bei Katzen und kleinen Hunden völlig unproblematisch ist: für eine Resektion des Hüftkopfes. Es entsteht dann ein Pseudogelenk, welches schmerzfreies Laufen ermöglicht. Bei größeren und schweren Hunden kann es zu erheblichen Problemen kommen, obwohl auch hier der Anatomie Rechnung zu tragen ist: Der Schnitt muss immer so gesetzt werden, dass ein Kontakt zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Becken auszuschließen ist.

Ich muss zugeben, dass wir in den vergangenen Jahren eine zunehmende Zahl an Denervationen durchgeführt haben, und wir konnten sehen, dass in den meisten Fällen von Hüftgelenkdysplasie auch Bandscheibenvorfälle vorlagen, wenn wir „mal eben“ eine Myelographie zur Anwendung brachten.

Zum Thema Myelographie : es gibt zwei Kontrastdarstellungen des Wirbelkanals und der Bandscheiben: Bei der (echten) Myelographie wird über einen Zugang zwischen dem 5. Und 6. Lendenwirbel, oft auch zwischen dem 4. Und 5. Lendenwirbel per Spinalnadel das Kontrastmittel ind en Rückenmarkschlauch hineingebracht. Man kann es auch anders machen: über den Zugang L7-S1 (Foramen lumbosacrale) wird per Salim-Trokar das Kontratsmittel in den Raum zwischen Rückenmark und Wirbelknochen geleitet, wobei die einzigartige Chance besteht, eben diesen Trokar zu nutzen und einen Spinalkatheter in den Wirbelkanal zu schieben zwecks Einflutung von Bandscheiben-verkleinernden Substanzen.

Viele Tierärzte glauben, dass die Myelographie veraltet sei. Das ist natürlich Unsinn, weil gerade die Kontrastmitteleinflutung genaueste Ergebnisse liefert, tatsächlich viel genauer als zum Beispiel die Ergebnisse einer Computertomographie (CT) – vorausgesetzt, man macht nicht die alten Fehler und beschränkt sich auf die Herstellung von Bildern. Diese sind ja immer nur eine Darstellung zu einer ganz bestimmten Zeit, wobei betont werden muss, dass die Herstellung eines Films, die Flussmyelographie, das Mittel der Wahl ist. Man kann das Kontrastmittel fließen sehen und sieht auch, wie es Bandscheibenquellungen umfließt. Dies ist die absolut perfekte und genaueste Art der Darstellung des Spinalkanals. Merkwürdigerweise kaufen sich Tierärzte lieber einen alten Computertomographen als einen vernünftigen Röntgenscanner.

Neben der bei uns sehr häufigen Anwendung des Spinalkatheters gibt es immer wieder Fälle, bei denen konservativ „bohrtechnisch“ vorgegangen werden muss. Wir geben zu, dass wir die Dekompressions-OP gerne vermeiden. Sie stellt ein ungleich aufwendigeres Verfahren dar und das Üble: man kann – auch bei garantiert sorgfältigster OP – nicht garantieren, dass der Patient wieder laufen wird. Aber grundsätzlich mal: die Dekompressions-OP ist kein „Großunternehmen“, wie von vielen Tierärzten dargestellt wird. Der Grund: Wir benutzen Schädelbohrer, die ruckzuck, meist in 5 Minuten, ein ordentliches Loch im Wirbelkörper herstellen und mit der Laminektomiezange dauert es keine 30 Minuten, bis ein Oval über dem Bandscheibenvorfall aus dem Knochen herausgeschnitten ist.

Ähnlich ist des mit der so genannten Cauda-equina-OP – der Dekompressions-OP zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem Steißbein. So ein Eingriff dauert keine 30 Minuten.

Ungleich länger und sau-gefährlich ist die Decompressions-OP mit der Fräse – so wie es überall sonst – selbst in den tierärztlichen Bildungsstätten vorkommt: Wenn die Jungs zu schnell fräsen, entsteht Hitze und die überträgt sich auf die Nervenbahnen. So kann man sich unschwer vorstellen, dass bei solchen OPs das Rückenmark regelrecht „gekocht“ wird – mit dem trübseligen Ergebnis: ohne Erfolg.

In diesem Zusammenhang stellt sich zwangsläufig die Frage: „Was kostet das?“

In unserem Hause werden die genannten Operationen so durchgeführt, dass „im Normalfall“ die Uhr entscheidet, genauso wie bei Handwerkern: (Netto-Preise)

Chirurgie der OCD im Schultergelenk: 320 bis 350 €
Chirurgie des Processus anconaeus 220 bis 280 €
Chirurgie des frakturierten Processus coronoideus 350 bis 380 €
Chirurgie des Kreuzbandrisses 280 bis 320 €
Denervation des Hüftgelenks nach Küpper je Seite 150 €
Implantation einer Helica-Endoprothese 1400 €
Flussmyelographie oder Flussepidurographie 160 €
Anwendung des Spinalkatheters 48 €
Dorsale Laminektomie (Decompressions-OP) 350 €

Natürlich können diese Eingriffe nur unter Narkose durchgeführt werden: Eine gesteuerte Narkose beim Hund kostet inklusive permanenter Sauerstoffzufuhr und Monitoring ca. 80 €.

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Dirk Schrader

Tierärztliches Institut
für angewandte Kleintiermedizin
Innovation und Kompetenz seit 1973

Rahlstedter Straße 156
22143 Hamburg
Tel.: 040-677 21 44

www.tierklinik-hh-rahlstedt.de

www.das-tierhospital-hamburg.d…

www.tieraerzte-hamburg.com
www.kritische-tiermedizin.de

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(23.07.2011; 08:44 Uhr)

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 23.07.2011

Gottes unwerte Geschöpfe? – Religionen und Tierschutz

Jul 10th, 2011 | Eingestellt unter Hanna Rheinz

Von Hanna Rheinz

Mit den Religionen ist es beinahe so wie in folgendem Missgeschick beschrieben: Geistesabwesend wirft der Zausel seinen Haustürschlüssel in die Buchsbaumhecke neben der Eingangstür, rennt daraufhin aufgeregt zur nächsten Straßenlaterne, um unter deren Lichtkegel fieberhaft die Asphaltstraße nach dem verlorenen Schlüssel abzusuchen. „Der liegt doch im Gebüsch“ ruft ihm der Nachbar zu. „Aber da ist es zu dunkel“ antwortet der Zausel, „hier könnte ich ihn wenigstens sehen.“
Warum es mit den Religionen nicht viel anders ist? Wir verlieren das Unersetzbare an irgendwelchen okkulten Örtlichkeiten und sind heilfroh, es wenigstens noch im Schein einer Laterne suchen zu dürfen. Der organisierte Gottesglaube stattet uns mit der Hoffnung aus, selbst an den finstersten Orten irgendwann einmal das wiederzufinden, was uns verloren gegangen ist. Religionen sorgen für Strohhalme, an denen man sich festhalten kann, um ihre kantianischen Aufkleber zu studieren: Hier harrt die Bedingung der Möglichkeit, den Schlüssel wiederzufinden. Und noch das finsterste Loch ist in strahlendes Licht getaucht.
Einer der dunkelsten Orte, die sich die Zivilisationsgeschichte ausgedacht hat, ist der Ort, an dem Tiere verloren gegangen sind. Es ist das schwarze Loch in unserem Sein. Der Ort, der nichts, mit anderen Worten, das Nichts erzeugt. Der Ort, an dem nicht nur das Tier, sondern unsere Menschlichkeit selbst und zwar ihr wichtigster Teil, zum Verschwinden gebracht worden ist.

Von der ersten großen Kränkung der Menschheit

Wie kommt es, dass Tiere als Mitgeschöpfe so gnadenlos eliminiert worden sind aus unserer Wirklichkeit (unverbindlich kurzlebige Freizeitwelten mit ihren dekorativen Schmuseeinheiten ausgenommen)? Immerhin berichten doch fast alle Religionen der Welt von Schöpfungsmythen, bei denen der Mensch erst nach dem Tier, erst durch das Tier, aus dessen Schoß er hervorkriecht, auf die Welt kommt. In der Bibel heißt es beispielsweise, dass Tiere, anders als Menschen, vollendet erschaffen worden sind, um Seite an Seite mit dem tonangebenden Ebenbild Gottes, dem Menschen, die Erde zu bevölkern. Diese Gleichwertigkeit, die die hebräische Bibel und deren Talmud-Kommentare in nicht ermüden wollender Beharrlichkeit vorträgt, war vermutlich – von Sigmund Freud erahnt – die erste große Kränkung der Menschheit. Zugleich war dies die Geburtsstunde des Reflexes, sich als Mensch fortwährend selbst zum Übermenschen, zum Herrscher über Leben jund Tod einsetzen zu müssen. Der Mensch verbannte die Tiere, denen er eben noch – im Auftrag seines Schöpfers – Namen gegeben hatte; er stufte sie zurück, ließ sie zu Schattenexistenzen werden, zu Arbeitssklaven, zu beliebig manipulierbaren genetischen Clustern, die s zu entziffern und neu zusammenzusetzen gilt. Aus Tieren mit Namen wurde schließlich Biomaterial, für dem Schicksal ausgeliefert, als Neugeborenes an seinem Ende in die Fleischfabrik hineingeschoben zu werden, um ein Leben später auf der anderen Seite als Rindsbratwurst wieder herauszukommen.

Kann und sollte man Tierschutz und Religion gemeinsam behandeln?

Wenn Tierschutz und Religion in einem Atemzug genannt werden, erinnern sich die meisten Tierärzte wahrscheinlich an die unlängst gescheiterte Bundesratsinitiative des Landes Hessen zur Änderung von § 4 a Abs. 2Nr 2 TierSchG, wobei es um strengere Maßstäbe bei Ausnahmegenehmigungen für religiös motivierte betäubungslose Schlachtung ging, und den Einwand der verfassungsmäßig garantierten Religionsfreiheit, der dann letztlich über die Tierschutzanliegen obsiegte. Es ist anzunehmen, dass gerade Akademiker und Naturwissenschaftler das Ansinnen, Tierschutz gemeinsam und im Zusammenhang mit Religion zu diskutieren, nicht selten von sich weisen – dies mit dem Hinweis, man selbst stehe als Anhänger des naturwissenschaftlichen Glaubens an die „Götter Rationalität und Aufklärung“ über diesen Dingen und habe keine Veranlassung, sich mit Fragen wie der Stellung der Tiere in den Religionen zu beschäftigen.
Ist es also richtig, das Thema „Tierschutz und Religion“ als abseitig abzutun? Man bedenke: Immerhin sind Milliarden Menschen Anhänger religiöser Gemeinschaften, und auch in Europa wächst deren Zahl, besonders der Muslime. Dass die christlichen Gemeinschaften so hohe Einbußen, vulgo Kirchenaustritte zu verzeichnen haben, liegt wohl nicht am Fehlen von Gottessuchern, sondern eher an der Tatsache, dass die Kirchen zu lange auf den Ruhepolstern des Staates gerastet haben und dass sie, oft in vorauseilendem Gehorsam, als Ausführungsorgane staatlicher Machtinteressen auftraten, Anpassung und Ruhe forderten, wo Ruhestörung angebracht gewesen wäre, und somit ihren eigentlichen Auftrag, Fürsprecher der Armen und Schwachen zu sein – warum also nicht auch der Tiere? – aus den Augen verloren haben.
Kleinmut hat auch dasjenige Judentum im Griff, welches, anstatt sich seiner Tierschutztraditionen zu besinnen, sich in den Dienst der Politik gestellt hat und schon lange nicht mehr religiöse Inhalte sondern Machtpositionen verteidigt.
An dieser Stelle – dem Schnittpunkt von politischer Macht, Religion und dem Bedürfnis deds Menschen nach spirituellem Wachstum – wird die Frage der Stellung der Tiere in den Religionen für den Tierarzt von immenser Bedeutung.

