Moralische Invalidität

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Bildquellenangabe: Margit Völtz / pixelio.de

Wir sehen die armen Kerlchen fast jede Woche neu: Katzen mit schwersten Kotabsatzstörungen. Sie können teilweise seit Jahren nicht auf natürliche Weise ihren Kot absetzen und leiden an einer immerwährenden sich steigernden Verstopfung des Enddarms, der inzwischen völlig ohne Funktion seiner Peristaltik zu einer „Giga-Succhini“ aufgequollen ist. Die Ursache liegt meist an einer (erblichen) Störung der Synapsen, sodass der humorale und nervale Reiz auf den Enddarm allmählich ganz ausbleibt.

Das Phänomen des > Mega-Colons bei Katzen ist in der Veterinärmedizin hinlänglich bekannt. In sehr vielen Fällen trifft es Maincoon-Katzen.

Deren Herrchen und Frauchen „rennen sich die Hacken ab“ bei den ständigen Besuchen der Tierärzte. Unter Narkose wird der Enddarm mit einer Zange entleert oder auch chirurgisch, es werden Abführmittel verabreicht, Klistiere und so genannte Peristaltika – nix hilft wirklich, und ein Großteil des familiären Bruttosozialprodukts rauscht in die Taschen der Tierärzte. Immer wieder. Immer wieder. Immer wieder. Und zu hören ist immer das Gleiche:

„Mehr können wir nicht tun – eine mögliche chirurgische Entfernung des Enddarms ist aber viel zu gefährlich. Das wird auch nur dann gemacht, wenn es gar nicht mehr geht..“

Komisch: auch in den universitären Einrichtungen unseres Landes wird die „Colon-Resektion“ nicht oder nur höchst ungern durchgeführt. Das Ergebnis: ständige Horror-Besuche beim Tierarzt und erhebliche Kosten – ohne Ende.

Die eben geschilderte „Mainstream-Meinung“ in der Veterinärmedizin ist jedoch blanker Blödsinn. Muß man gehässig sein, um zu der Auffassung zu gelangen, dass eine jahrelange Intensiv-Behandlung solcher armen Opfer lukrativer ist, als die chirurgische Entfernung des erkrankten Darmteils?

Das know-how wird auch in der deutschen Literatur für Tierärzte beschrieben. Wir haben das überprüft – es handelt sich dabei um eine banale Darmresektion, die an anderen Darmteilen z.B. bei Tumorbildung üblich ist. In England und Australien wird die Colon-Resektion beim Krankheitsbild des Mega-Colons „wie selbstverständlich“ durchgeführt.

Selbstverständlich – ein schönes Wort, beladen mit großer Hoffnung und allerbesten Ergebnissen. Die meisten deutschen Tierärztinnen und Tierärzte können doch wohl Englisch lesen, oder?

Dirk Schrader, Hamburg

Tierärztliches Institut
für angewandte Kleintiermedizin
Innovation und Kompetenz seit 1973
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Rahlstedter Straße 156
22143 Hamburg
Tel.: 040-677 21 44
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Dirk Schrader (10.04.2013; 02:09 Uhr)
VeterinariansHH@aol.com

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Veröffentlicht von „der fellbeißer“© (www.fellbeisser.net/news/) am 10.04.2013
twitter.com/fellbeisser

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Dirk Schrader
Praktizierender Tierarzt, Jahrgang 1944, seit 1973 Gründer und Inhaber des Tierärztlichen Instituts für angewandte Kleintiermedizin in Hamburg-Rahlstedt

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