Warum die Frage nach der Stellung der Tiere in den Religionen wichtig ist

Hier geht es keineswegs nur um die Frage des betäubungslosen Schlachtens, die ohnehin nicht konsequent genug gestellt worden ist. Auch in der öffentlichen Diskussion wurde, haarscharf an den Missständen bei konventionellen Schlachtungen vorbeischlitternd, vor der grundsätzlichen Frage der ethischen Vertretbarkeit von massenhaften Tiertötungen die Bremse gezogen. Hier geht es vielmehr um Folgendes: Die Religionen mit ihrem universalen Anspruch, ethische und moralische Standards zu definieren, müssen sich Fragen nach den Tieren gefallen lassen. Dazu gehört etwa die Frage der Vereinbarkeit religiöser Werte mit

- der Praxis der Nutztierhaltung,
- der Fleischproduktion,
- der Ausmerzung von Tierindividuen und Tierarten,
- der Nutzung von Tieren bei Sport- und Wettgeschäften,
- der Selektion von Tieren bei der Jagd.

Es geht um die Mitverantwortung der betroffenen Berufsgruppen und um die Ökonomisierung tierärztlichen Handelns (wer heute einen Tierarzt für sein krankes Huhn sucht, begreift, welche Folgen die Einführung – und stillschweigende Duldung – der Keulung als neuer „Behandlungsmethode“ für das tierärztliche Know-how hatte). Es geht darum, einmal kritisch nachzufragen, wie es denn bei jenen steht, die von der Heiligkeit des Lebens reden. Sind sie bereit, das Lebensrecht des individuellen Tieres zu verteidigen, egal ob es sich um einen „wertvollen“ Papageien oder um ein „wertloses“ Stück Geflügel handelt?
Das kulturelle Erbe der Religionen an den ethischen Herausforderungen der heutigen Zeit messen zu wollen, ist somit keineswegs ein Akt der Frömmelei. Gerade Tierärzte als „berufene Schützer der Tiere“ und Berufsgruppe von einigem gesellschaftlichen Ansehen, sollten dieses Erbe als ethisches Basiswissen mit hoher gesellschaftspolitischer Relevanz betrachten und vertreten. Nicht der moralisch erhobene Zeigefinger, sondern die von ethischer Kompetenz getragene Faust ist das Ziel.

Was die Religionen uns zu sagen haben

Wenn es um Tiere geht, zeigen in unserer Gesellschaft oft genug gerade die Hüter der Moral und Sittlichkeit einen eklatanten Mangel an Glaubwürdigkeit.
Dies betrifft ebenso die Anhänger der „Tierschützerszene“. Gerade in diesem Umfeld geht der Vorwurf der Empathiestörung, also die Unfähigkeit oder mangelnde Bereitschaft, sich in das Leiden und Empfinden anderer Lebewesen hineinzuversetzen, leicht über die Lippen. Doch oft haben jene, die diesen Begriff im Munde führen, nur eine sehr begrenzte und von wenig Sachverstand geprägte Sicht auf das Leid der Tiere.
Was bedeutet das im wirklichen Leben? Gilt es nicht, endlich dieser kollektiven Schwindsucht, diesem Mangel an Ehrlichkeit ins Gesicht zu sehen? Wir alle dulden stillschweigend, dass hinter der tierfreundlichen Fassade unserer Gesellschaft die Parallelwelten der Fleischfabriken, der industriell organisierten Schlacht- und Produktionskombinate liegen. Hier sind wir. Dort ist die Hölle. Um unseres Seelenfriedens willen wenden wir den Blick ab, verschließen die Augen.
Dabei haben die Religionen und allen noch viel zu sagen, sobald sie sich der Radikalität ihrer Erkenntnisse, dem Mut und der Voraussicht ihrer Propheten und Gelehrten stellen. Zu den aus tierärztlicher Sicht besonders relevanten Positionen der drei abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) gehören:

Die Schutzwürdigkeit von Tieren

Hier hat das Judentum eindeutig Stellung bezogen. Bereits in den Fünf Büchern Mose ist ein Verbot der Tierquälerei (Tza`ar baalei chayim) ausgesprochen. Unzählige Tiernarrative demonstrieren den gerechten und mitfühlenden Umgang mit dem Tier. Die Auslegung des Verbots der Tierquälerei geht überraschend weit und zeigt, dass der jüdische Tierrechtsgedanke auf der Grundlage von Visionen eines gerechten Zusammenlebens beruht, die für den moderaten Menschen in ihrer tierrechtsbezogenen Radikalität kaum mehr nachvollziehbar ist.
„So du siehest den Esel deines Hassers erliegend unter seiner Last, und du wolltest unterlassen, es ihm leichter zu machen…mach es ihm leichter“ (Exodus23:5)
Diese Stelle ist bemerkenswert, weil sie die Interessen des Menschen – anders als dies bei der anthropozentrischen Interpretation des Christentums der Fall ist – außer Kraft setzt und das Tier als eigenständiges Rechtssubjekt anerkennt, dessen Wohlbefinden in diesem Gebot höher bewertet wird als das Interesse des Menschen, seinem Feind zu helfen.
Dies übersteigt bei weitem das Gebot, die Heiligkeit des Lebens aller geborenen Geschöpfe zu achten. Das Beispiel fordert Altruismus und verlangt vom Menschen, die eigenen Interessen zugunsten des Tieres hintanzustellen. Überdies beruht das Gebot auf der Annahme der Schicksalsverbundenheit und Gleichwertigkeit von Mensch und Tier. Größer könnte der Unterschied zur hierarchischen Beziehung zwischen Mensch und Tier, die das Christentum vertritt, nicht sein. Die christlichen Kirchen haben sich immer wieder mit Nachdruck auf die eigene Vormachtstellung den Tieren gegenüber berufen. Sie verweigern damit überraschenderweise genau jene Haltung von demütiger Zuwendung (devekut), die mit dem Begriff der Barmherzigkeit in Verbindung gebracht wird. Im Judentum wird diese sogar für Tiere gefordert, und dies bedeutet im Umkehrschluss, wenn Barmherzigkeit (rachamin) nicht auch für ein Tier gezeigt werden muss, wie kann sie dann einem Menschen gegenüber je glaubwürdig sein?
Ein weiterer Aspekt des jüdischen Tierschutzes ist die Anerkennung der seelischen Dimension der Beziehung, die Rücksichtnahme verlangt, ohne Mitleid einzufordern. Wenn ein Tier in Not gerät, ist seine Existenz bedroht und es empfindet Leid und Schmerz. Der Mensch ist aufgefordert im Sinne der Seelenrettung (pikuach nefesch) ein bedrängtes Tier zu retten, sogar wenn das Risiko besteht, dass der Helfer zu Schaden kommt. Eine Güterabwägung ist hier nicht vorgesehen, d.h. der Mensch darf sich gar nicht anders entscheiden, als dem Tier zu Hilfe zu kommen. Unabhängig von den Besitzverhältnissen und selbst, wenn das in Not geratene Tier dem Feind gehört, ist der Mensch zur Hilfe verpflichtet.

Schabbat für Tiere

Das Gebot, dem Tier einen Ruhetag zu gewähren, selbst wenn dies den Ruhetag des Menschen stört, zeigt eine Konsequenz, die – würde man sie auf heutige Verhältnisse projizieren – Rücksichtnahme und Selbstlosigkeit einforderten, die von den Kirchen als unvereinbar mit der Menschenwürde bezeichnet und somit verhindert werden würden. Anders als der oft zaghafte, stets um Selbstrechtfertigung bemühte christliche Tierschutz, zeigt die Radikalität der Jüdischen Tierrechtslehre, wie hoch die Stellung des Tieres im Alten Judentum war.

Umgang mit Nutztieren

Ein weiteres Beispiel für die hohe Stellung des Tieres im Alten Judentum ist der Umgang mit den Nutztieren, der auf dem Verbot der Tierquälerei beruht. Gerade weil die jüdische Tierschutztradition einen so hohen Standard der tiergerechten Nutztierhaltung vertritt, fällt die Kluft zwischen dem eigenen Anspruch und der Wirklichkeit besonders ins Gewicht. Einige der Gebote sollen hier aufgelistet werden:

- „Keine Person darf ein Tier kaufen, Tier oder Vogel, wenn diese Person nicht für das Futter sorgen kann.“ (Jerusalem Talmud Yemavot 15:3)
- „Jüdische Menschen müssen es vermeiden, Federn von lebenden Gänsen zu zupfen, denn es ist grausam dies zu tun.“ (Code of Jewish Law, Even HaEzer 5:14)
- „Wenn Tiere ihre Jungen verlieren, leiden sie großen Schmerz. ES gibt keinen Unterschied zwischen dem Schmerz des Menschen und dem Schmerz anderer Lebewesen.“ (Maimonides, Führer der Unschlüssigen, 3:48)
- „In der kommenden Welt wird Gott jene Reiter strafen, die ihre Pferde mit Sporen verletzen.“ (Sefer Chassidim, para. 44)

Die Frage des Schlachtens

Das jüdische Schlachten ohne Betäubung, die Schechita, ist eine auf biblische uellen zurückgehende Methode des Tötens von Tieren, die nach der Halacha, dem jüdischen Religionsgestz, als zum Verzehr erlaubt bezeichnet werden. In der schriftlichen Tora, den Fünf Büchern Mose und der mündlichen Tora sind Gebote des schonenden Umgangs mit und des schonenden Tötens von Tieren enthalten, welche die Grundlage des jüdischen Tierschutz- und Tierrechtes sind, wie es im Verbot zum Ausdruck kommt, Tieren Leiden zuzufügen (Tza `ar baalei chajim). Hinsichtlich der Ausführung dieses Gebotes sowie der Festlegung eines handwerklichen Regelwerks des Schächtens gilt die Aussage: „Du sollst von deinem Großvieh und Kleinvieh schlachten, so wie ich dir befohlen habe“ (Deuteronomium 12:21). Ziel des jüdischen Tierschutz- und Tierrechtsgebotes ist es gerade nicht, dem Menschen das Töten von Tieren zu erleichtern, sondern im Gegenteil, durch eine Vielzahl von Reglementierungen das Töten, Schlachten, Jagen und Verzehren von Tieren einzudämmen, und dem Tier zugleich das Sterben zu erleichtern, wenn es denn vom Menschen als fleischliche Nahrung bestimmt wird.
Dreh- und Angelpunkt der jüdischen Schechita (ebenso wie der muslimischen Halal-Schlachtung) ist die Frage, wie ein Tier getötet werden kann, damit sein Fleisch nicht „Aas“ und somit unverzehrbar wird. Als deutlichstes Zeichen der Unversehrtheit und Lebendigkeit eines Tieres galt von alters her die Bewusstseinsklarheit. Eine Betäubung war in früheren Zeiten nur zu erlangen durch die Zerstörung von Gewebestrukturen und war somit aus jüdischer Sicht abzulehnen. Durch die Entwicklung neuer Verfahren wie der Elektrokurzzeitbetäubung, die vor oder nach dem Schächtschnitt vorgenommen werden kann, ist eine reversible Bewusstseinstrübung möglich, die das Tier kurzfristig ohnmächtig werden lässt, seine Lebendigkeit jedoch nicht beeinträchtigt.
Die Frage, ob eine Veränderung der Methoden des betäubungslosen Schlachtens mit dem Religionsgesetz vereinbar ist, gehört zu den großen Kontroversen, die nur durch einen Paradigmenwandel lösbar sind. Erst wenn wieder das individuelle Tier im Mittelpunkt steht, das auf die schonendste Weise geschlachtet werden soll, so wie es in den Schriften gefordert wird, wird es möglich sein, die verhärtete Verteidigungsposition zu verlassen und tierschutzgerechte Verbesserungen wie die reversible Elektrokurzbetäubung vor dem Schächtschnitt oder innerhalb eines Zeitfensters von fünf Sekunden danach zuzulassen.
Auf dem Wege dahin ist es wichtig an die ursprünglich vegetarische Kultur des Judentums zu erinnern. Daran nämlich, dass im ersten Schöpfungsbericht eine vegetarische Welt beschrieben worden ist und erst nach der Sintflut der Verzehr von Fleisch erlaubt wurde.
Die jüdische Forderung, die Heiligkeit allen Lebens und aller Lebewesen anzuerkennen, kann als ein jedweder handwerklichen Durchführung übergeordnetes Gebot gelten; zudem fordert sie eine Rückbesinnung auf die Erkenntnisse der jüdischen Tierschutz- und Tierrechtsgebote auch im Fall des Schächtens. Angesichts des industriell organisierten massenhaften Schlachtens von Tieren ist es zwingend notwendig, die Bestimmungen des jüdischen Religionsgesetzes, der Halacha, bzgl. der Rechte der Tiere auf Leben in körperlicher und seelischer Unversehrtheit sowie auf optimale Schonung im Falle des Schlachtens zu erfüllen. Diese sind unverzichtbar Teil der Unantastbarkeit und Heiligkeit des Lebens aller Lebewesen und somit die wichtigste spirituelle Botschaft des Judentums gerade in heutiger Zeit.

Haben Tiere eine Seele?

Während der Jude Jesus vegetarisch und tierfreundlich war, erklärten später die christlichen Kirchen die Tiere zu Antichristen, zu teuflischen Geschöpfen, zu Kumpanen Satans und der Hexen. In Umkehr der Tierfreundlichkeit der Fünf Bücher Mose behaupten sie, die Tiere seien von Gott ausschließlich zur Ausbeutung und zum Nutzen des Menschen geschaffen worden.
Kommen die Tiere in das Himmelreich? Fragen die Christen. Ihre Kirchen verneinen dies immer noch. Für Juden lautet die Antwort sehr überzeugend: Aber sie sind doch schon drin. Tiere als beseelte Lebewesen gelten in der jüdischen Reinkarnationslehre als eine Art postmortales Auffangbecken für die Seelen von Menschen. Auch deswegen ist die Frage des korrekten Schlachtens von so großer spiritueller Bedeutung. Fragen der Freisetzung der Seelen hinein in einen anderen Körper eröffnen nicht nur für das tiergerechte Schlachten überraschende Perspektiven.
Genau diese Beseeltheit der Tiere wird im Christentum und auch im Islam geleugnet. Zwar werden Muslime in Hadith-Sammlungen zur Freundlichkeit Tieren gegenüber ermahnt, da die Schönheit der Tiere Beweis für das Schöpfergenie von Allah sei. Doch hinsichtlich der Bewertung von Tieren stützen sich Muslime wie Christen auf die Hierarchie der Geschöpfe: Demnach folgt auf die unterste Stufe (Welt der Mineralien), das Königreich der Pflanzen, dann das der Tiere, und schließlich der Mensch. Der Mensch besitzt einen Körper, der der materiellen Welt angehört. Seine Seele ist Teil des spirituellen und immateriellen Bereiches und es ist das Ziel der Seele des Menschen, zu Gott zu gelangen und erlöst zu werden, oder wenigstens Engelstatus zu erhalten. Die Tiere gelten hingegen als seelenlos und können im Christentum nicht erlöst werden oder des Ewigen Lebens teilhaftig sein. Da Tiere gemäß dieser Vorstellung keine Seele haben, sind sie außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Kirchen. Auch diese Position, mithin der Ausschluss der „seelenlosen“ Tiere von der Heilswelt, wird vom Islam geteilt.
Auch in anderen Bereichen finden sich Parallelen zwischen Christentum und Islam. Im Judentum etwa ist die Jagd verboten, da sie hier den Tatbestand der Tierquälerei erfüllt. Das Fleisch gejagter Tiere ist nicht koscher, denn es gilt als „gerissen“ und mit als Aas. Islam und Christentum hingegen befürworten die Jagd auch als Methode Tiere zu töten und deren Fleisch zu gewinnen.
Gerade die Leugnung der Beseeltheit der Tiere hat sie im christlichen Abendland und in vielen muslimischen Ländern jahrhundertelang im wahrsten Sinne des Wortes zu Freiwild gemacht, und erst nachdem RenĂ© Descates´ Theorien der seelenlosen Automaten die Vivisektion zu einem Massenphänomen werden ließen, regte sich angesichts der erdrückenden Evidenz des Leidens der Tiere Widerstand.
Es waren ausgerechnet zwei pietistische Pfarre aus Schwaben, die Zweifel an der Unbeseeltheit der Tiere anmeldeten und zu Gründern der deutschen Tierschutzbewegung wurden: Albert Knapp, Pietist, Pfarrer und Liederdichter und Christian Adam Dann, evangelischer Pfarrer. Letzterer richtete im Jahr 1821 nach dem Anblick eines von Gewehrkugeln durchsiebten Storches einen Appell an die Welt: „Bitte der armen Thiere, der unvernünftigen Geschöpfe, an ihre vernünftigen Mitgeschöpfe und Herrn, die Menschen.“
Später dann trat als Ausnahmeerscheinung Albert Schweitzer mit seiner Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ auf. Überraschenderweise wird der Christ Albert Schweitzer seither gerade von der Fraktion der atheistischen und religionsverachtenden Tierschützer vereinnahmt, die sich über dessen christliche Wurzeln offenbar nicht im Klaren sind oder aber die falschen Schlüsse daraus ziehen.
Die Frage: „Kommen Tiere in das Himmelreich“ werden die beiden o.g. schwäbischen Tierschützern vermutlich verneint haben, ebenso wie wahrscheinlich die Ausnahmegestalt des Katholizismus, Franz von Assisi. Zwar wurde dieser auch wegen seiner begnadeten spirituellen Fähigkeiten „mit den Tieren zu reden“ heilig gesprochen, doch sein Einsatz für den weltlichen Schutz der Tiere steht weiterhin im Schatten und wird allenfalls in anekdotischer Form und als Nebensache dokumentiert. „Alle Gebilde der Schöpfung“, erläutert Franz von Assisi, „sind Kinder eines Vaters und daher des Menschen Brüder. Gott wünscht, dass wir den Tieren beistehen, wenn sie der Hilfe bedürfen. Ein jedes Wesen in der Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz“. Diese als „Magna Charta der Tiere“ bezeichnete Weisung des Franz von Assisi wartet noch immer auf ihre Umsetzung.
Die Zaghaftigkeit des christlichen Tierschutzes beruht auch auf der künstlich erzeugten Konkurrenzsituation zwischen Mensch und Tier. Das Gegeneinander-Ausspielen von Tierschutz und Menschenliebe ist ein Kennzeichen der kirchlichen Haltung bis auf den heutigen Tag. Dem Tier Zuwendung und Sorge schenken, ist nach Meinung vieler Kirchenoberen gleichbedeutend damit, dem Menschen, womöglich den Kindern, Zuwendung und Sorge zu entziehen.

Das negative Tierbild der Kirchen wirkt noch immer

Zum religiösen Brauchtum gehört es immer noch, Tiere durch Ortschaften zu treiben, zu schlagen, zu quälen und schließlich zu töten.
Die Katholische Kirche hat bis auf den heutigen Tag ihr negatives Tierbild nicht überwunden. Es wird mit gewissen Stellen im Neuen Testament in Verbindung gebracht, die das Tier als teuflisch, als Inkarnation des Bösen, als dämonischen Versucher und Verführer erscheinen lässt. Die Grausamkeiten, zu denen diese Haltung ermutigte und Tiere millionenfach zum Opfer von Aberglauben, Wut, okkulten Todesritualen werden ließ, sind noch immer Bestandteil des so genannten kulturellen Erbes des Abendlandes, wozu Tierkämpfe ebenso wie die Jagd zählen.
Die Kirchen haben sich hier jahrhundertelang und trotz ihrer Lehre der Gottesebenbildlichkeit des Menschen zu Komplizen von Täterpersönlichkeiten gemacht, deren Perversionen noch immer – und wie es scheint in wachsendem Maß â€“ zum alltäglichen Umgang mit Tieren gehören. Tiere werden hier zu Opfern und ihr Opferstatus wird mit kirchlichen Ritualen (wie beispielsweise den Hubertusmessen) legitimiert. Dass auch der Umgang mit den Nutztieren in den von den christlichen Religionen beeinflussten Ländern zu exzessiver Ausbeutung geführt hat, steht in dieser Tradition der Tierverachtung. Dabei wurde das grundlegende Tierbild auch dadurch nicht verändert, dass die katholische Volksfrömmigkeit auch Elemente der Sorge enthält, die sich besonders im bäuerlichen Umfeld, z.B. mit den Segnungen des Viehs, den Leonhardi-Ritten oder den für Tiere zuständigen Heiligengestalten zeigt.
Auch der Katechismus der Katholischen Kirche aus dem Jahr 1997 setzt die traditionelle Tierverachtung und Tierfeindschaft fort. Obwohl die Diktion nun auch (gemeinsam mit dem Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands) den Grundsatz der „Fürsorge und Verantwortung“ für die Natur enthält und damit die traditionelle Herrschaft des Menschen über die Natur ergänzt, ist das Gewaltverhältnis zwischen Mensch und Tier festgeschrieben worden. Bis auf wenige Ausnahmen, etwa die fortschrittliche Tierschutzerklärung der Nordelbischen Kirche, gilt für die Haltung der christlichen Kirchen weiterhin das vom Kirchenkritiker Carl Anders Skriver im Jahr 1967 geprägte Wort des „Verrats der Kirchen an den Tieren“. Verrat bezieht sich hier auf das Phänomen, dass die Gründergestalt des Christentums, der Jude Jesus, als Vegetarier und Kritiker des Schlachtens der Tiere gilt, diese Tradition jedoch jahrhundertelang systematisch verleugnet und entstellt worden ist.
Innerhalb der Kirchen haben sich allerdings in den letzten Jahren Tierschutzbewegungen entwickelt, z.B. Aktion Kirche und Tierschutz (AKUT), die sich für eine Veränderung des traditionellen Tierbildes der Kirchen einsetzen und den Tierschutz zu einem zentralen Anliegen des Christentums erklären.
Die Gottesebenbildlichkeit ist eine geniale Metapher zur Erklärung der menschlichen Natur. Dass der Blick des Menschen in den Spiegel zunehmend das zerstörte Antlitz der Erde zeigt, und nicht mehr das verlorene Paradies, dass Gottes vollkommene Geschöpfe (s.o.) heute milliardenfach als Biomaterial missbraucht werden und keinen Namen tragen dürfen, all dies zeigt den Endpunkt einer Entwicklung, an denen gerade die Religionen durch Förderung, Komplizenschaft, stillschweigende Duldung und Wegsehen einen maßgeblichen Anteil haben.
Werden die Enkel Abrahams die Kraft haben, in das zerstörte Antlitz der Erde zu blicken, das nicht länger übersehen werden kann? Es war ja gerade diese Leichtigkeit der Ausbeutung von Tieren, die die Menschheit an den Punkt geführt hat, an dem sie erkennen muss, dass ihre Lebensgrundlage, der Planet Erde, sich als Folge der immensen Eingriffe in einer Weise verändert, die Zweifel daran aufkommen lassen, dass es noch eine Zukunft gibt. Es ist an der Zeit, an den biblischen Vegetarismus zu erinnern und an die keineswegs utopischen Visionen des Propheten Jesaja über den Frieden zwischen allen Arten.

Einen ethischen Umgang mit den Tieren wiederfinden

Kann unser Mitgefühl für ein kleines Vögelchen dazu führen, dass der Messias kommt? Wird der Baum des Lebens, in dessen Schatten die beiden Löwen des Stammes Jehuda lagern, für alle Kinder Abrahams je zum Inbegriff der Heiligkeit des Lebens, auch des Lebens der Tiere, werden? Dass die Religionen und Kulturen voneinander lernen können, zeigt der Umgang mit der Nahrung. Alle drei abrahamitischen Religionen verbinden die Nahrungsaufnahme mit spirituellen Aussagen. Dass gerade der Nahrungsaufnahme eine spirituelle Bedeutung zukommt, ist Teil des verdrängten kulturellen Erbes der Völker. So heißt es im Talmud „Die Speisetafel des Menschen ist wie ein Altar“ (Chagigah 27a). Die Heiligkeit des Lebens stellt sich dar als Heiligkeit des von Gott gegebenen Körpers, der von Gott gegebenen Seele; sie wird durch die Reinheit der aufgenommenen Nahrung gesichert, die wiederum Abbild der der Ordnung der Tierarten ist. Die jüdischen Speisegesetze, die in Gestalt von Kaschrut (die Trennung der Nahrung in milchig und fleischig) und Schechita verschiedene Stadien der Reinigungsprozesse durchlaufen, sind somit ein unverzichtbarer Bestandteil des religiösen Ritus. Die Spiritualität findet hier im täglichen Leben statt.
Es gibt zwischen den Religionen eine Reihe von Parallelen als auch Unterschiede betreffs der Bewertung Tiere, die einen Dialog sowohl verhindern, ihn aber gleichermaßen auch auf den Weg bringen können. Erschwerend ist, dass die Religionen in ihren Bewertungen und Symbolen oft gegensätzlich sind. Dies gilt auch für die Frage des Tieropfers. Anders als das Judentum, das die Tieropfer mit der Zerstörung des Zweiten Tempels abschaffte, setzt der Islam die Tradition des Tieropfers fort mit dem Ziel, auf diese Weise die Unterwerfung des Menschen unter den göttlichen Willen zu demonstrieren. Dem Gebot der Wohltätigkeit folgend, nach der das Fleisch der zum Opferfest geschlachteten Opfertiere an Arme ausgeteilt werden muss, soll das Tieropfer die Fürsorge der Muslime füreinander zum Ausdruck bringen.
In Anbetracht der unerkannt bleibenden Qualen, die den Tieren millionenfach in den Parallelwelten der modernen Fleischfabriken widerfahren, erleben viele Muslime der westlichen Öffentlichkeit den Aufschrei der angesichts des öffentlichen betäubungslosen Schlachtens durch Laien beim Muslimischen Opferfest als heuchlerisch. Andererseits wächst auch unter den Muslimen die Kritik an den Tieropfern, die als nicht mehr zeitgemäßes Mittel der Gottesverehrung bezeichnet werden.
So konstatiert z.B. Abd al-Rahman al-Kalud, ein Mitglied der Akademie für Islamische Forschung: „Der Heilige Koran sagt mit klaren Worten, dass der Schöpfer das Opfer nicht als Selbstzweck wünscht, sondern als Symbol der Verehrung des Menschen für Gott wie es im Koran heißt: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, jedoch erreicht Ihn eure Frömmigkeit“ (Koran 22:37). Diese Sure lehrt eindeutig, dass das Opfer nicht als Opfer ein wesentlicher Teil der Religion ist, sondern durch den Akt der Wohltätigkeit und um die Armen zu bereichern.

Trialog zwischen Christentum, Islam und Judentum

Trotz aller bestehenden Differenzen gab es in den letzten Jahren hinsichtlich des betäubungslosen Schlachtens erfreulicherweise Annäherungen zwischen einigen muslimischen Verbänden und den Tierschützern. Auf jüdischer Seite fehlt jedoch leider auf der Ebene der Repräsentanz noch immer der Ansprechpartner. Trotz der Vorreiterrolle des jüdischen Tierschutzes fällt mithin die jüdische Gemeinschaft als Bündnispartner in Sachen Tierschutz nahezu komplett aus. Obwohl viele jüdische Menschen Unbehagen an der Schächtpraxis äußern und schockiert sind über die Zustände in den Schächtbetrieben der europäischen Nachbarländer und obwohl von den Schächtern selbst eine hohe Burnout-Rate berichtet wird, tun sich die Repräsentanten schwer damit, die Praxis des betäubungslosen Schächtens etwa durch Übernahme der reversiblen Elektrokurzzeitbetäubung zu verändern.
Neben den auf europäischer Ebene wichtigen machtpolitischen Erwägungen, verhindern psychologische Faktoren eine Umsetzung tierschutzgerechter zeitgemäßer Schlachtmethoden. Gerade in Deutschland will man nicht den Eindruck erwecken, , am Ende doch noch klein beigegeben zu haben. „Hitler soll hier keinen späten Triumph feiern“, ist die Haltung der Repräsentanz, die einen auch international wirkenden Image-Schaden fürchtet. Unvergessen ist, dass die NS-Gesetzgebung jüdische Menschen nicht nur dazu zwang, die eigenen Speisegebote aufzugeben, sondern auch ihre Heimtiere im Stich zu lassen, um nur wenige Jahre später selbst „wie Tiere“ verfolgt zu werden und getötet zu werden. Erst wenn diese erstarrten Abwehr-Positionen überwunden sind, die indirekt und ungewollt eine Fixierung auf die Verfolgungsgeschichte bewirkt haben, können sich Jüdinnen und Juden ihrer so zukunftsweisenden, visionären Tierschutztraditionen bewusst werden und sie hier und heute wieder mit neuem Leben erfüllen.
Immerhin war und ist das Judentum die einzige religiöse Kultur, die ein Verbot der Tierquälerei sowie zahlreiche Tierschutz- und Tierrechtsgesetze erlassen hat, aus religiösen Gründen, nicht als Ergebnis des säkularen Tierschutzes. Israel gehört heute zu den tierfreundlichsten Ländern der Welt; der Anteil der Vegetarier an der Bevölkerung ist hoch , die Jagd ist verboten und das mehrfach überarbeitete Tierschutzgesetz verbietet u.a. die Produktion von Gänsestopfleber und zahlreiche Tierschutzorganisationen setzen sich dafür ein, das Elend der Straßentiere zu lindern, um nur ein Beispiel zu nennen.
Im Trialog zwischen Christen, Islam und Judentum könnten die spirituellen Erwartungen thematisiert werde, die Menschen mit ihrer Religion, ihrer Nahrung und ebenso mit der Stellung der Tiere verbinden. Hierzu gehört die ethische Zielsetzung, dass es für Judentum, Christentum und Islam wichtig werden sollte, unter welchen Bedingungen das Tier lebt, dessen Fleisch gegessen werden soll, und unter welchen Bedingungen es am Ende getötet wird.

Dr. Hanna Rheinz erreichen Sie über HannaRheinz@aol.com.

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Die Veröffentlichung im fellbeißer erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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Übersandt von:
(17.08.2009; 20:56 Uhr)
www.kritische-tiermedizin.de

www.das-tierhospital-hamburg.d…

Beim Kampf um elementare Tierrechte endlich den ideologischen Schaum vom Mund abwischen

Jun 11th, 2011 | Eingestellt unter Autoren, Ulrich Dittmann
http://www.arbeitskreis-tierschutz.de

Ernsthafte Tierfreunde werden beständig von vielerlei Tierschutzzeitungen, Magazinen, Mitgliederbroschüren, oder mit Internetinformationen flächendeckend schlicht überrollt.
Die – ihrem Herzensbedürfnis folgend – ohnehin umfassend informierten Tierfreunde lesen so vielfach immer die gleichen bekannten Beiträge von immer den gleichen bekannten Autoren über die immer gleichen schrecklichen Tierschindereien. Andere Bevölkerungsteile hingegen erhalten kaum gezielt nachhaltige Informationen über all das Tierelend.

Doch ALLE Menschen, ob gut oder böse, dumm oder gescheit, atheistisch oder religiös, dem christlichen, buddhistischen, islamischen oder mosaischen Glauben zugehörig, politisch links oder rechts stehend, haben Anspruch, über alle Tierquälereien aufgeklärt zu werden – MÜSSEN im Sinne der Sache aufgeklärt werden. Beispielsweise über perverse sinnlose Tierexperimente, das Verkrüppeln der Wildtiere in Fallen und bei der Jagd, über die Qualen der Tiere in den KZ-Massentierhaltungen (Lt. OLG Düsseldorf RdL 1977, 42 f. – rechtmäßige Titulierung für Tierhaltung in Engstkäfigen) bei Transport und Schlachtung, oder über die Schinderei des betäubungslosen Schächtens, usf.
Oder nicht? Darf nur eine ganz bestimmte auserwählte Bevölkerungsschicht, eine gewisse ethische oder geistige Elite – resp. die, die sich dafür hält – in Tierschutzdingen informieren oder Informationsbegehren beanspruchen? Darf nur eine “politisch-korrekte” Medien-Phalanx Information betreiben oder Kritik üben? Und dies auch nur in ganz bestimmten auserwählten Druckorganen oder Internetplattformen?
Niemand hat die Weisheit gepachtet, doch dieses Monopol wird leider besonders gerne vom links positionierten intellektuellen Möchte-gern-Gutmenschentum beansprucht.

Aber es besteht kein Anlass, nur einigen Auserwählten, in auserwählten Medien eine ausgewählte Informationsgebung, oder Wehklage-Erlaubnis zuzubilligen. Das heißt, es ist richtig und wichtig, gerade dort in der Öffentlichkeit Tierschutzthemen zu platzieren, wo bisher solche Tierschutz-Themen weitgehend negiert wurden. Konkret: Es darf keine Berührungsängste geben, beispielsweise (auch) in Fleischerzeitungen, Jagdmagazinen, Pharmazeitschriften etc. oder linken und rechten Presseorganen und Partei-Infoblättern, in verschiedensten Internetforen unser Anliegen “den Tierschutz – die Tierrechte” immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

Ernsthaft betriebener Tierschutz orientiert sich grundsätzlich weder an “links” noch an “rechts” – sondern am Geradeaus.
Und nur wo man sich politisch und gesellschaftlich offen und frei artikulieren und positionieren kann, kann man auch von Demokratie sprechen. Wo jedoch eine omnipräsente Meinungsdiktatur inflationär die Political-Correctness-Zuchtrute schwingt, ist man von diesem Ideal weit entfernt.
Wenn es eine “Mitte” gibt, gibt es zwangsläufig auch ein “links” und “rechts” – und keine politische Einstellung muss per se gut oder schlecht sein. Wer weit rechts steht, für den ist bereits die CDU ein “linker Haufen”. Umgekehrt sieht mancher Linksextreme bereits die SPD im Sumpf des Rechtsradikalismus versinken. Der Standpunkt macht eben die Sichtweise aus – und zersplittert tragischerweise die ohnehin schwache Tierschutzbewegung noch mehr.
Selbstredend ist Distanzierung von jeglichen extremistischen, gewalttätigen Gruppierungen unabdingbar – denn für die Opfer ist es gewiss nebenrangig, ob ihnen von linken, rechten oder religiösen Radikalen und Fanatikern und dem in ihrem Dunstkreis marodierenden Pöbel die Zähne eingeschlagen werden. Siehe z.B. die alljährlich stattfindenden, mittlerweile “rituellen” 1.Mai-Kravalle der sogenannten “autonomen” Linken – mit vielen Verletzten – in Berlin.

Grotesk und schlicht Schnappatmung erzeugend das Verhalten auch linker Grüppchen von gewalttätigen Meinungsterroristen, die unter dem Deckmäntelchen, angeblich „Tierrechte“ zu verteidigen, selbst einen Tierrechtsethiker wie Dr. Helmut Kaplan zum Feindbild erklären und versuchen, ihn randalierend zu hindern, eine Rede zu halten. Siehe traurige Vorkommnisse am 14. Mai 2011 beim Aktionstag „Deine Stimme den Stimmlosen“ in Köln. Wirrer und schizophrener geht es wirklich nicht mehr: Vorgebliche „Tierrechtler“ greifen ernsthafte Tierschützer mit Hasstiraden an! Die Tiernutzerindustrie ist gewisslich sehr erfreut über eine solche Schützenhilfe. Oder man terrorisiert förmlich mit irrsinnigen, oft gewalttätigen Aktionen die Urchristengemeinde des Universellen Lebens, die basierend auf christlicher Grundlage allumfassende Nächstenliebe und Mitgeschöpflichkeit im Sinne Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor ALLEM Leben“ nicht nur propagiert, sondern praktisch vorlebt – analog den Glaubensgemeinschaften der Jaina und Bishnoi in Indien. Letztere werden auch von Tierrechtlern in Deutschland hochverehrt, während man erstgenannte seltsamerweise ketzerisch diffamiert. Gnadenlose Dummheit ist in manchen Kreisen offenbar in solchem Übermaß vorhanden, dass man sehr freigiebig damit umgeht – und damit der gesamten Tierrechtsbewegung unendlichen Schaden zufügt.

Seinen Glauben frei ausleben zu können, nennt man Religionsfreiheit. Doch dieses Grundrecht findet seine Grenzen immer an der Nasenspitze des Gegenübers und dessen religiös-kultureller Vorstellung – die in Westeuropa auf einem Ethik-Verständnis basiert, das dem Mitgeschöpf Tier nicht vorsätzlich und bewusst eine vermeidbare Qual auferlegt werden darf.

Der Begriff “Tierfreund” beinhaltet unmissverständlich ein “Freund des Tieres“ zu sein. Und Freunde verteidigt man nach besten Kräften.
Wichtig so, bei einem tabuisierten Bereich des Tierschutzes, dem betäubungslosen Schächten, auch Klartext zu reden: Hier weicht Toleranz und Gleichgütigkeit der Öffentlichkeit “… es sind ja nur Tiere”, häufig erst dann einem empörten Gejaule, wenn orientalische Polit-Terroristen nicht mehr Schafen und Rindern, sondern westlichen Geiseln die Kehle durchschneiden. Wenngleich diese Erkenntnis in den Gehirnwindungen unserer politischen Entscheidungsträger noch keinen Einzug gehalten hat – sind Tiere doch gleichermaßen leidensfähig wie Menschen.
So (Schächt-)Juden und (Schächt-)Muslime, die entgegen dem regulären Tierschutzgesetz und entgegen hier geltenden Normen, vorsätzlich Tiere qualvoll betäubungslos abmetzeln, nicht gerade mit Sympathie überschüttet werden – müssen diese Bevölkerungsgruppen das auch aushalten. Zu durchsichtig, wenn dann von diesen (mangels stichhaltiger Argumente) entrüstet – auf schlicht inflationäre Art und Weise – wieder mal die Ausländerfeindlichkeits- oder Antisemitismuskeule hervorgekramt wird.
Von Tierschutzseite muss der Zuzug von Bevölkerungsgruppen zwangsläufig sehr skeptisch gesehen werden, die eine hier bislang unbekannte Tierquälerei im Gepäck tragen – wie betäubungsloses Schächten. Und man braucht wegen dieser Einstellung auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Mit übelsten Tierqualpraktiken (Massentierhaltung, Tierversuche etc.) sind wir in Deutschland, Österreich und Schweiz wahrlich zur Genüge geschlagen. Es wäre aus Tierschutzsicht schlicht schizophren, Menschen, die weitere zusätzliche Varianten von Tier-Qualzufügungen nach hier einschleppen und praktizieren, freudig zu begrüßen.

Wenn aus Fleischesgier die “Dornenkrone der Schöpfung” Tiere schon abmurkst, so muss dies zumindest möglichst rasch und qualmindernd vonstatten gehen – analog ein Mensch gewisslich den Tod durch eine “gnädige” Kugel dem Tod durch langsame Folter vorzieht. (Auf die kleine, aber eindringliche Geschichte aus dem letzten Weltkrieg – siehe unten – wird in diesem Zusammenhang hingewiesen.)

Solange wir die Fesseln der Tiersklaven nicht lösen können, müssen wir zumindest pragmatisch versuchen, die Ketten zu lockern. Keinesfalls reicht es, lediglich edle maximale Gesinnungsethik wie eine Fahne mit der Aufschrift „Ich bin vegan und gegen jegliches Töten“ vor sich her zu tragen, sondern es gilt mit praktischer Handlungsethik in die Niederungen des Alltagsgeschehens hinabzusteigen und zunächst alle Qualverminderungsmöglichkeiten auszunutzen – ohne natürlich je das Ziel, die Tiere von allen Fesseln zu befreien, aus den Augen zu verlieren. “…Der praktische Tierschützer muss immer wieder auf Kompromisse eingehen, weil der Alles-oder-Nichts-Grundsatz besonders im Tierschutz immer nur zum ‘Nichts’ und niemals zum ‘Alles’ führt.“ (Gotthard M. Teutsch: Mensch und Tier. Lexikon der Tierschutzethik)

Gelebte Demokratie heißt auch im Tierschutz, sich emanzipiert zu positionieren, mit offen artikulierter Meinungsäußerung – und das in allen Medien. Selbsternannte Moralwächter aller Couleur sollten sich in diesem Zusammenhang endlich den ideologischen Schaum vom Mund abwischen.
Wer das als erklärter “Tierschützer” oder “Tierrechtler” oder als Tierschutzorganisation nicht so sieht, wer hier herumnörgelt, exzessiv Gesinnungsselbstbefriedigung zelebriert, hat nicht verstanden (oder WILL nicht verstehen), dass es hier nicht um Vorlieben und Vorstellungen persönlicher, religiöser, weltanschaulicher oder politischer Vorstellungen und Phantasien geht – sondern um Publikmachung, Geltungmachung und praxisorientierte Durchsetzung von elementaren Tierrechten. Nur gemeinsam und bei Hintenanstellung eigensüchtiger persönlicher Interessen werden wir hier vorankommen.

V.i.S.d.P.: Ulrich Dittmann / 10.06.2011

Siehe auch Glosse “Mit Tierbefreiern unterwegs – oder die Geschichte von “Michi” dem Käfighuhn” (Internet:

www.fellbeisser.net/authors/mi….

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Von der Gnade und Barmherzigkeit eines raschen Todes

Zweiter Weltkrieg: In der Weite der russischen Wälder hatte eine größere Partisanengruppe eine kleine Anzahl deutscher Soldaten gefangengenommen. Diese mussten sich ausziehen, man band ihnen Steine an die Geschlechtsteile und schoss auf ihre Beine, um so die verhassten Deutschen noch zum “tanzen” zu zwingen, bevor man sie liquidierte.
Ein zufällig vorbeikommender Aufklärungstrupp der regulären sowjetischen Armee wurde auf die Geschehnisse aufmerksam. Der befehligende Offizier griff ein, rügte mit scharfen Worten das menschenverachtende Verhalten der Partisanen und stellte sich mit seinem Körper schützend vor die geschundenen Deutschen, um sie in die Gefangenschaft zu überführen.
Doch die durch Alkohol enthemmten Partisanen wollten sich ihren “Spaß” nicht nehmen lassen und drohten auch ihm Gewalt an, so er sie bei ihrem Tun hindern wolle. Mit seinen nur wenigen Männern an der Seite, sah der russische Offizier keine Möglichkeit, sich gegen den zahlenmäßig übermächtigen Partisanentrupp durchzusetzen und die Deutschen vor weiteren Folterungen zu bewahren oder gar ihr Leben zu retten.
Als Konsequenz aus diesem furchtbaren Dilemma sah der Offizier nur eine Lösung: Mit gezielten Kopfschüssen tötete er die deutschen Soldaten, bewahrte sie so vor einem schrecklichen, qualvollen Martyrium – gewährte ihnen die Gnade eines schnellen barmherzigen Todes in einer auswegslosen Situation.

Quelle: Gedächtnisprotokoll einer Radiodokumentation, Ausstrahlung Anfang der 1970er Jahre

U. Dittmann / 10.06.2011

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Ulrich Dittmann – Arbeitskreis für humanen Tierschutz und gegen Tierversuche e.V. (10.06.2011; 18:09 Uhr)
www.arbeitskreis-tierschutz.de –

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 11.06.2011

Wie können wir Tierrechte verwirklichen?

Jun 1st, 2011 | Eingestellt unter Autoren, Dr. Helmut F. Kaplan
http://www.tierrechte-kaplan.org

Helmut F. Kaplan

Hinweis: Beim folgenden Text handelt es sich um die schriftliche Ausarbeitung der gleichnamigen Rede, die am 14. Mai 2011 beim „Event für Tierrechte“ am Kölner Domplatz gehalten wurde.

Ich arbeite nunmehr seit vielen Jahren in der Tierrechtsbewegung. Das ist schon allein wegen des Leidens, mit dem man dauernd konfrontiert wird, keine besonders angenehme Tätigkeit. Und das letzte Jahr war besonders schwierig. Denn BIS vor einem Jahr konnte man sich sagen: Wenn es uns nur gelänge, die Menschen über die grauenhaften Fakten im Zusammenhang mit der Fleischproduktion aufzuklären, sie hinreichend zu informieren, dann würden sich die Dinge schon in die richtige Richtung verändern.

Diese Sicht war völlig falsch: Die grauenhaften Fakten im Zusammenhang mit der Fleischproduktion SIND nun – im Zuge der Foer-Duve-Debatte – ein Jahr lang in allen Zeitungen, Magazinen und Sendungen verbreitet worden – und: Geändert hat sich gar nichts!

Überblickt man einen längeren Zeitraum, kann man auch die eindeutigen RÜCKSCHRITTE nicht übersehen. So war etwa das ethische Element in der Tierrechts- bzw. Vegetarismus-Diskussion schon einmal viel präsenter. In den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war doch tatsächlich von der „Befreiung der Tiere“ die Rede. Heute wüsste kaum jemand mehr, was denn damit überhaupt gemeint ist. Und der politische Einfluss der Tierrechtsbewegung war damals auch stärker, so wurde beispielsweise ganz konkret die Schließung von Zoos erwogen.

Außerdem: Trotz gegenteiliger Gerüchte und gefühltem Vegetarismustrend STEIGEN Fleischproduktion und -konsum de facto dauernd. Schließlich: Die obszöne Selbstverständlichkeit, mit der heute wieder für Pelz geworben und in Pelz posiert wird, hätte man sich noch vor wenigen Jahren auch nicht (alp)träumen lassen.

Angesichts solcher Entwicklungen ist von denen, die sich für Tierrechte einsetzen, nichts weniger als ein Kunststück gefordert – kein kleines, sondern ein großes: Wir sollen realistisch sein und bleiben, diese Situation seelisch ertragen – und auch noch eine positive Zukunftsperspektive haben! Denn wir können die Tiere in ihren Folter- und Todesgefängnissen ja nicht im Stich lassen!

Ein Wort noch zum notwendigen Realismus: In der Tierrechtsbewegung gibt es eine fatale Tendenz zu MANGELNDEM Realismus: Viele verkehren fast ausschließlich unter ihresgleichen und dies führt leicht zu einem völlig irrealen und irrationalen Optimismus á la „Vegetarier-Zahlen schon wieder gestiegen!“, „Vegan ist in!“ usw. Überspitzt formuliert: Die Leute bleiben in ihrer Vegan-WG hocken und halten die dann für die Welt. Eine REALISTISCHE Wahrnehmung ist aber die unabdingbare Voraussetzung jeglichen Erfolgs. Denn nur wer die Wirklichkeit realistisch wahrnimmt, hat eine Chance, sie wirksam zu verändern!

Zur Zukunftsperspektive: Ich denke, da geht es uns allen ähnlich; mir geht es jedenfalls so: Ich überlege ununterbrochen, welches Rezept wir denn nun anwenden, welche Strategie wir denn nun fahren sollten, damit sich ENDLICH etwas in die richtige Richtung bewegt!

Ich plädiere für zweierlei: Erstens BILDER. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte! Zugegeben: Auch Bilder haben bis jetzt wenig bewirkt. Aber wenn schon das stärkste Instrument zuwenig bewirkt, müssen wir es eben noch massiver einsetzen! Fest steht jedenfalls: WENN sich irgendwo etwas bewegt, dann immer erst, nachdem es starke Bilder gegeben hat: Der ABU GRAIB-Folterskandal wurde durch Fotos und Videos aufgedeckt. Im VIETNAMKRIEG waren es die Bilder, die ab einem gewissen Zeitpunkt das Geschehen bestimmten. Und die Reaktionen auf WIKILEAKS waren nicht zuletzt deshalb so hysterisch, weil WikiLeaks die Post-Vietnam-Strategie der Bilderzensur besonders spektakulär durchkreuzte.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Die Sache hat leider eine Kehrseite: Auch die Wirkung des besten Bildes kann durch wenige Worte zunichte gemacht werden. Durch religiöse, ideologische, weltanschauliche „Filter“ nämlich, die sich quasi zwischen Bilder, sprich: die Realität, und den Betrachter schieben. Ein Beispiel: In dem kürzlich erschienen Buch „Soldaten“ (von Sönke Neitzel und Harald Welzer) wird – einmal mehr – dramatisch veranschaulicht, wie erschütternd schnell aus ganz normalen Menschen brutale Mord- und Foltermaschinen werden können.

Was passiert da? Die Täter sehen zwar die „Bilder“, die aktuelle Realität: weinende Menschen, verzweifelte Menschen, um ihr Leben bettelnde Menschen usw. Aber diese „Bilder“ verfehlen ihre mögliche und wünschenswerte Wirkung. Warum? Weil sich die Täter sagen: In Wirklichkeit sind das doch gar keine richtigen Menschen! Sondern minderwertige Menschen, Untermenschen, gar keine Menschen, Ungeziefer usw.

Diese für die Opfer tendenziell tödliche Umdefinierung bzw. „moralische Herabstufung“ kann schnell wieder rückgängig gemacht werden. Etwa durch einen politischen Friedensschluss, der die betreffenden Menschen (wieder) zu Verbündeten oder dergleichen erklärt. Ebenso schnell kann die ursprüngliche „Herabstufung“ erfolgen: Jüdische Nachbarn beispielsweise, mit denen man jahrelange freundschaftliche Beziehungen pflegte, konnten sich im „Dritten Reich“ binnen kürzester Zeit in Personen verwandeln, mit denen man absolut nichts mehr zu tun haben wollte.

Eine analoge „Bildervernichtung durch Worte“ findet in Bezug auf Tiere statt: Die Menschen sehen zwar – in Tierfabriken, Schlachthöfen, Versuchlabors usw. – die leidenden Tiere, denken aber sofort: Ja, gut, sieht schon schlimm aus – aber es sind Tiere, keine Menschen. Und Tiere sind nicht nach Gottes Ebenbild erschaffen, haben keine unsterbliche Seele, sind nicht „vernunftbegabt“; die kriegen das alles auch nicht so richtig mit usw.

Und diese „Bildervernichtung durch Worte“ wirkt noch wesentlich stärker als im Hinblick auf Menschen! Erstens existieren diese – hier wohl primär religiösen – „Filter“ seit Jahrtausenden. Und zweitens ist es natürlich bei Mitgliedern anderer Spezies ungleich leichter, sich einzureden, daß sie eigentlich überhaupt nicht so sind und überhaupt nicht so empfinden wie wir.

An die Stelle dieser „BILDERVERNICHTENDEN“ DOGMEN sollen – neben biologischen Fakten – ETHISCHE PRINZIPIEN treten! Einfache, einleuchtende ethische Prinzipien. Zum Beispiel: Gleicher Schmerz ist gleich schlecht, egal ob er von Weißen, Schwarzen, Frauen oder Tieren erlebt wird.

Zur ersten Strategie BILDER soll also die zweite Strategie ETHIK kommen – um sicherzustellen, dass die Bilder ihre Wirkung nicht verfehlen. Also: Erstens BILDER, die die grausame Realität anschaulich zeigen. Zweitens ETHISCHE PRINZIPIEN, die sicherstellen, dass diese Bilder auch richtig wahrgenommen werden – und nicht durch irgendwelche Thesen, Theorien oder Hirngespinste neutralisiert oder verfälscht werden.

Die Tierrechtsbewegung IST nämlich die konsequente und notwendige Fortsetzung anderer Befreiungsbewegungen wie etwa der Befreiung der Sklaven oder der Emanzipation der Frauen. Aber das müssen wir SAGEN und das müssen wir ZEIGEN. Und beides funktioniert nur mit klaren ethischen Aussagen, nicht mit kranken geistigen Verrenkungen – wie etwa: „Weniger Fleisch essen!“

Wir fordern ja auch nicht „Weniger Foltern!“ oder „Weniger Vergewaltigen!“ Warum? Weil Foltern und Vergewaltigen IMMER falsch sind. Und Tiere zu essen, ist auch IMMER falsch – egal, wie wir sie aufziehen und an welchen Wochentagen wir sie essen.

Deshalb ist dieses Gerede von „Bio“ und „fleischfreiem Montag“ und so weiter und so fort pures Gift – weil wir damit unser eigenes Hauptargument zunichte machen: Leidensfähige Lebewesen für einen kurzen Gaumenkitzel umzubringen ist ein durch nichts zu rechtfertigendes Verbrechen.

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Neues Buch: “Ich esse meine Freunde nicht”

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Helmut Kaplan (31.05.2011; 16:58 Uhr)

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 01.06.2011

EHEC und Co.

Mai 25th, 2011 | Eingestellt unter Autoren, Dirk Schrader
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Enterohaemorrhagische Escherichia Coli – so heißen manche unangenehme Mitbewohner in den Därmen von Rindern, Schafen, Ziegen. Aber auch bei Hunden und Katzen kommen sie immer öfter vor – zum Teil massenhaft – und sind dann Schuld an blutigen und endlosen Durchfällen, besonders dann, wenn sie gegen Antibiotika resistent sind.

Ogottogott – Die Pest ist da?

Meine Frau Ulrike fragte mich, ob sie sich an unseren Hunden eventuell infizieren könne. Ich sagte ihr: „Natürlich, wenn Du die Kacke isst.“

Das macht ja keiner. Aber wieso kommt es nun zu einem Seuchenzug von Norden nach Süden?

EHEC und Co. sind Bakterien, die in der Mehrzahl als „ubiquitär“ (d.h. sie sind überall) zu bezeichnen sind. Lassen Sie mal einen Rachenabstrich bei Ihrer Freundin / ihrem Freund machen. Das Ergebnis kann sie überraschen: Igittigitt – Coli und Co. Würden Sie sie/ihn dann noch küssen? Eher nicht – oder was?

Was machen diese Coli-Bakterien da? Nix – ist die Antwort – es sei denn, die körpereigene Abwehr ist geschädigt und die „üblichen“ Keime der Haut und der Schleimhäute haben sich verpieselt“ – will sagen: „wurden mit viel Chemie und Antibiotika platt gemacht.“

Denken Sie mal an ein Haus. Plötzlich ist der Keller feucht und viele nette Pilze und Bakterien siedeln sich im Mauerwerk an. Der Geruch: Fäulnis.

So ähnlich ist es mit der Gesundheit oder Nicht-Gesundheit unserer Spezies und unserer Hunde und Katzen: Wer sich und den Seinen dauerhaft „harte“ Hygienedrogen verabreicht, überall Sagro-dingsbums verpüstert, sich dann noch mit Industrie-Junk ernährt (mit viel viel schöner Chemie) und bei jeder klitzekleinen Infektion zulässt, dass der Arzt Antibiotika anwendet, tjö, der muss sich nicht wundern, wenn ungewaschener Salat plötzlich zur Todesfalle wird.

Die Industrie – will sagen: die Nahrungs-Pharma-Fuzzies – weiß sehr genau, was sie anrichtet. Jetzt rennen die Außendienstmitarbeiter in den tierärztlichen Praxen herum und bieten „Probiotika“ für Hunde und Katzen, Meerscheinchen usw. an, völlig überteuert und nichts anderes als haltbar gemachter Yoghurt. Den sollte man sich lieber selbst herstellen. Ist erstens billiger und viiiiel erfolgreicher in der Bekämpfung von Dysbakterien (so heißt das, wenn Coli und Co die gesunde Darmflora verdrängen).

Kaufen Sie sich mal einen Yoghurt-Maker und gehen Sie ins Reformhaus. Dort gibt es Yoghurt-Kulturen in Tütchen.

Schöne Grüße aus Hamburch-Rahlbüddl,

Dirk Schrader, Hamburg

Tierärztliches Institut
für angewandte Kleintiermedizin
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(25.05.2011; 09:27 Uhr)

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 25.05.2011

Besuch aus Duisburg

Mai 8th, 2011 | Eingestellt unter Autoren, Dirk Schrader
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Claudia Kansy steht mitten im Leben. Sie arbeitet für eine Modekette in Deutschland: Vierzig Plus. Und sie hat zwei Hunde.

Der Jüngere, Linus ist 12 Jahre alt und springlebendig. Krank? Niemals. Vor Wochen bemerkte Claudia Kansy, dass Linus nicht mehr so recht seine Mahlzeiten zu sich nimmt. Es kam der Tag, an welchem er seine Nahrung vollständig verweigerte. Sein Verhalten signalisierte: „Ich bin krank“.

Die Tierärztin, die Linus schon lange kennt, macht ein Röntgenbild, nimmt Blut ab. Die Ergebnisse: Linus zeigt keine Auffälligkeiten, die medizinisch verwertbar wären. Trotzdem bekommt er Spritzen – Antibiotika, man kann ja nie wissen – und Cortison. Linus isst nun gar nicht mehr und schaut bekümmert sein Frauchen an. Die fährt in eine Tierklinik, in der 21 Tierärzte und Tierärztinnen tätig sind, also „Kompetenz hoch 21“. Sie stellt Linus vor und übergibt die Röntgenbilder und das Blutbild.
Intensive Untersuchung nochmal: Blutabnahme, Röntgen (viele Röntgenbilder), Sonographie des Bauchraumes: „Linus hat nichts, aber vielleicht hat er zu viel. Magensäure …“

Endoskopisch wird Magenschleimhautgewebe und entnommen: Kein Befund, nix.

Claudia Kansy sagt immer wieder, dass Linus bis vor kurzem, als er noch Nahrung zu sich nahm, meistens eine eigenartige Beule im Bereich des Unterbauchs zeigte, die auch fühlbar war. Nach Bezahlung der Rechnung über etwa 1000.- € bekommt sie den Rat, Linus die Nahrung zu verflüssigen und einzugeben. Sie bekommt Angst, denn sie weiß, dass ihr Hund sehr krank ist und fährt am 6. Mai 5 Stunden über die Autobahn nach Hamburg-Rahlstedt.

Wir haben uns die Blutbilder von Linus angesehen. Da gab es keine Besonderheiten. Seinen Bauch haben wir durchgefühlt: er war ziemlich fest. Allerdings haben wir ein Röntgenbild gemacht – genau 15 Minuten nach Eingaben eines Kontrastmittels: Sofort war klar ersichtlich, dass Linus eine viel zu große Milz hatte und es bestand der Verdacht eines Kompartment-Syndroms: Überfüllung des Bauchraumes – aber nicht etwa durch Nahrung.

Linus wurde in Narkose gelegt und aus dem Bauch eine übergroße Milz entfernt. Das war’s.
„Ich musste ihm auch ein Kontrastmittel eingeben und dann nach 24 Stunden wieder zum Röntgen kommen. Da hat man sich gewundert, dass auf dem Röntgenbild kein Kontrastmittel zu sehen war …“, sagte Claudia Kansy.

„Merkwürdig“, dachte ich „seit wann gibt man ein Kontrastmittel ein und wartet mit der Röntgenaufnahme 24 Stunden“?

Ich habe in der Röntgenologie (Studienfach Strahlenheilkunde) immer wieder gehört, dass man eine Röntgenaufnahme pünktlich 15 Minuten nach der Eingabe des Kontrastmittels macht. Ich erinnere mich deshalb so genau, weil der Prof. damals das Lied von Udo Lindenberg so toll fand: „In 15 Minuten – sind die Russen auf dem Kurfürstendamm – sie kommen uns besuchen – nur mal so“ und so weiter. Das hat der „Große Radiologe“ der Universität Utrecht, Pim Wolvekamp, uns auch mal bestätigt, als er noch nach Hamburg-Rahlstedt kam, um Vorträge zu halten. Der machte allerdings immer schon 10 Minuten nach der Kontrastmitteleingabe eine Röntgenaufnahme. Und dann viele weitere, naja.

Tjö – dann haben die wohl gefehlt, als das an der Uni durchgenommen wurde.

Linus? Seine Augen haben wieder Glanz und er nimmt seine Nahrung – wie gewohnt.

Dirk Schrader, Hamburg

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(08.05.2011; 12:05 Uhr)

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 08.05.2011

Billige Arbeitskräfte

Apr 30th, 2011 | Eingestellt unter Autoren, Dirk Schrader
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Die Tierärzteschaft Deutschlands hat´s mit den Reichen. Wer gut Kohle hat, der wird auch sehr zuvorkommend behandelt – natürlich sehen die tierärztlichen Rechnungen entsprechend aus. Wer wenig oder nix hat – tjö.

Es hat den Anschein, dass manche Tierärzte sogar an die Börse wollen. Da wird um jede „müde Maak Umsatz“ heiß gekämpft und – die Mitarbeiter erhalten nur das, was sie unbedingt bekommen müssen: einen von der Tierärzteschaft und der „Gewerkschaft für Tierarzthelferinnen“ ausgehandelten miesen Hungerlohn. Das gilt natürlich auch für die Auszubildenden auf dem Wege zur Fachangestellten für Tiermedizin. Vierhundert Euro bekommen die netto – und am Ende der „Ausbildungszeit“ werden sie meist nicht übernommen.

Nun haben wir es schriftlich: Im Deutschen Tierärzteblatt vom März 2011 wird der Antrag eines Hamburger Tierarztes durch die Kammerversammlung abgelehnt: Der beantragte, darüber abzustimmen, dass nur dann einem Ausbildungsvertrag seitens der Kammer zuzustimmen sei, wenn ein darauf folgendes reguläres Arbeitsverhältnis in Aussicht ist. Die Brüder und Schwestern des Berufsstandes haben das mehrheitlich abgelehnt.

Natürlich passt dieser Antrag nicht zum Konsens der Sich-bereichernden-Gesellschaft. Ab 1. Mai wird es noch günstiger für diese Frühkapitalisten (in Neudeutsch heißen sie: „Alles für uns und nichts für die anderen“). Massenhaft werden sich Jugendliche aus den osteuropäischen Ländern um Arbeitsplätze bemühen, die jetzt schon als „prekär“ zu bezeichnen sind. Günstig, günstig für Egomanen und Ausbeuter.

Dirk Schrader, Hamburg

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(30.04.2011; 06:12 Uhr)

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 30.04.2011

Die Schuld der Kirche am Elend der Tiere

Apr 24th, 2011 | Eingestellt unter Autoren, Dr. Helmut F. Kaplan
http://www.tierrechte-kaplan.org

Helmut F. Kaplan

Vorbemerkung: Wenn im folgenden von „der Kirche“ oder „den Kirchen“ die Rede ist, sind damit die christlichen Konfessionen im europäischen Kulturkreis gemeint. Gegenstand der Ausführungen ist die Rolle des Christentums bei unserem Umgang mit Tieren. Die Einschränkung auf Europa erfolgt, weil ich über Beschaffenheit und Folgen christlichen Denkens außerhalb Europas zuwenig Bescheid weiß.

Rechtfertigung des Tiermissbrauchs

Was ist eigentlich die letzte Rechtfertigung für den Missbrauch von Tieren? Womit begründen Menschen ihren grauenhaften Umgang mit Tieren? Am liebsten natürlich gar nicht. Aber wenn man sie gezielt fragt, wenn man sie „zwingt“, nachzudenken und Auskunft zu geben? Dann tauchen wohl vor allem Gedanken und Gefühle auf, die mit folgenden Stichworten charakterisiert werden können:
- „Vernunftbegabtheit des Menschen“,
- „Gottesebenbildlichkeit des Menschen“,
- „unsterbliche Seele des Menschen“.

Damit soll weder behauptet werden, dass die betreffenden Behauptungen bzw. Thesen oder deren Stellenwert im eigenen Denken und Fühlen den Menschen (voll) bewusst sind noch dass diese Behauptungen bzw. Thesen „theologisch korrekt“ verstanden oder formuliert werden. Aber meiner Erfahrung und Einschätzung nach spuken diese Vorstellungen als „Hauptverantwortliche“ für den schauerlichen Umgang mit Tieren durch die Hirne und Herzen der Menschen:
- So richtig „vernunftbegabt“ sind ja nur wir Menschen; nur wir verstehen die Welt, begreifen ihre Zusammenhänge.
- Nur wir Menschen sind nach Gottes Ebenbild erschaffen.
- Nur wir Menschen haben eine unsterbliche Seele.

Nun wollen wir uns einmal ansehen, wie es denn um die Vernünftigkeit dieser Behauptungen bzw. Thesen selbst bestellt ist? Bei der „Vernunftbegabtheit“ des Menschen beginnen die Probleme schon: Wir kennen doch alle Zeitgenossen, mit deren „Vernunftbegabtheit“ es, freundlich formuliert, nicht so weit her ist. Und zweifellos bestehen GROßE UNTERSCHIEDE in der „Vernunftbegabtheit“ der Menschen: Es gibt „Hochbegabte“, Nobelpreisträger und Genies, andererseits das Heer der 08/15-Menschen, der „Fabrikware der Natur“, wie Schopenhauer sagt. Und dann gibt es natürlich noch die Dementen, Senilen und geistig Behinderten, die sich teilweise unzweifelhaft auf einem deutlich niedrigeren intellektuellen (bzw. Autonomie-) Niveau befinden als viele Tiere.

Ziehen wir aus den unzweifelhaften und obendrein gewaltigen „Vernunftunterschieden“ unter Menschen Konsequenzen, die jenen entsprechen, die wir in Bezug auf Tiere ziehen? In Bezug auf Tiere sehen unsere Denkschritte ja etwa so aus: weniger vernünftig – weniger wichtig – weniger schützenswert. Umgelegt auf den Umgang mit Menschen bedeutete dies beispielsweise: Den können wir ruhig etwas foltern, der ist eh nicht so intelligent. Oder: Bei „einfachen“ Menschen können wir das Schmerzmittel problemlos etwas niedriger dosieren. Denken wir so? Handeln wir so? Überhaupt nicht, hier sind wir also schon einmal inkonsequent.

Wir sagten, in Bezug auf die „Vernunftbegabtheit“ gebe es bei Menschen große Unterschiede und viele Menschen seien eher „wenig vernunftbegabt“. Gegen letzteres könnte man einwenden: Demente, Senile und Behinderte sind ja nun nicht eben typische Menschen und mit der mangelnden Vernünftigkeit manch anderer Zeitgenossen sollte man es auch nicht übertreiben. Auf alle Fälle sind aber die Menschen ALS SPEZIES unvergleichlich vernünftiger als Tiere!

Also richten wir unser Augenmerk auf die „Vernunftbegabtheit“ der menschlichen Spezies. Da brauchen wir allerdings nicht lange zu schauen, um eines Besseren, genauer: eines Schlechteren belehrt zu werden. Man betrachte nur die Umweltzerstörung im allgemeinen, die Klimazerstörung im besonderen, die himmelschreiend ungerechte Verteilung von Wohlstand und Reichtum, das tägliche Verhungern von Kindern, das atomare „Gleichgewicht des Schreckens“ und so weiter und so fort!

Und wie steht es um die beiden anderen Behauptungen bzw. Thesen: dass der Mensch nach Gottes Ebenbild erschaffen worden sei und eine unsterbliche Seele habe? Zunächst einmal ist es zweifellos so, dass diese Fragen von Andersgläubigen und Nichtgläubigen völlig anders gesehen werden als von Christen. Aber selbst unter Christen ist es alles andere als eine ausgemachte Sache, welche Menschen denn nun nach Gottes Ebenbild erschaffen wurden und welche eine unsterbliche Seele (oder überhaupt eine Seele) haben! Einen Eindruck davon, WIE komplex solche Fragen sind (und wie kontrovers sie diskutiert werden), bekommt man beispielsweise bei Betrachtung der mehrjährigen Beratungen der päpstlichen Theologenkommission darüber, ob ungetauft verstorbene Kinder nun in den Himmel kommen oder mit der Vorhölle, dem sogenannten „Limbus“, vorlieb nehmen müssen. Papst Benedikt XVI. hat jetzt ein Machtwort gesprochen und den Limbus abgeschafft – allerdings, wie gesagt, erst nach äußerst aufwendigen Erwägungen und Beratungen.

Konsequente Anwendung von Kriterien

Fest steht: Bei konsequenter Anwendung der Ausschluss- bzw. Minderbewertungskriterien für Tiere auf Menschen bekämen wir große Probleme: Erstens müssten wir überall (etwa bei Gerichten oder in Krankenhäusern) hochkarätige, interkonfessionell besetzte Expertengremien einrichten, um festzustellen, ob die betreffenden Menschen (hier: Angeklagte oder Patienten) untersterblich sind und vernünftig genug, um bestimmte aufwendige Maßnahmen zu rechtfertigen. Und zweitens würden viele Menschen diesen Test nicht bestehen – weil sie beispielsweise, etwa viele Demente, wesentlich „unvernünftiger“ sind als Hunde, Katzen oder Schweine.

Dieser Befund wird viele verwundern: Wie kommt es, dass bei unserem Verhalten gegenüber Menschen und Tieren hinten und vorne nichts zusammenpasst und die konsequente Anwendung der Prinzipien, die unseren Umgang Tieren leiten, katastrophale Folgen für Menschen hätte! Wer sich schon einmal näher mit einer zentralen Frage in diesem Zusammenhang befasst hat, nämlich mit der BEGRÜNDUNG VON MENSCHENRECHTEN, wird weniger überrascht sein.

Hier operieren wir nämlich mit einem irrwitzigen Zwei-Punkte-Programm, das irrationale Konsequenzen fast unausweichlich macht:
- Alle Menschen haben Rechte, weil alle Menschen eine Würde haben.
- Das Weiterfragen nach dieser Würde ist aber strikt verboten.
Erlaubt sind lediglich normierte Patentantworten vom Kaliber: „Nur die Religion erklärt mir, warum der Mensch seine Würde nie verlieren kann. Er hat sie von Gott geschenkt bekommen.“(Bischof Wolfgang Huber)

Wenn die Basis der Menschenrechte im dunkeln liegt und das Fragen nach ihr verboten ist, sollte uns keine Inkonsequenz oder Irrationalität im Umfeld verwundern! Diese Situation ist aber auch aus einem anderen Grund ebenso absurd wie unannehmbar: Wenn wir allen Menschen Rechte zugestehen, sollte es auch eine Fundierung dieser Rechte geben, die allen Menschen zugänglich ist, die alle Menschen verstehen und akzeptieren können – nicht nur, beispielsweise, Christen. Mit anderen Worten bzw. grundsätzlich gesagt: Was fehlt, ist eine Fundierung von Menschenrechten, die dem Umstand Rechnung trägt, dass wir in einer pluralistischen, säkularen bzw. laizistischen Gesellschaft leben!

Und wie könnte eine solche wünschenswerte und notwendige GLAUBENSNEUTRALE BEGRÜNDUNG VON MENSCHENRECHTEN aussehen? Auf alle Fälle müsste sie auf Merkmale wie Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Rationalität und Autonomie Bezug nehmen: Wesen, die leidensfähig sind sowie rational und autonom agieren können, sollten das Recht haben, entsprechend diesen Eigenschaften und den daraus resultierenden Bedürfnissen zu leben.

In diesem Zusammenhang gilt es, sich zwei wichtige Fakten zu vergegenwärtigen:
1) Keines dieser Merkmale verläuft entlang der Speziesgrenze Menschen – Tiere.
2) Es gibt Menschen, bei denen diese Merkmale SCHWÄCHER ausgeprägt sind als bei vielen Tieren.

Nachvollziehbare Zusammenhänge und Argumente

Diese Überlegungen zu einer glaubensneutralen Begründung von Menschenrechten versetzen uns schlagartig in eine viel übersichtlichere Situation, in der alles verständlicher, vernünftiger und nachvollziehbarer ist:
1) Es können auch diejenigen mitdenken und mitreden, die einen anderen Glauben oder keinen Glauben haben.
2) Wir haben 150 Jahre skandalöser Wissensverweigerung überwunden: Seit Darwin sollten wir nämlich wissen, dass es biologisch und psychologisch zwischen Menschen und Tieren keinen prinzipiellen, sondern lediglich einen graduellen Unterschied gibt.
3) Wenn wir auf dieser Grundlage das fundamentalste moralische Prinzip, das GLEICHHEITSPRINZIP, anwenden, ergibt sich der richtige Umgang mit Tieren fast automatisch: Wir schauen, welche Interessen Tiere haben und nehmen diese Interessen dann GLEICH ERNST, wie wir vergleichbare menschliche Interessen ernst nehmen.

Schweine sind beispielsweise ähnlich intelligent wie Hunde oder bestimmte Demente oder geistig Behinderte und haben daher auch vergleichbare Interessen. Wenn wir die Interessen von Schweinen gleich ernst nähmen wie die Interessen von Hunden, Dementen oder geistig Behinderten, sähe die Welt anders aus! Oder anders herum: Man stelle sich vor, wir würden mit Hunden, Dementen oder geistig Behinderten machen, was wir mit den 55 Millionen Schweinen machen, die wir jährlich in Deutschland schlachten!

Zweierlei wird augenblicklich klar: Wir treten das fundamentale moralische Gleichheitsprinzip mit Füßen. Und wir verüben unvorstellbare Verbrechen an Tieren.

Und zu diesen Verbrechen schweigen die Kirchen. Dieses Schweigen ist aber kein harmloses Nichts-Sagen, sondern im Gegenteil ein starkes Signal. Denn die Kirchen verstehen sich als tragende gesellschaftliche Kraft und äußern sich folgerichtig zu anderen Grundsatzfragen sehr wohl. Wenn sie sich zu einer Frage, dem Tiermissbrauch, nicht äußern, enthält dies eine klare Botschaft: Tiere sind nicht wichtig, ihr könnt mit Tieren weiterhin so verfahren wie bisher.

Die Schuld der Kirchen am Elend der Tiere ist also eine zweifache: Weltanschaulich liefern sie die Grundlage für die Verbrechen an Tieren. Und politisch schweigen sie zu den Verbrechen an Tieren. Wer aber Verbrechen verschweigt, macht sich mitschuldig an diesen Verbrechen.

Hinweise: Beim vorangehenden Text handelt es sich um die schriftliche Ausarbeitung des gleichnamigen Vortrags, der am 28. August 2010 auf dem Kirchentag „Mensch und Tier“ in der Dortmunder Pauluskirche gehalten wurde. 3 Videos: www.youtube.com/watch?v=sO4vkY…

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Helmut Kaplan (24.04.2011; 12:04 Uhr)

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Neues Buch: “Ich esse meine Freunde nicht”

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 24.04.2011